Leicester: Corona beleuchtet sozialen Hotspot

Leicester: Corona beleuchtet sozialen Hotspot
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Von Luke Hanrahan, su mit dpa
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In der britischen Textilmetropole Leicester mussten Ende Juni Corona-Lockerungen zurückgenommen werden, das Virus breitet sich immer noch aus. Euronews hat Belege, dass die als Corona-Hotspots verdächtigten Fabriken immer noch laufen - unter Bedingungen, die ein Arbeiter "gefängnisähnlich" nannte

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Das Coronavirus als Detektor für soziale Hotspots: Nach Berichten über illegale Zustände in Textilbetrieben in Leicester vermutet die britische Innenministerin Priti Patel, die Behörden hätten in der Vergangenheit aus „kulturellen Sensitivitäten“ Kontrollen gescheut – in der Textilmetropole Leicester mussten Ende Juni Corona-Lockerungen zurückgenommen werden, das Virus breitet sich immer noch aus.

Euronews hat Belege dafür, dass die als Corona-Hotspot verdächtigten Fabriken immer noch in Betrieb sind - unter Bedingungen, die ein Arbeiter als gefängnisähnlich bezeichnete ("es ist ihnen eigentlich egal, was die Regierung sagt ...").

Das sei Alltag, so Faisal Bashir, ein Autohändler in der Gegend.

"Da drinnen ist es gedrängt voll. Sobald du reingehst, siehst du hunderte Menschen - sie haben keine Masken auf, keine soziale Distanz, nichts. Wartet nur bis zur Mittagspause, dann sind hier hunderte Leute zu sehen … “

Wir haben Leute gefilmt, die Stoff entladen, Stoff in Laderäume packen und Leute, die offenkundig zur Arbeit kommen…

Angeblich gibt es ja nicht genügend Belege, dass in Leicester etwas schiefläuft.

Luke Hanrahan, Euronews:

"Hier in diesem Teil von Leicester gibt es eine spürbare Stimmung von Angst und Misstrauen, und karitative Organisationen sagen, dass es oft Angst vor Repressalien ist, die Menschen daran hindert, sich zu melden, und zu erklären, wie sie ausgebeutet werden."

Die Direktorin der landesweiten Aktion “Unseen" gegen "moderne Sklaverei", die Stundenlöhne von 3,50 Pfund (3,86 EURO, bei einem Lieferanten für die Marke Boohoo) gefunden hat.

Justine Currell – Direktor, ‘Unseen’:

"Leute, die sich zu Wort melden, müssen Konsequenzen fürchten. Das ist das Problem – Fabrikbesitzer arbeiten auf der Grundlage, dass alle stillhalten."

Ein Labour-Abgeordneter aus Leicester - Jon Ashworth - möchte jetzt etwas zum Schutz der Arbeitnehmer tun:

"Ich möchte nicht, dass Menschen ohne Zugang zu Sozialmitteln sich zu dieser Art von Arbeit gezwungen sehen. Das ist nicht gerecht. Das ist kriminell."

Ein konservativer Abgeordneter vor Ort sagt, er habe vom Innenminister die Zusicherung erhalten, dass die Regierung Maßnahmen ergreifen werde. Und warum hat die Regierung bisher nichts gemacht?

Andrew Bridgen, Conservative Party:

"Ich meine, es gibt eine gewisse Rassensensibilität. Was wir in Leicester erlebt haben, ist das völlige systemische Versagen aller normalen Schutzmaßnahmen, die eine solche Entwicklung verhindern würden. Da wurde zweifellos Einiges vertuscht … “

Luke Hanrahan, su, dpa

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