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Rechtsextreme erobern erstmals Regionalparlament in Spanien

Rechtsextreme erobern erstmals Regionalparlament in Spanien
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REUTERS/Marcelo Del Pozo
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Zum ersten Mal seit dem Ende der Franco-Diktatur vor mehr als 40 Jahren gibt es eine rechtsextreme Partei in einem spanischen Regionalparlament. Wir befinden uns in El Ejido in der Provinz Almeria, in Andalusien, im Süden des Landes. Das ganze Jahr hindurch wachsen hier Obst und Gemüse. Die meisten der Erntehelfer sind Einwanderer, mit Papieren oder ohne.

"Das ist Heuchelei", kritisiert Spitou Mendi von der Vereinigung der Feldarbeiter die Gewerkschaften, die von Sklaverei sprechen. "Gingen die Erntehelfer in ihre Heimat zurück, bräuchte man andere. Ohne kundige Helfer würden die Gewächshäuser kaum Gewinne abwerfen."

Die erst vor wenigen Jahren gegründete rechtsextreme Partei Vox bekam hier fast 30 Prozent der Stimmen. In Las Norias, wo viele Migranten leben, ist am beunruhigt. Lola Losada ist mit einem Marokkaner verheirat. Ihre Bar wurde vor Jahren bei einem Überfall zerstört. "Weil die Meinungen stark auseinandergehen, ist das Zusammenleben manchmal schwierig." Das Wahlergebnis werde sich für Spanien und seine Zukunft negativ auswirken, meint die Besitzerin der Bar.

Insbesondere die Ärmeren stehen inzwischen auf dem Standpunkt "Spanier zuerst". Das Gesundheitsweisen und die Schulen seien ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen, hießt es hier. Die Stadtverwaltung hingegen will in Sachen Integration gößere Anstrengungen unternehmen. "Unsere Kapazitäten sind begrenzt, wir haben zur Zeit tatsächlich einige Schwierigkeiten, bei der Ausbildung der Schüler in der Nähe ihres Wohnortes beispielsweise", gesteht der Bürgermeister von El Ejido, Francisco Gongora, ein. "Im Zusammenhang mit der Einwanderung sind größere Anstrengungen notwendig. Wir haben das alles nicht ernst genug genommen."

Das Wahlergebnis gilt jedoch auch als Denkzettel für die traditionellen Parteien. Die Sozialisten waren hier Jahrzehnte lang an der Macht. "Wir sind enttäuscht, weil uns die Regionalregierung allein ließ", meint Manolo Lopez, der die Rechtsextremen gar nicht so schlimm findet. "36 Jahre lang hatte sie nichts zu befürchten. Sie erinnerte sich unserer erst, als sich die Wahlen näherten. Zudem haben die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens den Rechtsextremen Auftrieb gegeben.

"Immer hieß es, Spanien sei nach 40 Jahren der Franco-Diktatur gegen Rechtsextremismus immun", sagt unsere Korrespondentin Ana Lazaro. "Die Wahlen in Andalusien haben jedoch das Gegenteil bewiesen. Die Partei Vox fürchtet sich weder vor den Lokal- noch vor den Europawahlen im kommenden Frühjahr."