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Schnellzugstrecke Lyon-Turin: Bürger wehren sich seit 30 Jahren

Schnellzugstrecke Lyon-Turin: Bürger wehren sich seit 30 Jahren
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Eine Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke soll das französische Lyon mit der italienischen Stadt Turin verbinden. Damit soll der Personen- und Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Besonders umstritten ist der Bau eines fast 58 Kilometer langen Tunnels mitten durch die Alpen, der fast acht Milliarden Euro kosten wird.

Das sagen die Gegner

Die Gegner der Trasse befürchten, dass der Bau bekannte Wanderregionen zerstören könnte und dass durch die Bauarbeiten radioaktives und asbesthaltiges Gestein zu Tage gefördert werden könnte, das die Gesundheit der Bürger gefährdet. Auch existierten bereits genügend Bahnlinien, die bei Bedarf ausgebaut werden könnten.

Gespräche zum Bau des TAV (kurz für: Treno Alta Velocità) der begannen vor 30 Jahren - doch die Bauarbeiten werden immer wieder hinausgezögert. Euronews hat mit potenziell Betroffenen entlang der 270 Kilometer langen Bahntrasse gesprochen.

"Es gibt keine Sicherheiten"

Monique Chabert ist Bürgermeisterin von Chimilin, sie sagt: "Wir stehen vor einem Projekt, bei dem es keine Sicherheiten gibt, keine Daten. Wir hoffen, dass es gestoppt wird, aber wir warten. Aller warten hier in der Stadt."

Die Ortschaft kann das Land, auf dem die Strecke gebaut werden soll, nicht anderweitig nutzen. An der geplanten Bahnstrecke liegt Chapairellan, auch hier ist man besorgt. Sie befindet sich in den Bergen, an der Grenze zwischen den Departements Isère und Savoie.

Erdrutsche beim Bau?

"Wir wissen, dass Teile des Berges eventuell nachgeben werden. Es gibt Spalten, die sich in den nächsten Jahren verschlimmern könnten. Die Anwohner fürchten, dass der Bau des Tunnels Erdrutsche zur Folge haben wird", sagt Stéphane, dem eine Bäckerei in Chapairellan gehört.

Einige kritisieren, die neue Zugstrecke sei überflüssig, die bestehende Verbindung sei nicht ausgelastet.

Bestehende Strecken ausbaufähig?

Jean-François Roussel, ein Eisenbahner, erklärt: "Hier fährt einmal pro Stunde ein Zug vorbei. Es ist ein Jammer um die Strecke. Jeder Eisenbahner wird ihnen bestätigen, dass die Trasse ohne Probleme zehn Züge pro Stunde aushält."

Wirtschaftskrise kommt dem Großprojekt zugute

Durch den Fréjus-Tunnel rollt der meiste Verkehr. Von 44 Millionen Tonnen Fracht, die zwischen Frankreich und Italien befördert werden, gehen gerade mal 3,4 Tonnen - oder 7,7 Prozent - über die Schiene. Auf der anderen Seite liegt Susa, dort machen wir unseren letzten Halt.

Die Anwohner stellen sich seit 30 Jahren quer. Doch die Wirtschaftskrise lässt einige an ihrer Ablehnung des Projekts zweifeln.

"Die Förderer des Projekts haben 50.000 Jobs versprochen und das hat bei denjenigen Hoffnungen geweckt, die keine Arbeit finden. Menschen mit Kindern, die dringend eine Arbeit suchen. Es hat die Bevölkerung gespalten", sagt Giorgio Brezzo, der für die Lokalzeitung La Valsusa arbeitet.

Auf dem Markt in Susa sind die Meinungen ebenfalls geteilt, ein Verkäufer meint:

"Ich glaube, das Projekt ist positiv für die Wirtschaft der Region. Es schafft Arbeitsplätze in einem Tal, in dem so viel Industrie abgewandert ist und Jobs weggefallen sind."

Seine Kollegin sieht das anders: "Wieviele Jahre reden wir schon über den TAV - 30? Es scheint, als sei das das einzige Problem Italiens. Ob er gebaut wird oder nicht - wir haben die Nase voll davon. Ich kann es nicht mehr hören!"