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Dunkle Wolken über dem britischen Rentnerparadies

Dunkle Wolken über dem britischen Rentnerparadies
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Die Stadt Mijas an der Costa del Sol im Süden Spaniens ist ein Rentnerparadies - und zwar nicht nur für einheimische Senioren. Briten machen fast 20 Prozent der hiesigen Bevölkerung aus. Sie wollten ihren Lebensabend unter der Sonne des Südens verbringen - und vor allem ohne Stress. Dass ihr Land die Europäische Union verlassen würde, hatten sie nicht vorhergesehen.

Die Rentnerin Meryl Elmusrati sagt: „Der Brexit hat bei Leuten wie mir für Angst und Stress gesorgt, denn man weiß nicht, ob die Krankenversicherung nach dem britischen EU-Austritt noch gültig ist. Wir wissen nicht, ob es ein bilaterales Abkommen zwischen Spanien und dem Vereinigten Königreich geben wird, wir wissen nicht, ob unsere Renten eingefroren oder automatisch an die Preissteigerungen angepasst werden. Das Pfund verliert an Wert, das sorgt für eine Menge Stress."

Die Briten in Spanien haben sich zusammengetan und eine Vereinigung gegründet, um sich auszutauschen und gegenseitig helfen zu können. Immer wieder kommt das Thema Gesundheitsversorgung auf den Tisch.

„Ich mache mir Sorgen, weil meine 91 Jahre alte Mutter bei mir wohnt", so Judy Filmer. „Ich habe sie hergeholt, damit ich mich um sie kümmern kann; sie ist blind. Wenn wir für ihre Gesundheitsversorgung zahlen müssen, könnten da hohe Kosten auf uns zukommen. Derzeit bekommen wir für sie keine private Krankenversicherung. Das ist also ein Problem", erläutert sie.

Zuzüge aus Großbritannien gibt es im Augenblick nur wenige. Kein Wunder, meint die Immobilienmaklerin Sharon Hitchcock. Viele, die mit einer Wohnung in Spanien liebäugelten, zögern. „Jetzt zu kaufen, wäre ein Risiko", meint Hitchcock. „Denn den Preis, den man bezahlt, muss man in 18 Monaten dann umrechnen, wer weiß, wie das Pfund dann steht. Das ist schwierig. Die meisten meiner Kunden sind derzeit nicht unbedingt Briten, sondern Skandinavier, Franzosen und Niederländer", sagt die Maklerin.

Die britischen Rentner sind in Mijas beliebt und kurbeln die Wirtschaft an, erläutert Bürgermeister Juan Carlos Maldonado: „Sie helfen uns, die Abhängigkeit von der Feriensaison auszugleichen und gute Arbeitsplätze für das ganze Jahr zu schaffen."

Rund 320.000 Briten leben in Spanien. Der Traum vom geruhsamen Lebensabend im Süden ist nicht mehr so ungetrübt, wie er einmal war. Der blaue Himmel täuscht: Es sind dunkle Wolken aufgezogen.

euronews-Reporterin Ana Lazaro kommentiert: „Sie kamen des Meeres wegen her. Aber auch, weil sie wussten, dass hier andere Dinge locken - wie die kostenlose Gesundheitsversorgung. Jetzt bleibt ihnen nur das schöne Wetter."