Eilmeldung
This content is not available in your region

Covid-19 in Leicester: Textilfabriken als Brandbeschleuniger?

euronews_icons_loading
Covid-19 in Leicester: Textilfabriken als Brandbeschleuniger?
Copyright  Euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Die Stadt Leicester in den englischen East Midlands hat besonders unter der Ausbreitung des Coronavirus zu leiden. Unter den mehr als 350.000 Einwohnern konnte sich die Epidemie besonders lange halten. Die britische Regierung glaubt, dass dies mit den Arbeitsbedingungen in der Textilbranche zu tun hat.

Manoher Singh Sehmi hat sein Unternehmen vorübergehend stillgelegt und sein Personal in Urlaub geschickt. Doch einige seiner Mitbewerber seien weniger vorsichtig gewesen, sagt er: “Man hat uns unglücklicherweise im Stich gelassen. Der Großteil war vernünftig, aber einige eben nicht." In Leicester beschäftigen 1500 Unternehmen der Branche mehrere tausend Angestellte, viele von ihnen sind Migranten.

Kritiker sehen Schuld bei Unternehmen

War es einfach nur Pech, dass Covid-19 gerade in Leicester derart zugeschlagen hat. Oder hatte das doch seine Gründe? Können Unternehmer für die Missachtung der Regeln belangt werden?

Nick Sakhizadah arbeitet in einer der Textilfabriken. Während des Lockdowns sei er deutlich unter dem Mindestlohn bezahlt worden, so sagt er: “Ich habe fünf Pfund bekommen, das war, als würde ich umsonst arbeiten. Das Risiko aber war hoch... Es war genau wie vor Corona, keine Handschuhe, keine Maske, kein Abstand, nichts."

Mancher aber findet es unfair, mit dem Finger auf die Arbeitgeber zu zeigen. Rickky Sandhu ist ein ehemaliger Textilarbeiter: “Man kann ja nicht nur die Unternehmer verantwortlich machen. Immerhin geben sie den Angestellten Arbeit. Und die Menschen müssen arbeiten."

Eine Frage der Herkunft?

Die Abgeordnete Claudia Webbe meint, dass die Regierung früher hätte eingreifen müssen. Sie glaubt, dass die Lobby der Migranten, die in den Fabriken arbeiten, nicht groß genug sei:

"Die Regierung könnte auch jetzt mehr tun. Und ich frage mich, ob es anders gelaufen wäre, wenn andere Bevölkerungsgruppen gefährdet gewesen wären. Dann wäre es wohl nicht zu dieser Ausbeutung gekommen."

Immerhin: Die Regierung hat mittlerweile gedroht, Unternehmen zu schließen, die sich nicht an die Coronaregeln halten.