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Eine Flosse und ein Floß aus Plastikflaschen: Die Geschichte eines Asylantrags, der tödlich endete

Drei Migranten in einem aufblasbaren Kanu beim Versuch den Ärmelkanal am 4. August zu überqueren
Drei Migranten in einem aufblasbaren Kanu beim Versuch den Ärmelkanal am 4. August zu überqueren -
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STR / AFP
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Das Einzige, was an Niknam Masouds Reise nach Großbritannien sicher ist, ist, wie sie endete.

Am Freitag, den 23. August, wurde Masouds Leiche im Windpark Thorntonbank vor der belgischen Küste im Wasser gefunden. Der 47-jährige Iraker trug eine einzelne Schwimmflosse, einen Rucksack und hatte Plastikflaschen als selbstgebaute Schwimmhilfe auf den Rücken geschnallt.

"Sie riefen mich an und sagten, sie hätten eine Leiche gefunden", sagte Carl Decalwe, der Gouverneur von Westflandern, gegenüber Euronews. "Dies ist das erste Mal, dass eine Leiche in unseren Gewässern gefunden wurde. Es ist sehr traurig."

Es wird angenommen, dass Masoud versucht hatte, das Vereinigte Königreich von Frankreich aus zu erreichen. Ein Weg, der immer häufiger genutzt wird, da sich die Einwanderungspolitik in ganz Europa verschärft.

Eine gefährliche Überquerung

Der schmalste Meeresabschnitt zwischen der französischen und englischen Küste umfasst 33 Kilometer. Es mag eine relativ kurze Strecke sein, aber selbst im Sommer ist die Meerenge unberechenbar und die Strömungen sind stark. Selbst ein starker Schwimmer unter perfekten Bedingungen würde es schwer haben, die Reise zu machen.

"Die Überfahrt ist gefährlich aufgrund der Menge an Schiffen, die den Kanal benutzen, der Strömungen, der schlechten Wetterbedingungen, die oft herrschen, und der Untauglichkeit der verwendeten Schiffe", sagte Catherine Woollard, Generalsekretärin beim Europäischen Rat für Flüchtlinge und Exilanten, Euronews gegenüber.

Die belgischen Behörden wissen nicht, wie lange Masoud im Wasser war oder von wo aus er das europäische Festland verließ. Aber er könnte derselbe Mann gewesen sein, der vergangene Woche von einem Fischer im Wasser gesehen wurde, was zu einer erfolglosen Suche durch die französische Küstenwache führte.

Auch die Staatsanwaltschaft in Brügge, die eine Akte über den Tod von Masoud eröffnet hat, glaubt, dass er einer von zwei Personen war, die einige Tage zuvor auf einem provisorischen Floß in französischen Gewässern entdeckt wurden. In diesem Fall könnte eine zweite Person noch fehlen.

"Es war ein kleines Floß, das sie selbst gebaut hatten. Sie benutzten Plastikflaschen, um es zum Schwimmen zu bringen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Euronews.

Abgelehntes Asyl

Über Masoud ist bekannt, dass er seit Dezember 2018 in Karlsruhe war, nachdem er von der Aachener Bundespolizei in einem Thalys-Zug, der aus Belgien kam, aufgegriffen wurde. Er beantragte Asyl, wurde als in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) Bochum als Asylbewerber registriert und nach Baden-Württemberg versetzt, sagte Rosa Flaig, Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

Später wurde ihm in Deutschland das Asyl verweigert, sagte die Brügger Staatsanwaltschaft. "Die entsprechende Anlaufbescheinigung für die LEA Karlsruhe ging im Dezember 2018 beim Regierungspräsidium Karlsruhe ein. Der Betroffene kam der Meldeaufforderung jedoch nicht an, weshalb er – nach Ablauf der 7-Tage-Frist – im Januar 2019 zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entsprechend informiert wurde", erklärt Flaig.

Ein Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sagte Euronews, es könne unter Berufung auf den Datenschutz keine Informationen über Masoud geben.

Da keine Informationen über seine Herkunft oder seine Reise vorliegen - auch nicht, ob er tatsächlich aus dem Irak kam oder aus welchem Teil des Landes er kam - haben Staatsanwälte in Belgien eine schwierige Aufgabe vor sich.

"Es ist nicht einfach den Fall zu untersuchen. Wir wissen nicht, wo er gestartet ist. Wir wissen nicht, was seine Absichten waren", sagte der Sprecher. "Wir wissen nicht, wo er ertrunken ist."

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