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Erwartungen an Griechenlands neue Regierung: Kein Zuckerschlecken

Erwartungen an Griechenlands neue Regierung: Kein Zuckerschlecken
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"Griechenland: Wirtschaft wird besser, wichtige Reformen sind noch nicht abgeschlossen" – in diesem einen Satz programmiert der Internationale Währungsfonds (IWF) die Hausaufgaben für die nächste Regierung. Das akute Hilfsprogramm ist zwar ausgelaufen, der IWF hat aber 9,4 Milliarden Euro bei den Griechen im Feuer – das macht sie zum drittgrößten Kreditnehmer, nach Argentinien und der Ukraine.

Die Geldgeber erwarten einen neuen Wirtschaftsplan bis September, die Bürger wollen ihr verlorenes Einkommen zurück - wenigstens so viel wie möglich - und die Geschäftsleute pochen auf Reformen.

Kostas Michalos, Leiter der Handelskammer in Athen

"Die Wirtschaft ist der Ansicht, dass die große Herausforderung nach den Wahlen vom 7. Juli darin besteht, unverzüglich alle notwendigen Reformen anzupacken, die ein günstiges Investitionsumfeld schaffen: Geringere Steuersätze und Sozialbeiträge, Straffung der öffentlichen Ausgaben, weniger Steuerhinterziehung, starke Banken und ein liquider Finanzmarkt."

INVESTITIONSSTAU

Das Land braucht dringend Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen (Arbeitslosenquote 12/2018: 18 Prozent, Jugendarbeitslosigkeit (15-24) 43 Prozent). Die Finanzanleger scheinen an den Tag nach der Wahl zu glauben - unerschütterlich ist ihr Vertrauen aber nicht.

Nikos Vettas, Foundation for Economic and Industrial Research (IOBE)

"Die Renten- und Aktienmärkte erwarten Wachstumsdynamik. Aber es bleiben ernste Fragen. Die erste ist, ob eine neue Regierung in der Lage sein wird, sie von einem Plan für die Rückkehr des Landes zu nachhaltigem Wachstum zu überzeugen. Das wollen sie von der neuen Regierung in wenigen Monaten wissen."

REFORMSTAU

Wer sich die Liste der nötigen Reformen ansieht, fühlt sich leicht zehn Jahre zurückversetzt. Zehn Jahre Sparpolitik, drei Rettungspakete und eine stark gebeutelte Gesellschaft haben einen konsolidierten Haushalt erreicht. Aber substanziell umstrukturiert ist die griechische Wirtschaft bisher nicht, Steuerhinterziehung ist ein typisches Beispiel.

Kostas Sfakakis, Steuerexperte des hellenischen Unternehmerverbandes:

"Überbesteuerung und Steuerhinterziehung sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir müssen das Problem sofort angehen, indem wir das elektronische Rechnungswesen E-Invoicing einführen und den digitalen Zahlungsverkehr weiter ausbauen. Der digitale Wandel der gesamten Wirtschaft und der gesamten staatlichen Verwaltung ist eine Voraussetzung für das Überleben des Landes."

Der IWF bleibt dran: „Wir werden diese Fragen in diesem Sommer erneut aufgreifen“ – und seine Chefin Christine Lagarde dürfte ihr scharfes Auge mitnehmen zu ihrem neuen Job bei der Europäischen Zentralbank.

su