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Computer helfen, alte Handschriften zu lesen

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Wie kann man Handschriften in alten Schriften schnell entziffern? Bis vor Kurzem waren Computer nicht sehr gut im Lesen von handschriftlichen Manuskripten - künstliche Intelligenz bringt jetzt den Durchbruch wie das europäische Forschungsprojekt READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents) zeigt.

Im Tiroler Landesarchiv im österreichischen Innsbruck gibt es zahlreiche Dokumente, unter anderem aus dem 11. Jahrhundert - amtliche Aufzeichnungen, juristische Dokumente und andere Handschriften. Das Entziffern der alten Texte ist nicht einfach. Das Archiv arbeitet mit Wissenschaftlern zusammen, um die Transkription mithilfe modernster Computertechnologien zu automatisieren:

"Bei solchen Schriften glaube ich, dass die neue Technik Probleme haben wird. Hingegen bei solch relativ schönen Schriften hat das neue System große Vorteile und hilft uns sehr", sagt der Direktor des Landesarchivs Christoph Haidacher.

Um solche Bücher zu digitalisieren, haben Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts READ ein einfach zu bedienendes System entwickelt, das auf einer speziell entwickelten Smartphone-Anwendung basiert: Es erkennt, wenn Seiten umgeblättert werden, und macht automatisch hochauflösende Fotos von jeder Seite. Dr. Günter Mühlberger koordiniert das Projekt:

"Auf der einen Seite ist es natürlich eine Kombination von Low-Tech mit High-Tech. Das Low-Tech ist natürlich das Zelt, das relativ einfach aufgebaut ist. Die High-Tech steckt einerseits in der App des Smartphones, das natürlich mit dem Transkribus-Server verbunden ist: Und die Bilder können direkt auf den Server hochgeladen und dort verarbeitet werden, sprich die Handschriftenerkennung kann durchgeführt werden."

Transkribus vereinfacht Aufgaben, die sonst Jahre dauern würden: Dr. Mario Klarer, Professor für Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Innsbruck, bearbeitet das 500-seitige "Ambraser Heldenbuch" - die bedeutendste Anthologie mittelalterlicher deutscher Texte, die Maximilian I. Anfang des 16. Jahrhunderts in Auftrag gab:

"Der große Vorteil dieses Systems ist, dass in der Software eine Verbindung zwischen Bild und Text generiert wird, die die Eingabe sehr erleichtert. D.h. ich habe sofort den Überblick, ich habe ständig den Überblick zwischen Text und Bild, weiß genau, wo ich bin, und kann damit Fehler reduzieren, wie ich sie in keinem anderem System reduzieren könnte."

Der Server an der Universität Innsbruck nutzt Lernalgorithmen, um dem Computer neue Schreibweisen beizubringen. Nachdem der Benutzer einen Teil des Textes manuell transkribiert hat, lernt die Software, die Zeichen zu identifizieren und erledigt die Aufgabe dann automatisch mit beeindruckender Genauigkeit - bei historischen Dokumenten über 95 Prozent unabhängig von der Sprache oder dem Schreibstil:

"Ich gebe den Text zum Bild und dann wird der Computer genau diese und ähnliche Schrift lernen", erklärt Dr. Günter Mühlberger.

Das System kann Schriften in jeder beliebigen Sprache transkribieren und bringt Wissenschaftler, Archivare und Freiwillige aus vielen Ländern zusammen. Die Entwickler planen, Transkribus für Anwender auf der ganzen Welt kommerziell verfügbar zu machen:

"Wir waren selbst überrascht über den großen Erfolg des Projekts, und dass wir wirklich mit so vielen Institutionen in Kontakt stehen, und diese Interesse äußern. Und wir möchten den Service ausbauen und weiter anbieten und werden dafür ein Spin-off gründen", so Dr. Günter Mühlberger.

Mehr über Transkribus erfahren Sie im Internet unter https://read.transkribus.eu/

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