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"Er verdient keine Vergebung": IS-Rückkehrer in Bosnien

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"Er  verdient keine Vergebung": IS-Rückkehrer in Bosnien
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Die Angst vor den IS-Heimkehrern in Europa ist groß, die Rechtslage kompliziert. Dennoch hat Bosnien und Herzegowina mit der Rückführung von Staatsangehörigen begonnen. Eine Gruppe von 25 Männern, Frauen und Kindern wurde im Dezember zurückgebracht. Das Land sei gesetzlich dazu verpflichtet, sagen die Behörden, man werde sich der Sicherheitsherausforderung stellen. Der Bericht von Euronews-Korrespondentin Anelise Borges.

"Ich hätte ihm die Todesstrafe gegeben"

Als Sefik Cufurovic erfuhr, dass sein Sohn Ibro nach Syrien gereist war, um für den sogenannten Islamischen Staat zu kämpfen, kam ihm das Unvorstellbare in den Sinn. "Ich wünschte mir immer wieder, eine Granate würde ihn in Stücke zerreißen."

Ibro Cufurovic war 19 Jahre alt, als er Bosnien-Herzegowina verließ. Das Foto im Polizeibericht ist das einzige, das Sefik von seinem Sohn aufbewahrt hat. Für ihn ist er für immer verschwunden.

"Wenn ich einen Sohn hätte, wäre er hier bei mir. Als sie das Urteil verkündeten, rief mich ein Journalist an und fragte mich, ob ich gehört hätte, dass er zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt worden sei. Ich sagte, wenn es nach mir ginge, hätte ich ihm die Todesstrafe gegeben."

"Wir sind uns des Sicherheitsrisikos bewusst"

Tausende junger Männer und Frauen in ganz Europa ließen sich von den den radikalen Ideen und Versprechungen der Dschihadistenmiliz Islamsicher Staat anlocken. Nach deren militärischer Niederschlagung haben einige Länder begonnen, ehemalige IS-Kämpfer zurückzuholen.

Bosnien-Herzegowina kündigte dies Ende letzten Jahres an. "Sieben Männer, die im Dezember zurückgeführt wurden, mussten sich vor Gericht verantworten. Bosnien-Herzegowina ist eines der ersten Länder in Europa, das Gefängnisstrafen von bis zu 10 Jahren für Staatsbürger, die im Ausland an Konflikten beteiligt waren oder andere dafür rekrutierten, eingeführt hat."

Insgesamt reisten zwischen 2012 und 2016 rund 300 Personen aus Bosnien-Herzegowina in die IS-Kriegsgebiete. "Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, unsere Staatsbürger zurückzuholen", sagt Sicherheitsminister Fahrudin Radoncic. "Wir sind uns des Sicherheitsrisikos bewusst, aber dazu bereit, damit umzugehen."

Nicht alle teilen diese Meinung - und sehen andere Gründe hinter der Entscheidung, IS-Anhänger zurückzuholen, wie Dragan Lukac, Innenminister der Republika Srpska."Ich glaube, dass auf Bosnien und Kosovo von den Ländern der Koalition großer Druck ausgeübt wird, insbesondere den USA, die viele IS-Terroristen in ihren Lagern gefangen gehalten haben. Um diese Lager loszuwerden, drängt Amerika andere Länder, ihre Staatsangehörigen aufzunehmen."

Keine Vergebung

Der Rückzug der USA aus Nordsyrien hat Fragen über das Schicksal der ausländischen IS-Kämpfer und deren Familien aufgeworfen. Viele EU-Länder - darunter Frankreich und Deutschland - sträuben sich mit dem Argument, einmal heimgeholt, sei es aufgrund fehlender Beweise für in Syrien und Irak begangene Verbrechen schwierig, IS-Kämpfer zu verfolgen.

Die Frage nach der Gerechtigkeit und Gerichtsbarkeit steht im Mittelpunkt der Debatte. Gleich an zweiter Stelle kommt die Deradikalisierung zurückgekehrter IS-Kämpfer.

Bosnien-Herzegowina plant, die Familien in Reintegrationsprogramme miteinzubeziehen. Der Regierung zufolge, hätten sich viele bereits freiwillig gemeldet.

Aber längst nicht alle sind dazu bereit. Auf die Frage, ob er seinem Sohn nicht verzeihen könne, sagt Sefik Cufurovic. "Nein, er verdient keine Vergebung."

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