Eilmeldung
This content is not available in your region

Deutsche Journalisten beschossen: Maas verlangt von US-Behörden "konsequente Nachverfolgung"

Vor dem Gebäude des Senders CNN in Atlanta demonstrieren hunderte Menschen nach dem Tod von George Floyd
Vor dem Gebäude des Senders CNN in Atlanta demonstrieren hunderte Menschen nach dem Tod von George Floyd   -   Copyright  AP Photo
Schriftgrösse Aa Aa

Bei den Protesten in den USA werden auch Journalisten immer häufiger zur Zielscheibe unverhältnismäßiger Polizeigewalt.

Mindestens 125 Pressevertreter wurden seit Ausbruch der Proteste in der vergangenen Woche angegriffen, verletzt oder festgenommen. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen forderte von der Polizei, Berichterstatter zu schützen.

"Donald Trump hat Medien jahrelang dämonisiert und als Feindbild aufgebaut - das ist das Ergebnis", schrieb die Organisation, die sich für die Pressefreiheit und gegen Zensur engagiert.

Die Gewalt geht nicht ausschließlich von Sicherheitskräften, sondern auch von Demonstranten aus.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas forderte ebenfalls von den US-Behörden, "höchste Standards" walten zu lassen, um die Pressefreiheit und Medienschaffende zu schützen. Im Falle der deutschen Journalisten des Nachrichtensenders Deutsche Welle, die am Montag in Minneapolis unter Beschuss geraten waren, habe man sich von US-Behörden Aufklärung verlangt, so Maas bei einem Pressebriefing.

Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hat die Behörden und Sicherheitskräfte aufgefordert, die Angriffe auf Journalisten einzustellen. Der vom CPJ gegründete Press Freedom Tracker hat in nur drei Tagen 125 Angriffe gezählt. Einige von ihnen wurden gefilmt.

Die freie Fotografin Linda Tirado in Minneapolis wurde von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen wurde und verlor ihr linkes Auge.

"Sie versuchen, mein linkes Auge zu retten"
Eine Journalistin der LA-Times berichtet davon, wie sie und andere Pressevertreter von Polizisten an ihrer Arbeit gehindert wurden.

Am Samstag konnte L1C4-Reporter Christopher Bishop in Louisville festhalten, wie Polizeibeamte sein Team mit einem Tränengasgewehr beschossen. Niemand wurde ernsthaft verletzt.

Das CNN-Team um Reporter Omar Jimenez wurde in Minnesota am Freitag festgenommen, obwohl er sich mehrfach als Journalist identifiziert hatte. Erst nach persönlicher Intervention des Gouverneurs wurden sie wieder freigelassen.

"Wir sind entsetzt über die andauernde Anwendung harter und manchmal gewalttätiger Maßnahmen der Polizei gegen Journalisten, die ihre Arbeit tun. Dies sind direkte Verletzungen der Pressefreiheit, einem grundlegenden verfassungsmäßigen Grundrecht der Vereinigten Staaten", sagte der Programmdirektor des CPJ, Carlos Martinez de la Serna, in New York. "Wir fordern lokale und staatliche Beamte auf, die Medien explizit von den Sperrstundenregelungen auszunehmen, damit Journalisten frei berichten können.

"So etwas habe ich noch nie wirklich gesehen": Reporter und Nachrichtenfotografen beschreiben, wie sie misshandelt, verhaftet und beschossen werden, während sie über Demonstrationen im ganzen Land berichten, berichtet die New York Times.

Viele sind schockiert, dass dies in den Vereinigten Staaten geschehen kann - ein Land, das als Verfechter dieser Freiheiten gilt und deren Leadership die Zensur und staatliche Kontrolle der Medien in Ländern wie in Russland und China offen kritisiert.

Dass Journalisten auch von Demonstranten angegriffen werden, nennt die Organisation Reporter ohne Grenzen "eine Folge der jahrelangen Verteuflung der Presse durch Donald Trump".

Nach der Festnahme des schwarzen CNN-Reporters kam es in Atlanta vor dem Hauptquartier von CNN zu teilweise gewalttätigen Ausschreitungen. Demonstranten zerschmetterten Fensterscheiben und beschmierten die Fassade mit Farbe.

CNN gehört in den Augen von Trump zu den Medien, die nicht tatsachengetreu informieren. Aus seiner Ablehnung des Senders macht er keinen Hehl.

Der Reporter Paul Woolverton, der für The Fayette Observer, die zu The USA Today gehört arbeitet, wurde von Demonstranten angegriffen, die er bei Plünderungen filmte. "Beule am Kopf, Kratzer, blaue Flecken von Fußtritten am Kopf und eine Gehirnerschütterung", schreibt er auf Twitter.

Woolverton filmte für die Webseite seiner Zeitung live per Facebook aus Fayetteville, North Carolina.

Moore from the downtown market house

Publiée par The Fayetteville Observer sur Samedi 30 mai 2020