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Teure Nahrungsmittel: Deutsche Inflation zieht im Juli an

Teure Nahrungsmittel: Deutsche Inflation zieht im Juli an
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Teure Nahrungsmittel haben die Inflation in Deutschland im Juli überraschend angeheizt.

Die Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen lagen im Schnitt 1,7 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, so das Statistische Bundesamt. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 1,5 Prozent gerechnet, nach 1,6 Prozent Teuerungsrate Im Juni. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für die Euro-Zone mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent an. Dieser gilt als ideal für die Konjunktur - im vergangenen Jahrhundert waren Verbraucher bis zu viermal so rasant steigende Preise gewohnt.

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“Bis Oktober dürfte die deutsche Jahresteuerung dann aber vorerst weiter fallen”, erwartet KfW-Volkswirt Sebastian Wanke: “Verbraucher jubeln, Sparer weinen.” EZB-Chef Mario Draghi werde in seiner Amtszeit bis Ende Oktober “definitiv die Zinsen nicht mehr anheben”.

Der für den europäischen Vergleich berechnete "harmonisierte Verbraucherpreisindex" (HVPI), der auch für die EZB maßgeblich ist, sank allerdings unerwartet auf 1,1 Prozent von 1,5 Prozent im Juni. Den überraschend großen Unterschied zum regulären Verbraucherpreisindex begründete das Amt mit einem statistischen Effekt.

Der deutliche Rückgang des HVPI gebe der EZB “grünes Licht für ein größeres Maßnahmenpaket im September”, betonte VP-Bank-ChefökonomThomas Gitzel. “Ein plötzlicher Anstieg der Konsumentenpreise zeichnet sich für die kommenden Monate auch nicht ab.” Was die Inflation angehe, gebe es deshalb keine Störfeuer für neue Aktionen und eine weitere Lockerung der Geldpolitik der EZB. “Mario Draghi wird insgeheim froh darüber sein, denn für die in Aussicht gestellte Zinssenkung und eine neue Runde von Anleihekäufen wäre eine steigende Inflationsrate nicht gerade dienlich.”

KARTOFFELN UND PAUSCHALREISEN TEURER

Energie war im Juli für deutschen Konsumenten 2,4 Prozent teurer als vor Jahresfrist. Nahrungsmittel kosteten 2,1 Prozent mehr. Allein in Nordrhein-Westfalen stiegen die Kartoffelpreise um ein Drittel, und Paprika kosteten gut 21 Prozent mehr. Bundesweit verteuerten sich Dienstleistungen um 1,5 Prozent, während Waren überdurchschnittlich um 1,8 Prozent zulegten. Von Juni auf Juli kletterten die gesamten Verbraucherpreise im Schnitt um 0,5 Prozent und damit ebenfalls stärker als mit 0,3 Prozent erwartet. Vor allem für Pauschalreisen mussten Verbraucher tiefer in die Tasche greifen: Sie verteuerten sich in mehreren Bundesländern um rund 15 Prozent.

Sollte die Inflation demnächst nachlassen, könnte das die Kaufkraft und damit die Kauflaune der Verbraucher stärken. Denn derzeit ist die Stimmung der Konsumenten so schlecht wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr. “Der Handelskonflikt mit den USA, anhaltende "Brexit"-Diskussionen sowie die globale Abkühlung der Konjunktur lassen die Rezessionsängste weiter steigen”, sagte Rolf Bürkl vom Marktforscher GfK. Das GfK-Konsumklima-Barometer für August sank um 0,1 Zähler auf 9,7 Punkte und liegt damit auf dem tiefsten Stand seit April 2017.

su mit Reuters

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