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Mit Knüppeln, Reizgas und Handschellen: Orbán-Regierung will Schulwächter

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Schule in Ungarn
Schule in Ungarn   -   Copyright  AP Photo
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Weil die ungarische Regierung überzeugt ist, dass Schulen ein Sicherheitsproblem haben, plant sie die Einführung von "Schulwächtern".

Diese sollen nicht nur direkt der Polizei unterstellt werden, sondern auch überwiegend aus Polizisten im Ruhestand bestehen. Die Schulwächter würden außerdem voll in die Lehrerschaft eingegliedert und mit Sonderbefugnissen ausgestattet.

Bildungsstaatssekretär Zoltán Maruzsa erläuterte die Gesetzesinitiative im Parlament: "Gemäß des Polizeigesetzes können Schulwächter Knüppel, Reizgas, Handschellen verwenden und sie dürfen physischen Zwang ausüben. Es ist wichtig, dass sie diese Hilfsmittel nur auf dem Schulgelände und während der Unterrichtszeit benutzen können."

Kritiker der Gesetzesinitiatve werfen der Regierung vor, nur die Symptome und nicht die Ursachen eines Missstands anzugehen.

Künftig Straftäter im Kindesalter

Landesweit ist der Einsatz von 500 dieser Schulwächter geplant. Parallel dazu soll die Strafmündigkeit für einige Delikte von 14 auf 12 Jahre gesenkt werden. Eltern dieser kindlichen Straftäter können dann staatliche Unterstützungsleistungen für ein Jahr gestrichen werden.

Kinderpsychologen wie Csilla Oláh verfolgen die Pläne mit Skepsis: "Wenn wir das Kind sofort als Kriminellen betrachten, wird es das Gefühl haben, dass es keinen Sinn macht, zu kämpfen, zu lernen. Es wird ihm ergehen wie sein Vater, und im Gefängnis landen."

Hauptproblem familiärer Hintergrund?

Die Regierung ist der Ansicht, dass es Schulen und ganze Regionen in Ungarn gibt, in denen Lehrerinnen und Lehrer in Gefahr sind und dies sei nicht tolerierbar. Die Wurzeln von Schulgewalt sieht die Regierung in den Familien. Erklärtes Ziel ist eine Abschreckung von Gewalttätern an Schulen.

Eine Grundschullehrerin äußerte Bedenken hinsichtlich eines dauerhaften Einsatzes von Wächtern mit polizeilichen Befugnissen auf dem Schulgelände. Ildikó Baloghné Bagdány ist Direktorin der Nekcsei Demeter Grundschule: "Es geht nicht um Gewalt, es geht um Bildung. Es ist wichtig für unsere Kinder, jemand zum Reden zu haben, wenn sie einen Kampf sehen oder jemand sie im Klassenzimmer, im WC oder auf dem Schulhof verletzt."