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Emojis: Rabbiner fordern jüdische Symbole

Frauen mit Hidschab gibt es bereits als Emoji - bald auch Männer mit Kippa?
Frauen mit Hidschab gibt es bereits als Emoji - bald auch Männer mit Kippa?
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Es gibt Emojis, die Frauen mit Hidschab zeigen, schwarze Menschen, Rollstuhlfahrer, aber keine Kippaträger oder jüdische Frauen mit Kopfbedeckung. Die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) will das jetzt ändern: Sie hat einen Brief an das Unicode-Konsortium geschrieben. Die gemeinnützige Organisation standardisiert die digitale Kommunikation und weist Schriftzeichen und Symbolen einen Code zu, damit diese abgebildet werden können. Die CER fordert, Emojis zu kreieren, die "die jüdische Religion und ihre Symbole" abbilden. Zum Beispiel Kippaträger und Kopftuchträgerinnen oder eine Tora. "Auf diese Art und Weise wird die jüdische Religion ebenfalls zum Teil des alltäglichen Diskurses der User", schreiben sie in dem Brief.

"Es wäre ein kleines Symbol der Anerkennung", erklärte Gady Gronich, Stabschef des CER-Präsidenten, gegenüber euronews. "Ein kleines Zeichen dafür, dass wir Teil der Gesellschaft sind und nicht ein Fremdkörper." Der Vorstoß kommt nicht zufällig jetzt: Der Antisemitismus-Beauftragte der deutschen Regierung, Felix Klein, warnte Juden in der vergangenen Woche, dass es nicht überall in Deutschland ratsam sei, eine Kippa zu tragen. Hintergrund war der Anstieg antisemitischer Straftaten. Deren Zahl nahm laut Kriminalstatistik 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20 Prozent zu.

Gronich: "Es gibt Gegenden, in denen ich meine Kippa absetze"

Der Vorschlag Kleins sorgte in Deutschland und international für viel Kritik - der Staat habe dafür zu sorgen, dass sich Juden in der Bundesrepublik sicher fühlten, hieß es. Klein rief die Deutschen daraufhin dazu auf, sich gegen Antisemitismus zu solidarisieren und an diesem Samstag Kippa zu tragen. Samstag ist der vom Iran ins Leben gerufene Al-Kuds-Tag, der oft Anlass für antisemitische Aktionen ist. Der CER habe die Idee zu dem Emoji-Aufruf schon vorher gehabt, so Gronich. Nachdem Klein die Diskussion angestoßen hatte, sah sie den richtigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung gekommen.

"Ich verstehe, was er sagen wollte", erklärte Gronich. "Er wollte vorwarnen." Und das aus gutem Grund: "Es gibt Gegenden, in denen ich meine Kippa absetze", so der gebürtige Israeli. Zum Beispiel in der vergangenen Woche in Warschau oder im Stadtteil Berlin-Neukölln, in dem viele Menschen leben, die oder deren Familie aus muslimischen Ländern zugewandert sind. Gronich räumt allerdings ein, dass er seine Kippa aus einem "Bauchgefühl" heraus absetze. Angegriffen worden sei er dort noch nie. An seinem Wohnort München fühle er sich sicher.

Jüdische Emojis sollen "Option" sein

Trotzdem sagt er: "Wir fühlen uns nicht immer angenommen." Er fühle angesichts der politischen Debatten um Flüchtlinge und Migration eine "Anti-Stimmung" in Deutschland und Europa, nicht nur gegen Juden. Gronich: "Die ist nicht nur anti-semitisch, die ist anti-fremd." Kleins Aufruf zum Al-Kuds-Tag könne er daher "nur begrüßen".

Wann und ob sich Userinnen und User Emojis mit Kippa oder Tora-Symbole schicken können, ist nicht klar. Das Unicode-Konsortium reagierte bisher nicht auf die Forderung der CER, ist aber generell offen für Vorschläge. Die Rabbiner hoffen, dass die Einführung der jüdischen Symbole positive Auswirkungen habe, so Gronich und fügt hinzu: "Wir zwingen niemanden, das zu benutzen, das ist eine Option."

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