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Bald kürzere Quarantäne? Verwirrung um Drosten-Aussage

Medical staff take COVID-19 tests of Toennies employees and their families who are quarantined behind fences in Verl, Germany
Medical staff take COVID-19 tests of Toennies employees and their families who are quarantined behind fences in Verl, Germany   -   Copyright  Michael Sohn/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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An diesem Freitag Nachmittag will der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinen europäischen Kollegen über eine Vereinheitlichung der Quarantäne-Regelungen für Corona-Verdachtsfälle diskutieren.

Unterdessen hat Deutschlands führender Virologe Christian Drosten auf Twitter klargestellt, dass er sich für eine Reduzierung der Isolierungszeit, d.h. wenn nachweislich eine Corona-Infektion vorliegt, ausspricht. Medien und Politiker sprechen fälschlicherweise von einer Reduzierung der Quarantänezeit - ein Begriff, den Drosten nur für Kontaktpersonen von Infizierten verwendet. Politiker meinen damit ganze Cluster von (potenziellen) Infizierten.

Die Diskussion um eine Verkürzung der Quarantäne hatte zuletzt an Fahrt aufgenommen. Mehrere Gesundheitspolitiker hatten eine Reduzierung der Quarantänezeit bei Corona-Verdachtsfällen gefordert und sich dabei fälschlicherweise auf Drosten berufen.

So hat sich an diesem Freitag Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet für diese Maßnahme ausgesprochen, sollte sie wissenschaftlich abgesichert sein. "Und wenn es am Ende Konsens aller Virologen sein sollte, dass in der Tat sieben oder acht Tage ausreichen für eine Quarantäne, dann wird sich die Politik dem nicht verschließen", sagte Laschet.

Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach hatte gegenüber der Der Welt erklärt, dass er eine Reduzierung der Quarantäne-Zeit auf fünf Tage für sinnvoll erachte. Die Mehrzahl der Menschen seien fünf Tage nach dem Beginn der Symptome nicht mehr ansteckend. Auf diese Weise könnten Menschen schneller zur Arbeit, bzw. in die Schulen zurückkehren.

Auch bei der FDP findet eine verkürzte Quarantäne-Zeit Zustimmung. Eine solche Maßnahme erhöhe die Akzeptanz in der Bevölkerung und entziehe Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern den Boden, sagte gesundheitspolitische Sprecherin Christine Aschenberg-Dugnus.

Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche äußerte sich ähnlich. Nach einem Kontakt mit Infizierten sei eine reduzierte Quarantäne-Zeit sinnvoll, wenn diese mit einem negativen Test abgeschlossen werden könne.

Die AfD sieht ihre Position hingegen bestätigt. Detlev Spangenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, sieht die derzeitig eingesetzten Maßnahmen als "überhastet und nicht ausgewogen".

Laut Unionssprecherin Karin Maag werde der Sachverhalt geprüft. Man habe das Robert Koch-Institut beauftragt, die "vorhandene Studienlage zur Quarantäne auszuwerten". Die Ergebnisse gelten als Diskussionsgrundlage für eine mögliche Reduzierung der Quarantänezeit.