Eilmeldung

Eilmeldung

Wahlen in Bosnien-Herzegowina am 7.10.: Das müssen Sie wissen

Sie lesen gerade:

Wahlen in Bosnien-Herzegowina am 7.10.: Das müssen Sie wissen

Wahlen in Bosnien-Herzegowina am 7.10.: Das müssen Sie wissen
@ Copyright :
REUTERS
Schriftgrösse Aa Aa

Diese Wahl bereitet vielen Kopfzerbrechen. Bosnien-Herzegowina ist ein Land mit vielen Problemen und es ist hat das komplizierteste Regierungssystem in Europa.

Die hohe Arbeitslosigkeit von etwa 25% und weit verbreitete Korruption führen weiterhin dazu, dass viele Menschen Bosnien-Herzegowina verlassen.

Experten sagen, dass die ethnischen Spaltungen, die in den 90er Jahren den Krieg ausgelöst haben viel zu sehr im Vordergrund stehen. Die Politiker kümmern sich nicht genug um die wahren Sorgen und Bedürfnisse der Menschen, meinen viele.

Wie funktioniert das bosnische Regierungssystem und warum ist es so komplex?

Das System ist ein Vermächtnis des Friedensabkommens von Dayton, das den Konflikt von 1992-95 beendete, in dem sich die bosnischen Serben mit Kroaten und Muslimen bekämpft hatten.

Abgestimmt wird über eine neue Präsidentschaft und ein neues Parlament.

Aber das Land ist auch in zwei so genannte Einheiten geteilt: die Föderation von Bosnien und Herzegowina, in der hauptsächlich muslimische Bosnier und Kroaten leben, und die Republika Srpska für die serbische Bevölkerung.

Die Präsidenten und Parlamente dieser beiden Einheiten werden am Sonntag gewählt.

Der Bund ist auch in 10 Kantone unterteilt, die jeweils eine eigene Versammlung und Regierung haben.

Selbst die nationale Präsidentschaft ist ein Kompromiss

Statt eines Präsidenten gibt es ein dreiköpfiges Organ. Ein Präsident vertritt die bosnischen Muslime, der andere die Kroaten und der dritte die Serben.

Wer tritt an?

Mehr als ein Dutzend Kandidaten sind im Rennen, um die drei Positionen als Präsident zu besetzen.

Der aktuelle Amtsinhaber Mladen Ivanic (60) ist schon lange in der Politik. Er wurde der Korruption bezichtigt, dann aber freigesprochen. Favorit ist Milorad Dodik (59) ist schon seit 2010 Präsident der Republika Srpska. Beide vertreten die serbische Bevölkerung Bosniens. Dodik hat sich für eine große Autonomie und eine mögliche Abspaltung der von den Serben dominierten Region eingesetzt. Er ist auch deshalb umstritten, weil

Dragan Covic (62), der hofft, die Stimme der bosnisch-kroatischen Bevölkerung zu gewinnen, war schon des Missbrauchs seiner Position bezichtigt worden, dann aber wieder in sein Amt zurückgekehrt. Wie Dodik will er die Schaffung einer eigenständigen kroatisch geführten Region. Zu seinen Gegnern gehört der antinationale Kandidat Zeljko Komsic.

Die Bosniaken werden sich wahrscheinlich für Sefik Dzaferovic (61) und Fahrudin Radoncic (61) entscheiden, so Jasmin Mujanovic, eine Expertin für bosnische Politik.

Radoncic, ein Medienmogul, der auch als der bosnische Berlusconi bezeichnet wird, ist der Favorit, aber er und seine Partei haben laut Mujanovic Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

Sefik Dzaferovic kommt inzwischen aus derselben Partei wie der amtierende Bakir Izetbegovic, der nach Erreichen der Höchstgrenze, die er im Amt sein kann, zurücktritt.

Was sind die Hauptthemen?

Die Jugendarbeitslosigkeit in Bosnien lag im vergangenen Jahr bei 54,8%, was zusammen mit der weit verbreiteten Korruption dazu führt, dass viele auswandern.

Das Gesundheitssystem ist so gut wie zusammengebrochen, die öffentliche Infrastruktur liegt darnieder, und die Bildung befindet sich in einer Abwärtsspirale, sagen Experten.

Sie zeichnen ein düsteres Bild von den Problemen in Bosnien-Herzegowina, sagen aber, dass diese Sorgen wohl kaum beeinflussen werden, wie die Menschen am Sonntag abstimmen.

"Es gibt eine katastrophale Abwanderung von Fachkräften, die sich in den letzten vier Jahren nur noch beschleunigt hat, und alle Parteien haben jetzt begonnen, darüber zu sprechen", sagte Mujanovic. "Es wird durch eine sinkende Geburtenrate noch verschärft, und wir stehen sehr kurzfristig vor dem demographischen Zusammenbruch.

"Aber in der Praxis werden diese Fragen nicht sinnvoll diskutiert. Der politische Diskurs ist nach wie vor von Nationalismus, Paranoia und Chauvinismus geprägt."

Die wirklichen Sorgen der Menschen haben im Wahlkampf kaum Beachtung gefunden.