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Mordfall Olof Palme: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

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Mordfall Olof Palme: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
Copyright  JOHN WAHLBARJ / SCANPIX SWEDEN / AFP
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Schweden stellt die Ermittlungen im Mordfall Olof Palme ein. Wie Staatsanwalt Krister Petersson in Stockholm mitteilte, haben die ErmittlerInnen den Mann, der den damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Palme 1986 mutmaßlich erschoss, zwar ausgemacht, da dieser aber bereits 2000 verstorben sei, werde der Fall geschlossen.

Das gab der mit den Palme-Ermittlungen betraute Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch bekannt. "Was die Ermittlungen für uns erschwert hat, ist, dass seit dem Attentat mehr als 34 Jahre vergangen sind und eine Reihe von Zeugen nicht mehr unter uns weilen oder sehr alt sind. Zeugenaussagen werden mit der Zeit nicht besser, sie sollten frisch ausgewertet werden. Und den forensischen Experten zufolge wird es nicht möglich sein, eine Waffe mit dem Tatort in Verbindung zu bringen".

Der Hauptverdächtige hieß Stig Engström und stellte bereits seit längerem eine heiße Spur in dem Fall dar. In Medienberichten war er stets als "Skandia-Mann" bezeichnet worden. Er soll sich am Mordabend in der Nähe des Tatorts befunden, Zugang zu Schusswaffen gehabt und Palmes Politik gehasst haben.

Tötung Palmes ist nationales Trauma

Der Palme-Mord gilt als einer der größten Kriminalfälle Europas, die Mordermittlungen zählen zu den umfassendsten und teuersten der Welt. Für Schweden stellen die Tat und die lange mangelnde Aussicht auf wesentliche Antworten in dem Fall ein nationales Trauma dar.

Mitte Februar war jedoch überraschend Bewegung in den Fall gekommen: Staatsanwalt Petersson hatte in einer Kriminalsendung im schwedischen Fernsehen von neuen Spuren berichtet und verkündet, er glaube daran, noch vor dem Sommer aufzeigen zu können, was in der Tatnacht geschehen sei. "Ich bin zuversichtlich, präsentieren zu können, was um den Mord herum passiert ist und wer dafür verantwortlich ist", hatte Petersson gesagt. Zugleich hatte er angekündigt, noch im ersten Halbjahr 2020 entweder Anklage erheben oder die Voruntersuchungen einstellen zu wollen.

Palme 1986 auf offener Straße erschossen

Olof Palme war am Abend des 28. Februars 1986 um kurz vor Mitternacht auf dem Rückweg aus einem Stockholmer Kino auf offener Straße von einem Mann von hinten erschossen worden. Kurz darauf wurde er im Krankenhaus für tot erklärt. Der Sozialdemokrat war zu dem Zeitpunkt seit knapp dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident gewesen, nachdem er dieses Amt bereits von 1969 bis 1976 innegehabt hatte. Palmes Frau Lisbet, die mit ihm im Kino gewesen war, erlitt einen Streifschuss und überlebte die Tat leicht verletzt.

Bei den zunächst nur schleppend in Gang gekommenen und von Beginn an fehlerbehafteten Ermittlungen in dem Mordfall geriet zunächst ein 33-jähriger Mann unter Verdacht. Er kam nach kurzer Untersuchungshaft wieder frei. Eine weitere Spur führte die Ermittler zur kurdischen PKK, eine andere Jahre später zum Geheimdienst nach Südafrika. Immer wieder tauchten neue Spuren und Hinweise auf, von einer Verschwörung innerhalb der schwedischen Polizeibehörden war ebenso die Rede wie von Rechtsradikalen als mögliche Täter.

Es gab einen weiteren Verdächtigen

Die konkreteste Spur führte die Ermittler zu Christer Pettersson, der nur zufällig so ähnlich heißt wie der heutige Palme-Staatsanwalt. Der drogensüchtige und vorbestrafte Mann wurde Ende 1988 festgenommen und von Lisbet Palme als Täter identifiziert. Er wurde später von einem Gericht für den Mord verurteilt, in einem Berufungsverfahren mangels einwandfreier Beweise aber wieder freigesprochen. 2004 starb er.