Eilmeldung
This content is not available in your region

Seppelt: "Auch in vier Jahren ist Russlands Doping-Problem nicht gelöst"

euronews_icons_loading
Doping-Experte Hajo Seppelt
Doping-Experte Hajo Seppelt   -   Copyright  Euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur hat Russland für vier Jahre weitgehend aus dem Weltsport verbannt.

Euronews hat mit dem Doping-Experten Hajo Seppelt darüber gesprochen. Seppelt ist skeptisch, ob diese harte Strafe in Russland etwas verändert.

Er sagt: "Die letzten Jahre, wo es ja schon genug Maßregelungen Russlands gegeben hat, wo es schon Sperrungen und Ausschlüsse gegeben hat, da hat man ja geglaubt, es müsse erst einmal ausreichen, um sie auf Kurs zu bringen, um das ewige Lügen und Abstreiten zu beenden. Stattdessen hat man munter weiter gelogen, hat Labordaten manipuliert und vernichtet, hat sogar Beweise gefälscht, um Dritte zu belasten. Das sind schon sehr, sehr harte Vorwürfe, die jetzt belegt worden sind."

Russische Athleten dürfen in den nächsten vier Jahren nur unter neutraler Flagge bei Olympia oder der WM starten.

Man hat getan, was durchsetzbar ist.
Hajo Seppelt
ARD-Dopingexperte

Unter anderem die USA fordern einen Totalausschluss Russlands. Dies wäre angemessen, so Seppelt, hätte aber keinen Bestand: "Es wäre dann aber wahrscheinlich so, dass das vor dem Internationalen Sportgerichshof CAS scheitern würde, der ein Urteil, das natürlich am Ende womöglich unschuldige Athleten ein Stück weit in Sippenhaft nimmt. Das hätte der wahrscheinlich nicht akzeptiert. Insofern hat man - so haben Rechtsexperten es dargestellt - das getan, was am Ende auch durchsetzbar ist. Und man geht übrigens auch davon aus, dass diese Entscheidung der WADA vor dem Int. Sportgerichtshof Bestand haben wird, wenn die Russen Einspruch einlegen - und damit ist in den nächsten Tagen zu rechnen."

Der Chef der russischen Antidopingagentur "Rusada", Juri Ganus, fordert unterdessen Reformen. Die gesamte russische Sportpolitik müsse sich völlig neu aufgestellen.

Immer mehr Leute haben verstanden, wenn auch vielleicht nicht die Entscheidenden in Russland.
Hajo Seppelt
Dopingexperte

Das Urteil der Wada werde aber nicht von heute auf morgen eine saubere Sportnation aus Russland machen, sagt Hajo Seppelt:

"Ich glaube, es habe immer mehr Leute verstanden, wenn auch noch nicht ausreichend - und vielleicht auch nicht die Entscheidenden in Russland - dass dieses ein hausgemachtes Problem ist und kein Problem, das irgendwie der Westen in dieses Land gebracht hat mit angeblich abenteuerlichen Anschuldigungen gegenüber Russland - so nach dem Motto: wir sind die Opfer und der Westen will uns ständig attackieren. Ich glaube, diese Inszenierung nimmt man selbst in Russland den eigenen Funktionären immer weniger ab.

Das dauert sehr, sehr lange - und ich glaube, auch in vier Jahren wird man das Problem noch nicht gelöst haben."

Russland hat nun 21 Tage Zeit, das Urteil anzunehmen oder es vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas anzufechten.