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Großbritannien: Unzufriedenheit über den Brexit-Prozess

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Großbritannien: Unzufriedenheit über den Brexit-Prozess

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2016 hat Großbritannien per Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Seitdem feilschen die EU und der Inselstaat um den Brexit. Welches Handelsabkommen werden die Europäische Union und das Vereinigte Königreich schließen? Kurz vor der Debatte über den Brexit-Deal erhöhte das britische Unterhaus den Druck auf Premierministerin Theresa May. Und aus Sicht des zuständigen Gutachters am Europäischen Gerichtshof könnte Großbritannien noch vom Brexit zurücktreten. Ein euronews-Reporter sprach mit Menschen an der Grenze zwischen England und Wales.

Euronews-Reporter Bryan Carter: "Meine Reise durch Großbritannien hat mich ein paar Meilen südlich von Schottland in die englische Stadt Carlisle geführt. Dort war das Wetter etwas weniger einladend als die Menschen. Begrenzung der Migration war eine starke Botschaft, die die Menschen davon überzeugt hatte, sich für den EU-Ausstieg zu entscheiden. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, welche Auswirkungen der Brexit auf britische Migrantengemeinschaften hat. Die Polin Paulina, zweifache Mutter, lebt seit 14 Jahren in Großbritannien. Sie ist besorgt über die Zukunft."

Paulina: "Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wohin das führt. Ich mache mir einfach nur Sorgen. Wie alle. Wenn Sie jemanden aus der EU fragen, werden Ihnen alle die gleiche Antwort geben. Wir zahlen Steuern, wir zahlen alles, wir sind gute Bürger. Also hoffe ich, dass alles eine gute Richtung nimmt, dass das Gesetz für jeden gleich ist, drücken wir die Daumen."

Paulinas Kundin Acha, eine in Schottland geborene Polin, ist ebenfalls besorgt darüber, was der EU-Austritt für ihre Gemeinschaft bedeuten könnte.

Acha: "Die Polen machen sich um ihr Leben hier Sorgen. Viele sind zurück in ihre Heimat gegangen, unheimlich viele sind zurückgegangen. Was in gewisser Weise gut ist: dass sie dorthin zurückgekehrt sind, wo ihre Wurzeln sind. Aber andererseits haben sie diesem Land so viel gegeben, sie haben so einen fantastischen Ruf, die Polen, was ihre Arbeitsmoral betrifft, ihre Arbeitsmoral ist sehr gut, worauf ich sehr stolz bin."

Eine Mehrheit der Schotten wollten in der EU bleiben

Ich verließ Carlisle, stieg in einen nordwärts fahrenden Zug, um über die Grenze zu fahren.

Euronews: "Ich bin auf dem Weg nach Schottland. Gerade fahren wir durch den Lake District. Der Grund für meine Reise ist, dass die Schotten 2016 beim Referendum mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt haben, in der EU zu bleiben. 62 Prozent der Menschen haben dafür gestimmt zu bleiben. Ich bin neugierig darauf, mit Schotten zu sprechen und zu hören, was sie über den Brexit denken und wohin das Land geht."

Ich traf den bald vierzigjährigen Schotten und Remainer Neil, der in der Werbung arbeitet und sehr enttäuscht über den gesamten Brexit-Prozess ist.

Neil: _"Es sieht nicht gut aus, und es scheint, dass es in jeder Phase Vorbehalte gibt. Ich finde das wirklich frustrierend. Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich nicht sicher bin, ob es mir wirklich wichtig ist, wie gut der Deal wird. Ich will nur überhaupt einen Deal, es zieht sich jetzt schon so lange hin. Und aus meiner Sicht wird die Wirtschaft abgewürgt. Selbst in meiner Branche stellen wir fest, dass Marken oder Unternehmen nicht mehr bereit sind, Geld auszugeben, weil jeder erst sehen will, was die Zukunft bringt."
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Brexit lässt besonders Menschen auf dem Land um ihre Arbeitsplätze zittern

Endlich in Schottland angekommen, schaute ich mich in ländlichen Gemeinden um, wo die Unsicherheit bezüglich des Brexits Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen bedroht:

"Mein Name ist Graham Ray. Mit ganzem Herzen Bauer. Geboren und aufgewachsen in Kirkpatrick-Fleming, Südwestschottland."

Graham Ray, der seit fast einem halben Jahrhundert in der Landwirtschaft tätig ist, hat eine ziemlich klare Meinung zu den Politikern in Westminster, die das Land regieren:

"Man findet mehr gesunden Menschenverstand, wenn man mit Kindern im Kindergarten spricht, um ehrlich zu sein. Völliger Schwachsinn, wenn man sich das Programm des Parlaments ansieht, Sie verhalten sich alle unglaublich kindisch. Es wird nie einen Brexit-Deal geben, der allen passt, deshalb war die Abstimmung ziemlich knapp. Es wird nie einen Deal geben, der alle zufriedenstellt, aber jetzt müssen wir ihn annehmen und weitermachen."

Wie die meisten Leute, die ich in Großbritannien getroffen habe, denkt Graham Ray, dass jetzt genügend Zeit für Verhandlungen verschwendet wurde:

"Die Gefahr eines 'No-Brexits' und zwei weiterer Jahre Unentschlossenheit und Kampf, anstatt das Land richtig zu regieren, wird mehr Ärger verursachen, als es wert ist. Wir haben die Entscheidung beim Referendum getroffen, es besteht keine Notwendigkeit für ein weiteres Referendum."

Brexit spaltet das Land dauerhaft

Meine Reise endet dort, wo sich angefangen hat, an der Grenze zwischen England und Schottland. Zwei Nationen mit einer schweren Vergangenheit, die es geschafft haben, viele ihrer Unterschiede zu überwinden. Eine gemeinsame Geschichte, an die diese künstlichen Felsstrukturen, die sogenannten Cairns, erinnern.

Euronews: _"Cairns wie diese findet man überall an der englisch-schottischen Grenze. Sie sind ein Zeugnis für das Vereinigte Königreich. Aber zum Thema Brexit stellte ich alles andere als Einheit fest. Es gibt noch viel Unsicherheit, Angst und Unzufriedenheit über das gesamte Scheidungsverfahren. Ob diese Spaltungen nach dem Brexit überwunden werden können, ob der Brexit überhaupt stattfindet, oder ob das Beispiel Großbritanniens Schule in Europa macht, bleibt abzuwarten, Bryan Carter für Euronews, an der englisch-schottischen Grenze."
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