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Patienten-Selbsthilfe in Budapest: "Einen Toilettensitz und Decken hab ich dabei"

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Patienten-Selbsthilfe in Budapest: "Einen Toilettensitz und Decken hab ich dabei"
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Toiltettensitze fern ihres Bestimmungsortes und kein Toilettenpapier. Auf solche Bedingungen müssen sich Patienten und Besucher des St. John's Hospital in Budapest gefasst machen.

Um auf die Versorgungs- und Instandhaltungsprobleme aufmerksam zu machen, veröffentlichte das Klinikpersonal auf Facebook einen Weihnachtswunschzettel. Darauf finden sich nicht nur Toilettenartikel, sondern auch andere essenzielle Dinge für Krankenhäuser wie Gummihandschuhe, Windeln, Thermometer und sogar Glühbirnen.

"Ich musste vier Batterien mitbringen"

Spenden, auch aus zweiter Hand, sind nicht nur willkommen, sondern notwendig. József Gyarmati präsentierte dem Euronews-Reporter seine Mitbringsel: "Ich habe Klopapier mitgebracht. Und einen Tauchsieder. Ich habe gehört, dass all das benötigt wird."

Das ist aber noch nicht alles: "Auch einen benutzten aber sauberen Toilettensitz, Decken und Taschentücher hab ich dabei."

Die Klinikleitung erklärte, die Wunschliste sei "ein Versehen" gewesen. Und der Eigentümer werde die Mängel schnellstmöglich beheben. Patienten sind aber sicher, dass der Wunschzettel einen durchaus realen Hintergrund hat.

Patient Csaba Illés, ein Englischlehrer, sprach über seine Erfahrung: "Ich bekam eine Überweisung für eine 24-Stunden-Untersuchung und musste vier Batterien für ein Gerät mitbringen."

Gesundheitssektor unterfinanziert

Die EU-Mitgliedsstaaten geben durchschnitlich zehn Prozent ihres Budgets für den Gesundheits- und Medizinsektor aus. Ungarn kommt auf nur 6,6 Prozent. Lediglich zwei Drittel der 92 staatlichen Kliniken sind schuldenfrei.

Bis zum vergangenen Oktober häuften sich Verbindlichkeiten von umgerechnet rund 200 Millionen Euro an. Die Regierung setzt andere Prioritäten. Die Baukosten für das brandneue Budapester Fußballstadion Puskás Aréna verschlangen das Dreifache, also rund 600 Millionen Euro.

Distrikte sparen - und spenden

Gergely Őrsi ist der Bürgermeister des Budapester Distrikts Nr. 2: "Natürlich versuchen meine Kollegen und andere Bürger zu helfen. Die Stadtverwaltung hat aber das Weihnachtsbudget reduziert. Was wir an Weihnachtskarten und -feiern einsparen, werden wir für die notwendigen Dinge spenden".

Die Hilfsbereitschaft unter Bürgern ist groß. Dank des privaten Engagements füllen sich die Warenlager. Missstände könnten bald der Vergangenheit angehören.

Euronews-Korrespondent Zoltán Siposhegyi kommentierte vor der Klinik: "Wir haben einen Tag lang vergeblich versucht, die Klinikleitung zu erreichen. Darauhin wurde der Text der Facebook-Wunschliste geändert. Später schrieb die Klinik, die Liste sei von einigen wenigen Mitarbeitern verfasst worden. Oppositionelle Medien hätten die Situation falsch verstanden. Mittlerweile ist der Wunschzettel offline."