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Nationalprojekt Spanien: Was grüner Wasserstoff ist und warum er boomt

Anlagen des Energieparks Moeve in Palos de la Frontera in Huelva, wo die erste Bauphase des andalusischen Tals für Grünen Wasserstoff entsteht.
Anlagen des Energieparks Moeve in Palos de la Frontera in der Provinz Huelva. Dort entsteht die erste Bauphase des andalusischen Tals für grünen Wasserstoff. -  Copyright  Cortesía: Moeve
Copyright Cortesía: Moeve
Von Maria Muñoz Morillo & Christina Thykjaer
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Spanien will dank seines enormen Potenzials an erneuerbaren Energien europäische Referenz für grünen Wasserstoff werden. Was steckt dahinter, wozu taugt er, welche Hürden bleiben?

Spanien hat jahrzehntelang auf Öl und Gas aus dem Ausland gesetzt. Was früher ein deutlicher Nachteil war, könnte sich jetzt in eine Chance verwandeln. Viel Sonne, Wind und Platz für die großflächige Erzeugung erneuerbaren Stroms verschaffen Spanien eine privilegierte Ausgangsposition für eine noch junge Branche: die Produktion von grünem Wasserstoff.

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„Spanien hatte immer den Nachteil, kein eigenes Öl und kein eigenes Gas zu haben“, erklärt Maarten Wetselaar, Vorstandschef von Moeve, im Gespräch mit „Euronews“. „Aber jetzt ist Spaniens Moment gekommen, denn das Land verfügt über reichlich Solarenergie, sehr gute Windverhältnisse und Flächen für große Parks mit erneuerbaren Energien.“

Das Unternehmen Moeve, früher als Cepsa bekannt, will diese Kombination nutzen. In Palos de la Frontera in der Provinz Huelva hat die Firma gerade mit dem Bau von Onuba, der ersten Phase des Andalusischen Tals für grünen Wasserstoff begonnen: eine Investition von über einer Milliarde Euro für ein Projekt, das mit einer Elektrolysekapazität von 300 Megawatt (MW) startet.

Die Strategie reicht weit über eine einzelne Anlage hinaus. Spanien will seine erneuerbaren Ressourcen nutzen, um eine neue Industrie aufzubauen, die Energieabhängigkeit zu verringern und sich langfristig als Energielieferant für andere europäische Länder zu etablieren.

Aber was genau ist eigentlich grüner Wasserstoff? Warum ist Spanien überzeugt, ihn wettbewerbsfähig herstellen zu können? Und welche Hürden bleiben, bevor aus dieser Ambition Realität wird?

Was ist grüner Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff gilt als eine der Energien der Zukunft. Trotzdem ist Wasserstoff keine primäre Energiequelle wie Sonne oder Wind, sondern ein Energieträger: Zu seiner Herstellung braucht es Energie.

Wasserstoff kommt seit Jahrzehnten in Raffinerien, in der Chemieindustrie und bei der Produktion von Düngemitteln zum Einsatz. Das Problem: Der überwiegende Teil wird derzeit aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Der sogenannte graue Wasserstoff entsteht vor allem aus Erdgas, ein Prozess, bei dem CO2-Emissionen anfallen.

Grüner Wasserstoff entsteht anders. Bei einem Verfahren namens Elektrolyse spaltet ein elektrischer Strom Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff. Stammt der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen wie Solar- oder Windkraft, spricht man von erneuerbarem beziehungsweise grünem Wasserstoff.

Bild der grünen Wasserstoffanlage von Moeve in Huelva.
Bild der grünen Wasserstoffanlage von Moeve in Huelva. María Muñoz Morillo.

Hier zeigt sich der erste spanische Vorteil. Die Produktion erfordert enorme Mengen Strom. Nach Angaben von Wetselaar macht dieser rund 70 % der Kosten von grünem Wasserstoff aus. „Wenn man dorthin geht, wo erneuerbarer Strom in Europa am günstigsten ist, also auf die Iberische Halbinsel, wird der grüne Wasserstoff sehr, sehr wettbewerbsfähig“, sagt der Moeve-Chef.

„Spanien ist eine riesige Quelle erneuerbarer Energie und kann deshalb Europas größter Produzent von grünem Wasserstoff werden – und wird es auch“, fügt er hinzu. Die Prognose des Unternehmens ist ehrgeizig, und es gibt noch erhebliche Hürden. Doch sie erklärt, warum Firmen und Behörden Milliardenbeträge in diese Technologie investieren.

Wenn wir erneuerbaren Strom haben: Wozu braucht es Wasserstoff?

Das ist eine der entscheidenden Fragen. Immer wenn sich erneuerbarer Strom direkt nutzen lässt, ist das meist effizienter, als ihn in Wasserstoff umzuwandeln und den Wasserstoff später wieder als Energiequelle einzusetzen. Ziel ist daher nicht, fossile Brennstoffe pauschal durch Wasserstoff zu ersetzen.

