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"Es war eine schreckliche Reise": 100 Jahre seit dem ersten Non-Stop-Flug über den Atlantik

"Es war eine schreckliche Reise": 100 Jahre seit dem ersten Non-Stop-Flug über den Atlantik
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The Board of Trustees of the Science Museum (CC BY-SA 4.0)
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Heute vor 100 Jahren - am 14. Juni 1919 - haben zwei Piloten als Erste in einem Direktflug den Atlantik überquert.

Kapitän John Alcock und Navigator Arthur Brown waren erfahrene Piloten. Beide hatten während des Ersten Weltkriegs in der britischen Royal Air Force gearbeitet.

Sie stellten sich der etwas mehr als 3000 Kilometer langen Strecke, da die britische Tageszeitung Daily Mail ein Preisgeld für einen erfolgreichen Flug in weniger als 72 Stunden ausgeschrieben hatte. Das Preisgeld betrug 10.000 Pfund, umgerechnet etwa 11.250 Euro.

Los ging es in Neufundland an der Ostküste von Kanada. Mit ihrem Doppeldecker Vickers Vimy, einem britischen Bomber des Ersten Weltkriegs, wagten sie sich an die Reise.

Ursprünglich war das Flugzeug zwar für den Einsatz im Krieg gebaut worden. Dieser endete jedoch bevor die Maschine mit einer Spannweite von 20,4 Metern eingesetzt werden konnte.

Alcock und Brown beschlossen, das Design des Flugzeugs zu ändern, um es geeigneter für ihr Vorhaben zu machen. Sie ersetzten die Bombengestelle durch Treibstofftanks.

Arthur Brown (links) und John Alcock (rechts)

Bis 1919 hatte noch nie eine Person oder ein Team versucht, einen Direktflug von Nordamerika ins Vereinigte Königreich oder Irland durchzuführen.

Durch den ausgerufenen Wettbewerb wuchs jedoch die Konkurrenz. In den Wochen vor dem Flug von Alcock und Brown gab es zwei Versuche, das Preisgeld zu gewinnen. Beide scheiterten.

Einer der Piloten war gezwungen, auf halbem Weg abzubrechen. Der zweite stürzte kurz nach dem Start ab.

Der erste erfolgreiche Flug über den Atlantik

Das britische Duo startete am 14. Juni 1919 um 18:13 MESZ vom Lester's Field in Neufundland, Kanada. Sie landeten am nächsten Morgen um 10:40 im County Galway in Irland in einem Moor.

Ihre Flugzeit betrug etwas mehr als 16 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 193 km/h. Sie legten 3041 Kilometer zurück.

Die beiden Piloten konnten zwar einen Erfolg feiern, leicht war die Reise jedoch nicht. Die Probleme begannen schon während des Starts, als das mit schwerem Treibstoff beladene Flugzeug fast nicht über die Baumwipfel hinaufkam.

In seinem Buch, das Brown später schrieb, erinnerte er sich an diesen Moment zurück: "Ich hielt mehrmals den Atem an, aus Angst, dass unsere Maschine auf ein Dach oder eine Baumkrone prallt."

Und damit nicht genug: Weniger als eine Stunde nach dem Start hörte das Funkgerät auf zu funktionieren und das Duo wurde von der Außenwelt abgeschnitten. Browns Nachricht "Alles in Ordnung und gestartet" kurz nach dem Abflug war die erste und letzte Funkübertragung des Fluges.

Die Maschine hebt in Neufundland, Kanada, ab

Als nächstes folgte schlechtes Wetter. Alcock erinnerte sich in einem Interview mit dem Guardian daran, dass das Wetter "sehr rau und holprig" gewesen sei.

Er fügte hinzu: "Der Wind wehte hart. Fünf Stunden von Land entfernt versuchten wir, aus den Wolken und dem dichten Nebel herauszukommen. Es war vergeblich."

Der anhaltende Nebel und die starken Wolken verhinderten, dass Brown den Überblick über den Standort behielt und führte schließlich dazu, dass Alcock die Kontrolle über das Flugzeug verlor. Der Motor fiel aus und der Bomber sank spiralförmig mehrere tausend Fuß in Richtung Ozean. Alcock konnte den gefährlichen Sinkflug gerade noch stoppen.

Später sagte er der Daily Mail: "Ich glaube, wir haben die Schleife durchlaufen und versehentlich eine tiefe Spirale gemacht. Es war sehr beunruhigend. Wir hatten keine Ahnung mehr, wo der Horizont war."

Doch selbst nach dem Zwischenfall hörten die Probleme nicht auf. Die beiden Piloten kamen von einem Unwetter ins nächste und hatten nun mit Graupel und Eis zu kämpfen. Die Kälte wirkte sich auf die Kühlerverschlüsse aus und die Benzinmenge im Tank wurde nicht mehr angezeigt.

Es blieb ihnen nichts Anderes übrig, als eines der Triebwerke abzuschalten, bevor sie auf eine niedrigere und wärmere Höhe absenken konnten, um das Eis aufzutauen und einen Neustart zu erzwingen.

Dann dauerte es keine 30 Minuten mehr und die Piloten sahen endlich Land - Irland. "Wir waren sehr erfreut darüber, die Küste zu sehen", sagte Alcock.

Das Duo umkreiste das Gebiet und dachten, eine sichere Landebahn entdeckt zu haben. Was die beiden jedoch für ein Feld gehalten hatten, war eigentlich die Moorlandschaft von Derrigimlagh südlich von Clifden.

Sie stürzten mit der Vickers Vimy ins Moor, die Nase des Flugzeugs verschwand darin. Doch Brown und Alcock waren überglücklich. Sie waren die ersten, die in weniger als 72 Stunden den Atlantik auf dem Luftweg überquert hatten. Trotz aller der Probleme waren die beiden unversehrt angekommen.

Das Flugzeug landete in einem Moor in Irland

Und damit nicht genug: Die beiden Piloten erbrachten noch eine andere, erste Leistung. Mit an Bord hatten die zwei einen weißen Postsack mit 800 Briefen - die erste atlantische Luftpost.

Die Folgen

Alcock und Brown erhielten nicht nur ihr Preisgeld von 10.000 Pfund für die Reise, sondern auch eine breite Anerkennung. Der damalige britische Luftfahrtminister Winston Churchill verlieh ihnen den Preis.

Anschließend wurden die beiden von König George V. zum Ritter geschlagen.

Nur sechs Monate später starb Alcock bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Rouen in Frankreich. Er war auf dem Weg nach Paris, da er eine Vickers Viking, ein amphibisches Flugzeug, zu einer Ausstellung fliegen sollte.

Brown starb 1948 nachdem er eine Zeitlang mit schlechter Gesundheit zu kämpfen hatte.