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Brasilien: Bildung mit militärischem Touch ist an der Tagesordnung

Brasilien: Bildung mit militärischem Touch ist an der Tagesordnung
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Bildung mit militärischem Touch kommt in Brasilien in Mode. An diesem ersten Schultag im Bildungszentrum Nummer 7 in Ceilândia werden die Schüler mit neuen Regeln begrüsst.

Sie müssen in einer Reihe in ihre Klassenräume marschieren, Zeitpläne einhalten, eine Uniform tragen - und Jungen müssen - ganz wie bei der Armeee - die Haare kurz schneiden.

Modell an 40 weiteren Schulen geplant

Vier Schulen in der Region von Brasília, die Grund- und Sekundarstufe umfasst, nehmen an diesem Pilotprojekt teil, das von der neuen Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro ins Leben gerufen wurde. Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen, ist geplant, es an 40 weiteren Schulen einzuführen.

Neben den klassischen Unterrichtsfächern werden die Schüler in Musik, Moral und Staatskunde unterrichtet.

Hauptmann Newton de Araújo Vale, Militärpolizist, erklärt das Anliegen:

"Wir wollen sie stärken, Werten wieder Beachtung verschaffen, die verloren gegangene Autorität von Lehrern retten. Wir sind hier als Mitarbeiter, nicht als Usurpatoren."

Wer sich nicht anpasst, kann gehen

Das Militär übernimmt die Verantwortung für administrative und disziplinarische Aufgaben. Lehrkräfte verantworten das pädagogische Programm. Ein Modell, mit dem nicht alle einverstanden sind.

"Was mir Sorgen macht ist die Militarisierung der Schule und die Rede unseres Disziplinar-Direktors - als er gesagt hat, dass Leute, die sich nicht anpassen, gehen können. In den Ohren eines Erziehers das ein schmerzhafter Satz", sagt Carla Alcantara Souza, eine Lehrerin an dem Bildungszentrum.

Das Pilotprojekt erlaubt es Eltern, über eine App auf ihren Handys nachzuvollziehen, was die Schüler während des Tages gemacht haben. Die Schüler selbst sind gespalten:

Brasilianische Regierung: Schulmodell hat sich bewährt

"Ich habe schon an einem Militarisierungsprojekt teilgenommen, es war wirklich sehr gut, die Schüler werden diszipliniert und lernen, sich in der Gesellschaft besser zu verhalten", so ein Jugendlicher, eine andere Schülerin ist hingegen nicht davon überzeugt: "Ich habe Angst, weil es die freie Meinungsäußerung einschränkt", sagt sie.

Die Schulen, die für das Pilotprojket ausgewählt wurden, befinden sich in Gegenden mit hohen Kriminalitätsraten und geringem Bildungsniveau. Der brasilianischen Regierung zufolge hat sich das Schulmodell in anderen Gegenden bereits bewährt.