Sein größtes Potenzial liegt in Sektoren, die sich schwer direkt elektrifizieren lassen. Bestimmte Prozesse der Schwerindustrie, die chemische Produktion sowie Teile der Schifffahrt und des Luftverkehrs brauchen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen, die Batterien praktisch nicht bieten können.

Wasserstoff eignet sich außerdem zur Herstellung von Derivaten wie Ammoniak oder synthetischen Kraftstoffen.

„Wir werden eine enorme industrielle Chance nutzen“
Pedro Sánchez
Spanischer Regierungschef
Pedro Sánchez bei der Vorstellung des Projekts Onuba in Huelva am 17. September 2026.
Pedro Sánchez bei der Vorstellung des Projekts Onuba in Huelva am 17. September 2026. Euronews en español

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez betonte bei der Präsentation des Projekts in Huelva, dass diese Technologie helfen kann, Emissionen in Bereichen zu senken, die noch stark von Öl und Gas abhängen. Zugleich versteht er die Wasserstoffoffensive als wirtschaftliche Chance.

„Diese Transformation bedeutet also nicht nur, dass wir uns besser gegen Krisen schützen, auch wenn das sehr wichtig ist. Sie bedeutet vor allem, dass wir eine enorme industrielle Chance nutzen“, sagte er.

Huelva wird Labor für Spaniens Wasserstoffpläne

Diese Chance beginnt sich an Orten wie Palos de la Frontera zu materialisieren. Onuba startet mit einer Elektrolyseleistung von 300 MW und kann später um weitere 105 MW erweitert werden. Moeve rechnet mit einer Jahresproduktion von rund 45.000 Tonnen erneuerbarem Wasserstoff.

Der Standort ist kein Zufall. Huelva verfügt nicht nur über reiche erneuerbare Ressourcen, sondern auch über Industrie, Hafeninfrastruktur und potenzielle Abnehmer des Wasserstoffs in relativer Nähe zu den Produktionsanlagen.

Moeve will das gesamte Andalusische Tal des grünen Wasserstoffs später auf 2 Gigawatt (GW) Kapazität ausbauen, mit Anlagen in Huelva und Cádiz. „Wenn wir Huelva mit anderen Industriezentren Europas verbinden, sei es über Pipelines oder über maritime Lösungen, können wir diese Anlage von den derzeit entstehenden 300 Megawatt auf 2 Gigawatt und mehr erweitern“, erklärt Wetselaar.

Ziel ist es nach seinen Worten, „wirklich eine neue Industrie in Spanien zu schaffen“.

Die große Frage: Ist grüner Wasserstoff preislich konkurrenzfähig?

Hier liegt eine der großen Hürden. Die Produktion von grünem Wasserstoff ist im Allgemeinen noch teurer, als konventionellen Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen zu gewinnen. Wie groß die Differenz ist, hängt jedoch von Faktoren wie Gaspreis, Stromkosten, CO2-Bepreisung und den konkreten Bedingungen jedes Projekts ab.

Wetselaar ist überzeugt, dass das aktuelle Energieumfeld diese Lücke kleiner macht. „Grüner Wasserstoff ist heute mit grauem Wasserstoff konkurrenzfähig, zum Teil weil der Gaspreis sehr hoch ist“, sagt er.

Er setzt darauf, dass steigende Produktionsmengen die Kosten von Elektrolyseuren und Anlagen senken, ähnlich wie bei Solar- und Windkrafttechnologien.

„Wenn die Kosten zur Herstellung von grünem Wasserstoff mit wachsender Industriekapazität sinken, werden sich die Linien kreuzen. Dann wird grüner Wasserstoff nicht nur eine saubere Energiequelle, sondern für Europa auch sehr wettbewerbsfähig“, prognostiziert er.

Diese Entwicklung ist jedoch nicht garantiert. Damit die Kosten spürbar fallen, müssen Projekte im großen Maßstab entstehen. Und Unternehmen werden nur dann Milliarden in solche Vorhaben investieren, wenn sie sicher sind, dass genügend Kunden bereit sind, den produzierten Wasserstoff abzunehmen.

Sicherheit und Risiko von Leckagen

Der Sprung zu einer großskaligen Produktion von erneuerbarem Wasserstoff wirft auch Sicherheitsfragen auf. Dabei geht es unter anderem um die Vermeidung und das Erkennen möglicher Leckagen. Wasserstoff ist ein hochentzündliches Gas und erfordert wegen der sehr kleinen Moleküle besondere Aufmerksamkeit für die Dichtheit von Geräten, Leitungen und Anschlüssen. In geschlossenen Räumen kann ein Leck zudem eine entzündliche Atmosphäre erzeugen, wenn bestimmte Konzentrationen erreicht werden.

Moeve betont, dass die eigene Strategie genau dort ansetzt: Leckagen sollen gar nicht erst entstehen. „Wir sind der Auffassung, dass die Entwicklung erneuerbaren Wasserstoffs mit höchsten Sicherheitsstandards einhergehen muss. Dabei stützen wir uns auf Jahrzehnte praktischer Industrieerfahrung im Umgang mit dieser Molekülart im Energiepark La Rábida“, sagt María Olavarría, Leiterin der Produktionsabteilung des Moeve-Energieparks La Rábida gegenüber „Euronews“. Die neuen Anlagen sind so konzipiert, dass sie möglichst dicht sind, und verfügen über mehrere unabhängige Schutzschichten, die Vorfälle verhindern sollen.

