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"Man muss sich selbst ändern, um die Welt zu verändern"

"Man muss sich selbst ändern, um die Welt zu verändern"
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Als Nachkomme dänischer Könige aus dem frühen Mittelalter hat der dänische Sänger und Liedermacher Stefan Wolffbrandt sein eigenes kleines Königreich aufgebaut: das Samsø Oldtimer Museum. Auf Samsø, der kleinen dänischen Insel, die weltweit als Vorreiter im Klimaschutz bekannt ist, kümmert sich Wolffbrandt um ausgefallene Autos aus der Vergangenheit. Aber da ihm die schädlichen Eigenschaften veralteter Verbrennungsmotoren, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, bewusst waren, verkaufte er seine Oldtimerkollektion. Gleichzeitig gründete er den Samsø-Fahrerverband für Elektroautos und kämpft für eine Verkehrsrevolution auf der Insel. Doch die ehrgeizigen Ziele sind noch lange nicht erreicht: "Wir hätten inzwischen bei 50 Prozent Elektrofahrzeugen auf Samsø sein sollen, aber das ist nicht passiert", gibt Woffbrandt zu. "Das ist eine Katastrophe."

Die Insel bleibt hinter ihren Zielen zurück

Auf Samsø leben etwa 4000 Menschen, Wolffbrandt ist einer von ihnen. Die Insel hat einen guten Ruf dafür, erneuerbare Energien wie Windturbinen und Solar-PV-Module erfolgreich voranzutreiben, Wärmepumpen zu installieren, Energie zu sparen, umweltfreundliche Fernwärmesysteme einzurichten, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern, mit innovativen Stromnetzlösungen zu experimentieren, in einen saubereren Fährmotor zu investieren und - um es zusammenzufassen - ein Vorreiter der Energiewende zu sein, die zur Verlangsamung des Klimawandels und der globalen Erwärmung nötig ist. Andererseits bleibt die Insel aber hinter ihren selbst definierten Zielen im Verkehrssektor zurück. Die Busse auf der Insel fahren immer noch mit schmutzigen Dieselmotoren und einige Leute fahren immer noch Benzin- oder Diesel-Autos.

Samsø will unter den Ersten sein im Bereich autonomes Fahren

Wolffbrandt will das ändern. Es gibt derzeit Gespräche mit einigen führenden Automobilherstellern: "Wir wollen hier in Samsø unter den Ersten sein, die autonome Elektroautos nutzen", sagt Wolffbrandt zu Euronews. "Wie ein Testgebiet, damit wir der Welt zeigen können, dass das die Zukunft ist. Und bis 2030 wollen wir alle Diesel- und Benzinwagen loswerden, die wir hier auf der Insel haben."

Euronews-Reporter Hans von der Brelie traf Stefan Wolffbrandt in seinem umweltfreundlichen Haus auf Samsø. Der Liedermacher hat gerade seine neue CD mit einem Song gegen CO2-Emissionen fertiggestellt.

Euronews: "Sie singen über CO2. Was tun Sie selbst, um etwas zu verändern?"

Stefan Wolffbrandt:"Alles beginnt mit einem selbst. Wir sitzen jetzt in einem Niedrigenergiehaus, es ist sehr gut isoliert, d.h. es verbraucht nicht viel Energie, etwa 7500 kw/h pro Jahr. Die Heizkosten betragen rund 300 Euro pro Jahr. Ich erzeuge nicht viel CO2, weil ich erneuerbare Energien verwende, also ich verwende kein Öl oder Gas."

Euronews:"Was Ihre Musik betrifft, da arbeiten Sie mit Emotionen. Bei dieser gerade stattfindenden Energiewende geht es aber auch um Fakten und Zahlen. Verraten Sie uns, wie viel Geld haben Sie in dieses Haus gesteckt und: Lohnt es sich, in erneuerbare Energien und Energiespartechniken zu investieren?"

Stefan Wolffbrandt:"Ich habe etwa 24.000 bis 25.000 Euro investiert und bei einer Energieeinsparung von etwa 8.000 Euro pro Jahr hat es nur drei Jahre gedauert, bis es sich gelohnt hat. Die Fakten sind also: Sie tun etwas für die Umwelt und Ihre Investitionen zahlen sich schnell aus. Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun. Man muss es einfach machen. Jeder kann es tun. Wo auch immer Sie leben. Investieren Sie in erneuerbare Energien und es zahlt sich fast vom ersten Tag an aus. Vielleicht müssen Sie einen Kredit aufnehmen, aber es zahlt sich aus - und es zahlt sich auch für die Umwelt aus.

Ich habe ein kleines Klima-Dorf. Ich besitze fünf Häuser hier auf der Insel. Insgesamt gebe ich rund 2000 Euro für das Heizen der gesamten fünf Häuser aus: ein Musikstudio, eine Werkstatt, zwei Häuser, die ich vermiete und dieses große Haus, in dem ich wohne. Ich spare rund 8000 Euro pro Jahr und das nenne ich Freiheit, denn ich muss weniger arbeiten, ich muss weniger Geld verdienen, ich kann mich entspannen und mit meinen Kindern zu Hause bleiben und das Leben genießen.

Ich habe Solarmodule, einen Pelletheizer, eine Windturbine aufgestellt - es ist eine gute Investition, vor allem finanziell, aber auch eine gute Investition in die Umwelt. Ich verschmutze nicht viel, ich emittiere nicht viel CO2, mein CO2-Fußabdruck ist sehr gering. Das gefällt mir. Ich rette die Welt und sie beginnt hier, sie beginnt bei einem selbst.

Ich fühle mich verantwortlich für meine Kinder. Ich habe viele Kinder. Sie sind die Zukunft. Ich werde das nicht zerstören. Ich werde etwas Gutes für die Zukunft und den Planeten tun. Man muss irgendwo anfangen, anstatt nichts zu tun, rumzusitzen und abzuwarten, Energie zu verbrauchen und schöne Sachen zu kaufen - man muss sich selbst ändern, um die Welt zu verändern."