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Empörung über Roman Polanskis Cesar-Nominierungen - trotz Vergewaltigungsvorwürfen

Empörung über Roman Polanskis Cesar-Nominierungen - trotz Vergewaltigungsvorwürfen
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AP Photo/Jarek Praszkiewicz - Jarek Praszkiewicz
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Gleich zwölf Mal ist Roman Polanskis "Ein Offizier und ein Spion" für den begehrten französischen César-Filmpreis nominiert worden- und das trotz neuer Vergewaltigungsvorwürfe gegen den polnisch-französischen Regisseur.

Die Nominierung des Films hat in Frankreich unter anderem im Netz heftige Reaktionen ausgelöst. Bereits Mitte November war es bei einer Premiere des Polanski-Films in Paris zu Protesten gekommen. Nach neuen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den polnisch-französischen Regisseur blockierten mehrere Frauen den Zugang zu einem Kino.

Neue Vorwürfe gegen den Regisseur

Die französische Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier hatte Polanski im vergangenen Jahr in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 geschlagen und vergewaltigt zu haben, als sie 18 Jahre alt war.

Sie sagte, dass sie keine offizielle Anzeige mehr erstatten könne, fühle sich jedoch gezwungen, ihre Geschichte zu erzählen, da sich der Film „Ein Offizier und ein Spion“ mit einem Justizfehler befasste.

Polanski lebt seit 1978 im selbst auferlegten Exil in Frankreich, nachdem er aus den USA floh, bevor er dort wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen verurteilt werden konnte. Polanski bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und saß zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam.

Seitdem wurde er mehrmals wegen sexuellen Fehlverhaltens angeklagt und von weiteren Frauen der Vergewaltigung beschuldigt. Polanski bestritt die Vorwürfe immer.

"Ich bin beschuldigt" - Versprecher oder Absicht?

Polanskis Film handelt von dem Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 in Paris zu Unrecht wegen angeblichen Landesverrats verurteilt wurde. Die Dreyfus-Affäre war einer der größten Justizirrtümer Frankreichs.

Der französische Titel des Films ist "J'accuse".

Als die französische Komikerin Florence Foresti am Mittwoch die Nominierungen für Bestes adaptiertes Drehbuch vorlas, sagte sie "Roman Polanski pour Je suis accusé", was im Deutschen so viel heißt wie: "Roman Polanski für Ich bin beschuldigt". Foresti korrigierte sich schnell - der Versprecher, der möglicherweise gar keiner war, schlug jedoch große Wellen.

In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder Missbrauchsvorwürfe gegen verschiedene Künstler gegeben - eine neue MeToo-Debatte wurde angestoßen.

Empörte Reaktionen in Frankreich

Die Entscheidung der Académie des César nun den neuesten Film von Polanski gleich mehrmals zu nominieren wurde von Feministinnen scharf kritisiert.

"Haben wir nichts von der #MeToo-Bewegung gelernt?" fragt sich die französische, feministische Frauengruppe "Osez le feminisme" auf Twitter. Und weiter: "Wenn Vergewaltigung eine Kunst ist, geben Sie Polanski alle Cesars".

Auch die Gleichstellungsministerin Marlene Schiappa kritisierte die Nominierungen.

"Es ist klar, dass die französische Filmindustrie einen weiten Weg vor sich hat, wenn es um sexistische und sexuelle Gewalt geht", sagte sie im französischen Radio.

Kulturminister Franck Riester erklärte, die Akademie sei "frei, ihre Entscheidungen zu treffen, fügte jedoch hinzu, dass er weiterhin" die kreative Freiheit mit derselben Entschlossenheit verteidigen werde, mit der ich täglich alle Formen sexistischer und sexueller Gewalt bekämpfe ".

Der Präsident der Académie des César, Alain Terzian, betonte, dass die Césars kein Gremium seien, das moralische Positionen einnehmen sollte.

Roman Polanskis neuer Film "Ein Offizier und ein Spion" steht in diesem Jahr an der Spitze der Nominierungen für die Césars, die "französischen Oscars" und ist in wichtigen Kategorien wie «Bester Film», «Bester Regisseur» und «Bester Schauspieler» für Jean Dujardin nominiert. Die César-Zeremonie findet am 28. Februar statt.

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