Das Unternehmen erklärt, dieser Ansatz stelle die Prävention vor eine Strategie, die allein auf das Reagieren nach einer Entdeckung setzt. „Unsere Priorität ist, dass es gar nicht erst zu Lecks kommt, statt uns darauf zu verlassen, sie später zu entdecken“, heißt es bei Moeve. Zusätzlich setzt die Firma auf automatische Überwachungs- und Erkennungssysteme, die betriebliche Auffälligkeiten schnell identifizieren sollen.

Regierung macht grünen Wasserstoff zum Projekt für das ganze Land

Spanien überlässt die Entwicklung dieser Branche nicht allein der Privatwirtschaft. Die Regierung hat erneuerbaren Wasserstoff zu einem der Pfeiler ihrer Energie- und Industriepolitik gemacht und das Ziel für die Elektrolysekapazität bis 2030 auf zwölf Gigawatt (GW) erhöht.

Sánchez bezeichnet die Wasserstoffoffensive unverblümt als „ein echtes Projekt für das ganze Land“. In Huelva erklärte der Regierungschef, dass die Regierung über drei Milliarden Euro in mehr als 120 Projekte für erneuerbaren Wasserstoff investiert hat. Allein das Projekt von Moeve erhält über 300 Millionen Euro an öffentlicher Unterstützung.

Die Strategie zielt nicht nur auf die Produktion der Moleküle. „Wir wollen nicht nur Moleküle (…) von grünem Wasserstoff erzeugen“, erläuterte Sánchez. „Wir streben an, dass die Elektrolyseure, Ventile, Kompressoren und die übrige Ausrüstung hier in Spanien gefertigt werden.“

Ziel ist es also, eine komplette Wertschöpfungskette rund um Wasserstoff aufzubauen: von den Geräten zu seiner Herstellung bis zu den Infrastrukturen für Speicherung und Transport.

Vom Import fossiler Brennstoffe zum Energieexport

Hinter dem Rennen um grünen Wasserstoff steckt noch ein weiterer Grund: die Energiesicherheit. Die geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre haben erneut gezeigt, wie verwundbar Europa ist, solange es von Öl und Gas aus anderen Ländern abhängt. „Was wir in Europa brauchen, ist europäische Energie, die dekarbonisiert, sicher und von uns selbst erzeugt ist“, sagt Wetselaar gegenüber „Euronews“.

Für Spanien bedeutet die Ambition, den traditionellen Energiefluss umzukehren. Statt fossile Brennstoffe zu importieren, will das Land erneuerbare Energie produzieren, sie in Wasserstoff und seine Derivate umwandeln und damit sowohl die eigene Industrie als auch künftig andere europäische Märkte versorgen.

„Wenn dieses Land sich zum ersten Mal in seiner Geschichte in einen Energieexporteur verwandelt, verbessert sich seine Beziehung zum restlichen Europa“, meint der Moeve-Chef. Dafür muss allerdings eine Infrastruktur entstehen, die bislang noch nicht im notwendigen Maßstab existiert.

Zu den entscheidenden Vorhaben gehört H2Med, ein Korridor, der die Wasserstoffnetze Portugals und Spaniens mit Frankreich und von dort aus mit den großen europäischen Industriezentren verbinden soll.

Kann Spanien Europas grünen Wasserstoff wirklich anführen?

Spanien bringt einige klare Vorteile mit: reichlich Sonnen- und Windressourcen, viel Raum für weitere erneuerbare Anlagen, Industrie, Häfen und eine strategische geografische Lage. Zudem investieren Staat und Unternehmen massiv. Doch ein sicherer Vorsprung ist das nicht.

Erneuerbarer Wasserstoff macht weiterhin nur einen sehr kleinen Teil der weltweiten Produktion aus. Die Kosten sind hoch, neue Netze für Transport und Speicherung fehlen, und die industrielle Nachfrage muss erst so weit wachsen, dass sie viele der angekündigten Investitionen trägt.

Außerdem muss deutlich mehr erneuerbarer Strom erzeugt werden. Grüner Wasserstoff kann nur dann zur Dekarbonisierung beitragen, wenn die großen Strommengen, die er benötigt, tatsächlich aus neuen, sauberen Quellen stammen.

Der Bau von Onuba zeigt, dass einige der großen spanischen Projekte vom Ankündigungsstadium in die Umsetzungsphase übergehen. Jetzt beginnt die schwierigste Bewährungsprobe: Sie müssen eine Produktion im großen Maßstab erreichen, genügend Abnehmer finden und dies zu einem wettbewerbsfähigen Preis schaffen.

Gelingt es Spanien, diese Gleichung zu lösen, könnten Sonne und Wind eine seiner historischen Schwächen – die Energieabhängigkeit vom Ausland – in einen Vorteil im neuen europäischen Energiemarkt verwandeln.

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