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"Seuche in unseren Köpfen" - Presseschau zum Coronavirus

"Seuche in unseren Köpfen" - Presseschau zum Coronavirus
Copyright  AP Photo/Martin Meissner
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Die oberste Regel ist es inzwischen, sich möglichst oft die Hände gründlich zu waschen. Fast alle Medien in Europa geben Tipps weiter. Die Verunsicherung ist riesig, auch weil selbst Experten nicht genau über Covid-19 Bescheid wissen. Obwohl oft berichtet wurde, dass Atemschutzmasken kaum etwas bringen, gehören diese in vielen betroffenen Gebieten mittlerweile zum Bild des Alltags.

Die SZ titelt "Das unheimliche Rätsel um das Coronavirus" und schreibt "Bereit sein, darum geht es für die europäischen Behörden jetzt. Wobei sich am Mittwoch durchaus die Frage stellt, wie gut ein Land wie Deutschland wirklich präpariert ist, wenn die Website seiner obersten Seuchenschutzbehörde, des Robert-Koch-Instituts in Berlin, zeitweise nicht erreicht werden kann, die Behörde Fragen nur lückenhaft beantwortet oder an die Länder verweist. Und das im Angesicht von akuten Infektionen unter anderem einer Kindergärtnerin aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, deren Einrichtung nun geschlossen ist, und eines Patienten, der noch vor Kurzem auf einer Karnevalssitzung mitgeschunkelt hat. 14 Pfleger und Ärzte des kleinen Krankenhauses im Städtchen Erkelenz bei Köln wurden für 14 Tage nach Hause geschickt, nur zur Sicherheit, wie es heißt."

Unter dem Titel "Die Seuche in unseren Köpfen" steht bei Faz.net: "Wie soll man das noch verdrängen können: Ein Virus, das keiner kennt, sucht sich seine Opfer, bald Hunderttausende weltweit, und keiner kann sagen, wohin das führt? Wie sagte der Bundesgesundheitsminister: Es ist angekommen. Europa spürt die Angst. Die Angst vor der Panik ist mittlerweile so groß wie die Angst vor dem Erreger selbst. Denn die Ängste vor der angenommenen und der tatsächlichen Bedrohung sind extrem ungleich verteilt. Eigentlich nichts Neues: Bevor das Virus unsere Lungen bedroht, sind die Köpfe längst infiziert. So funktionieren Schockrisiken. Wir sind erbärmlich in unserem Risikomanagement. Unsere Wahrnehmung über alltägliche Gefahren wie die Grippe ist durch Routine und Verdrängung getrübt – jeden Tag stirbt statistisch ein Mensch, weil im Auto das Smartphone bedient wird. Plötzlich auftauchende Risiken dagegen erleben wir wie ein Schwert, das plötzlich über unseren Köpfen hin und her pendelt. Jedes Maß geht verloren, weil das nötige Wissen fehlt, um die tatsächliche Gefahr einschätzen zu können."

L CORRERE DELLA SERA aus Mailand schreibt unter dem Titel "Wege, die Angst vor der Ansteckung zu bekämpfen": "Es wird eine kollektive emotionale Ansteckung ausgelöst, die intolerantes und rassistisches Verhalten gegenüber Fremden provoziert, auch weil das menschliche Gehirn über unmittelbare emotionale Resonanzkreise verfügt, sowie über ein Relais, das durch die Amygdala repräsentiert wird, die Angstreaktionen provoziert, wenn man mit Gefahren konfrontiert wird, zum Beispiel wenn man auf eine Schlange trifft. Diese emotionalen Reaktionen können jedoch durch klare und beruhigende Informationen des Gesundheits- und Katastrophenschutzministeriums bekämpft werden, wie es anscheinend geschieht, und gleichzeitig durch die Bereitstellung von Teams aus Ärzten, Krankenschwestern und Bediensteten, die gemeinsame Verfahren und Versorgungswege verfolgen."

In Mailand dürfen auch Bars jetzt wieder länger öffnen.

In Le Monde aus Paris ist von "Unser aller Verantwortung" die Rede. "Die Versuchung ist groß, vor allem in Frankreich, sich auf den allmächtigen Staat zu verlassen, ohne sich zu fragen, ob unser eigenes individuelles Verhalten ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand respektiert, um unsere Lieben, aber auch die Gemeinschaft als Ganzes zu schützen. Die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft, diese Krise zu überstehen, wird von ihrer Fähigkeit abhängen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden."