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Kritik an vorgetäuschtem Journalistenmord

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Kritik an vorgetäuschtem Journalistenmord

Kritik an vorgetäuschtem Journalistenmord
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Mykola Lazarenko/Ukrainian Presidential Press Service/Handout via REUTERS
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Der Coup des ukrainischen Geheimdienstes um die vorgetäuschte Ermordung des kremlkritischen russischen Journalisten Arkadi Babtschenko führt zu scharfer Kritik: mit dem nur inszenierten Mord sei die Öffentlichkeit in die Irre geführt worden. Solche Inszenierungen seien gefährlich und stellen die Glaubwürdigkeit des Journalismus in Frage, so die Kritiker.

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich entsetzt von diesem "weiteren Schritt im Informationskrieg. Es sei sehr gefährlich für Regierungen mit Fakten zu spielen und besonders, dafür Journalisten zu benutzen."

Auch andere Organisationen - bis hin zum Weltsicherheitsrat- stellten in Frage, ob ein mutmasslich geplanter Mordanschlag nicht anders als durch dessen Vortäuschen verhindert werden könne.

Russland kritisierte den Fall als Propagandaaktion und Provokation.Die Ukraine verteidigt das Vorgehen ihres Geheimdienstes: Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen.

"Hören Sie, natürlich ging es dabei darum herauszufinden, wer dahinter stand", erklärte der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin.

Tatsächlich dient diese Inszenierung bereits als Argument, Medienberichten und auch emotionalen Fotos in Zukunft nicht mehr zu trauen - und als Fake News zu brandmarken - wie in diesem Tweet.

Der regierungskritische Arkadi Babtschenko, der 2017 aus seiner Heimat Russland mit seiner Familie wegen Morddrohungen fliehen musste, hat die Inszenierung seines Todes dagegen verteidigt. Die Gefahr eines Anschlags auf ihn sei real gewesen, schrieb er auf Facebook. Wer ihm vorhalte, die Medien irregeführt zu haben, der solle «seine Prinzipientreue und hohe Moral beweisen und selbst stolz erhobenen Hauptes sterben». Auf Twitter entschuldigte er sich ironisch dafür, noch am Leben zu sein: «Bei der nächsten Attacke gehe ich bestimmt drauf.»