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Charlie Hebdo: Prozessauftakt in Paris

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Charlie Hebdo: Prozessauftakt in Paris
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Gut fünfeinhalb Jahre nach dem islamistischen Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Attentäter begonnen.

Elf maskierte Verdächtige, hinter kugelsicherem Glas, so begann der erste Prozesstag wegen des Terroranschlages auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris.

Bei der mehrtägigen Anschlagsserie auf "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt waren im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen getötet worden. Die drei islamistischen Täter wurden von Sicherheitskräften erschossen.

Die nun insgesamt 14 Angeklagten werden verdächtigt, Vorbereitung und Ausführung des Anschlags logistisch unterstützt zu haben.

Drei weitere Angeklagte flohen wenige Tage vor dem Anschlag im Januar 2015 in vom sogenannten Islamischen Staat damals gehaltenes Gebiet in Syrien. Nach ihnen wird immer noch gefahndet - ob sie noch leben, ist unklar. Ihnen wird in Abwesenheit der Prozess gemacht. Siebzehn Menschen und alle drei Angreifer starben damals.

"Es ist ein Kampf für die Demokratie"

Es gebe immer noch Menschen in Frankreich, die Islamismus unterstützen und befürworteten, sei es aus Dummheit, Feigheit oder durch Komplizenschaft, sagt Thibault de Montbrial, Anwalt der "Charlie Hebdo"-Journalistin Zineb el Rhazoui. "Dies muss öffentlich angeprangert werden. Es ist ein Kampf für die Demokratie, für die Freiheit, für die Republik, der in diesem Gerichtssaal aber auch außerhalb dieses Saales stattfindet. "

Es ist der erste große Prozess um die verheerenden islamistischen Terroranschläge, die Frankreich tief erschütterten und international enormes Aufsehen erregten. Eine Welle der Solidarität unter dem Schlagwort "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") prägte die Zeit danach.

Kritiker des Verfahrens argumentieren, dass die Angeklagten bei dem Angriff nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Das wäre alles nicht passiert, wenn die Geheimdienste nicht aufgehört hätten, die Brüder Coulibaly zu überwachen, das ist der erste Punkt. Und der zweite Punkt ist, dass nicht die wirklichen Komplizen strafrechtlich verfolgt werden. Die, die die Waffen geliefert haben, die werden in diesem Prozess nicht strafrechtlich belangt.
Isabelle Coutant-Peyre
Verteidigerin

Doch Staatsanwälte und Angehörige der Opfer haben diese Vorschläge vom tisch gewischt. In den nächsten zweieinhalb Monaten werden rund 150 Sachverständige und Zeugen angehört.

Ein historischer Prozess, der gefilmt wird

Innenminister Gérald Darmanin nannte das Gerichtsverfahren, das bis Mitte November dauern soll, historisch. Der Prozess soll wegen seiner Bedeutung gefilmt werden.

Bei islamistisch motivierten Terrorakten kamen im Land bisher mehr als 250 Menschen ums Leben. Zu den Anschlägen auf die Konzerthalle "Bataclan" und Restaurants im Pariser Osten vom Herbst 2015 - dabei starben 130 Menschen - wird es einen weiteren Prozess geben.