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Backhähnchen gegen Messerstechereien: Ist die Kampagne des britischen Innenministeriums rassistisch?

Backhähnchen gegen Messerstechereien: Ist die Kampagne des britischen Innenministeriums rassistisch?
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Credit: Home Office
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Pläne des britischen Innenministeriums, mit einer Kampagne gegen die aufkommende Messerkriminalität zu kämpfen, wurden als "ignorant" und "beleidigend" kritisiert. Das britische Innenministerium, genannt Home Office, bedruckt Take-Away-Boxen, in denen sich frittiertes Backhähnchen befindet, mit #knifefree. Innen befinden sich Geschichten von Menschen, deren Leben von Messerkriminalität beeinflusst wurde.

Über 321.000 Hühnerboxen in 210 Filialen, darunter Morley's, Chicken Cottage und Dixy Chicken in England und Wales, werden das #Knifefree-Design des britischen Innenministeriums tragen.

Kritiker bemängeln jedoch, dass sich die Kampagne auf Vorurteile über Fast-Food-Restaurants, die frittiertes Hühnchen verkaufen, stützt. Die werden laut Stereotypen oft von Jugendlichen besucht, die schwarzen und ethnischen Minderheiten angehören. Ein BBC-Sender beanstandete, dass die Kampagne von "Rassismus" angetrieben wird.

Innenminister Kit Malthouse sagte: "Diese Hühnerboxen werden Tausenden von jungen Menschen die tragischen Folgen des Tragens eines Messers vor Augen führen und die Vorstellung hinterfragen, dass es dich sicherer macht."

Er fügte hinzu: "Die Regierung tut alles, was sie kann, um die sinnlose Gewalt zu bekämpfen, die die Gemeinden traumatisiert und zu viele junge Menschenleben fordert, einschließlich der Verstärkung der Polizei mit 20.000 neuen Polizisten auf unseren Straßen."

Morleys Geschäftsführer Shan Selvendran sagte, das Unternehmen sei "stolz", die Kampagne zu unterstützen. "Wir sind traurig über die jüngste Zunahme der Messerkriminalität. Wir wollen dafür werben, sich nicht mit einem Messer zu bewaffnen, indem wir benutzerdefinierte Hühnchenboxen verwenden. So vermitteln wir die Botschaft und initiieren Gespräche zwischen all unseren Kunden", sagte er.

Das Innenministerium hat nicht gesagt, wo es die Hühnerboxen verteilen wird, aber eine Karte der Filialen von Morley's, Chicken Cottage und Dixy Chicken zeigt, dass diese in den Städten konzentriert sind.

Was sagen die Kritiker?

Schatteninnenministerin Diane Abbott twitterte, dass das Innenministerium "sich für eine weitere grobe, offensive und wahrscheinlich teure Kampagne entschieden hat".

Sie fügte hinzu: "Sie sollten besser in unsere Gemeinschaften investieren und sie nicht verteufeln."

Der Labour-Abgeordnete David Lammy schrieb: "Ist das eine Art Witz?! Warum haben Sie sich für Backhähnchen entschieden? Was kommt als nächstes, messerfreie Wassermelonen?"

Die BBC-Senderin Yasmin Evans stellte in Frage, warum das Innenministerium einen Zusammenhang zwischen Messerkriminalität und Backhähnchen gezogen hatte. "Bitte, jemand muss es mir erklären und mir sagen, dass ich falsch liege, wenn ich Rassismus sehe? In der Tat, nein. Sagt mir, dass ich RECHT habe, weil ich ihn sehe."

Elijah Quashie, der Teenager, der für seine Kritiken von Brathähnchen-Restaurants zum Internet-Star wurde, sagte, die Kampagne basiere "auf stereotypen ignoranten Annahmen".

Er fügte hinzu: "Jemand, der bereit ist, ein Messer zu benutzen, um jemanden möglicherweise zu töten, wird nicht von einer Hähnchenbox beeinflusst werden. Außerdem sind Brathähnchen-Läden nicht die geheime Zuflucht von Menschen mit Messern."

"Ich denke, ihre Bemühungen wären besser geeignet, um Jugendlichen in einkommensschwächeren Gebieten mehr Möglichkeiten zu bieten. Sie sollten versuchen, das Problem zu lösen und aufhören, die Symptome schlecht zu behandeln."

Der Schriftsteller und Dichter schrieb auf Twitter, dass wohl niemand auf der ganzen Welt je sagen würde: 'Ich wollte diesen Jungen eigentlich abstechen aber nachdem ich zwei Hähnchenteile von Morley's hatte und eine Geschichte gelesen habe, dachte ich mir, besser nicht'.

Der britische Rapper Big Narstie zog eine knappere Schlussfolgerung und sagte, die Kampagne sei "fu***d".

Warum hat sich das Innenministerium für Brathähnchen-Restaurants entschieden?

Nach Angaben des Innenministeriums werden die Boxen nach ihrer "erfolgreichen" Partnerschaft mit Morley's Anfang des Jahres landesweit eingeführt. Es wurden als Test bereits 20.000 Hähnchenboxen in 15 Filialen verteilt.

Das Ministerium teilt mit, dass die Kampagne auf die Reduzierung der Messerkriminalität ausgerichtet ist, indem sie die Einstellung junger Menschen im Alter von 10-21 Jahren verändert - durch die Förderung der positiven Aktivitäten, die in den Kisten veranschaulicht werden.

Ihre Begründung für die Wahl von Brathähnchen-Restaurants lautet: "Untersuchungen von ACMS haben ergeben, dass 67 Prozent der Kunden zwischen 16 und 24 Jahre alt sind, so, dass wir im Rahmen unserer breit angelegten Kampagne #knifefree effektiv junge Menschen erreichen könnten".

Woher kommt das Klischee des Backhähnchens?

Das Klischee stammt aus den Vereinigten Staaten. Das erste Mal öffentlich verwendet wurde es wohl im Film "The Birth of a Nation" von D. W. Griffith von 1915.

Der Film ist zum Teil Fiktion und zum Teil Geschichte und behandelt die Ermordung von Abraham Lincoln und den Bürgerkrieg. Kinematographisch wird der Film oft als episch betitelt. Dennoch ist er umstritten, da er den Ku-Klux-Klan (KKK) als Helden und schwarze Männer (viele von ihnen wurden von weißen Schauspielern mit schwarzem Gesicht dargestellt) als ignorant und sexuell aggressiv gegenüber weißen Frauen darstellt.

In der nachfolgenden Szene können Sie sehen, wie schwarze Gesetzgeber trinken, barfuß sind und frittiertes Hähnchen essen.

Im Jahr 2011 verwendete ein Brathähnchenrestaurant in China eine Karikatur des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama für sein Marketing.