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Autochef zum "harten Brexit": "Sorry Leute, das ist keine Antwort"

Autochef zum "harten Brexit": "Sorry Leute, das ist keine Antwort"
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Genfer Automesse (07. – 17. März 2019) im Bann der "Brexit"-Furcht“ - titeln Schweizer Wirtschaftsblätter („Cash“, Handelszeitung“).

In den britischen Autowerken stünden bei Honda, Nissan, Ford oder Opel tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel, so Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer (CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen) – ob das nun direkt mit dem „Brexit“ begründet wird oder nicht.

So hat Honda die Schliessung seines Werks im südenglischen Swindon mit 3.500 Beschäftigten angekündigt, betont aber, das habe nichts mit dem "Brexit" zu tun. Nissan verlagert die Produktion der neuen Version des Geländewagens X-Trail zurück nach Japan. "Die Japaner ziehen sich Stück für Stück aus dem Produktionsstandort England zurück", glaubt Dudenhöffer. Aber auch Ford und Opel bereite der "Brexit" Kopfzerbrechen. Ford schreibt in Europa rote Zahlen und hat einen Sanierungsplan aufgelegt, bei dem tausende Arbeitsplätze gestrichen und Werke geschlossen werden könnten. Bei der Opel-Schwester Vauxhall habe das Werk Ellesmere Port einen schweren Stand.

Neuster Schuss vor den Bug: BMW zweifelt an der britischen Mini-Produktion.

"Es wird leerer in den Werkshallen der Autobauer und Zulieferer in England", so Dudenhöffer.

TAUSENDE ARBEITSPLÄTZE BEDROHT

Für Andy Palmer, Chef beim britischen Sportwagenhersteller Aston Martin, ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung:

"Wir sind auf einen Brexit ohne Deal vorbereitet und werden damit fertig. Bei den Zöllen in die EU gehen wir davon aus, dass wir den Nettopreis an den Kunden weitergeben müssen, aber natürlich wird das Pfund einbrechen. Wir könnten etwas Marktanteil in der EU verlieren, aber wir werden das in Großbritannien mehr als ausgleichen, weil unsere Wettbewerber aus Europa kommen und wir Zölle in die Gegenrichtung kriegen".

Für Carlos Tavares, Vorstandschef von PSA Peugeot Citroën, Frankreichs größtem Autohersteller, haben die beteiligten Politiker auf breiter Linie versagt:

"Unter dem Strich brauchen wir einen positiven Abschluss, das bedeutet, einen Deal. Sehen Sie, die Politiker aus Europa und Großbritannien können sich nicht ohne weiteres ohne Abkommen davonmachen. Als europäischer Bürger kann ich nicht akzeptieren, dass meine europäischen Politiker und meine britischen Politiker mir sagen: 'Wir konnten keinen Deal finden.' Nun, tut mir leid, Leute, das ist keine Antwort."

BMW würde im Falle eines harten "Brexits" die Verlagerung der Mini-Produktion aus Großbritannien in Erwägung ziehen, sagte BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer ("Sky News") in Genf. Davon wären mehr als 4.500 Arbeitsplätze betroffen.

In der Europäischen Union arbeiten mehr als 13 Millionen Menschen in der Automobilbranche ("Yahoo Finance"), laut Verband der europäischen Automobilhersteller etwa 6,1% der Erwerbstätigen.

Die britische Automobilindustrie beschäftigt nach Angaben der Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) rund 856.000 Mitarbeiter.

Jeremy Wilks, Sigrid Ulrich