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Covid-19: Warum nichts riechen ein gutes Zeichen sein kann

PCR-Test
PCR-Test   -   Copyright  David Goldman/Copyright 2020 Associated Press
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Nichts oder nur noch schlecht zu riechen, gehört zu den häufigen Symptomen von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Das war auch eines der Ergebnisse der Heinsberg-Studien des Bonner Virologen Hendrik Streeck.

Jetzt haben Forscher in Frankreich und Belgien 1.300 mit dem Coronavirus Infizierte genauer untersucht. Die Teams um den Hals-Nasen-Ohren-Arzt Jérôme Lechien am Hôpital Foch in Suresnes bei Paris und Sven Saussez im belgischen Mons meinen, dass PatientInnen, die den Geruchssinn verlieren, meist weniger schlimm an Covid-19 erkrankt sind.

Menschen mit einem milden Krankheitsverlauf sind zu 70 bis 85% vom Verlust des Geruchssinns betroffen. Bei schweren Fällen kommt dieses Symptom seltener vor, nämlich bei 10 bis 15% der PatientInnen. Die Forscher kommen zu dem Fazit: Ein Verlust des Geruchssinns ist eher ein gutes Zeichen.

Die Wissenschaftler haben dazu eine Hypothese: Bei Patienten, die einen Verlust des Geruchssinns erleiden, löst das Virus, indem es durch die Nase geht, eine sehr starke lokale Immunreaktion aus. Diese führt zum Geruchsverlust, aber die Infektion bleibt auf den Riechkolben beschränkt und hindert das Virus weitgehend daran, weiter vorzudringen.

"Eine gute Immunantwort"

"Diese Patienten haben eine sehr gute Immunantwort, und das Virus gelangt nicht oder nur sehr wenig in den Blutkreislauf, im Gegensatz zu schwer erkrankten Patienten, die keine angepasste Reaktion am Eintrittspunkt des Virus haben. Dadurch hat es Zeit, sich im ganzen Körper auszubreiten", sagt HNO-Arzt Jérôme Lechien, der die Studie leitete im Radiosender France Inter.

Die Forscher stellten auch fest, dass "anosmische" Patienten (die ihren Geruchssinn verloren haben) wenig Antikörper produzieren, im Gegensatz zu schweren Fällen, die viele Antikörper produzieren und lange anhalten.

Für die Studie wurde eine Kohorte von 1.300 Patienten in vier Kategorien eingeteilt:

die leicht erkrankten Patienten, die zu Hause blieben,

die mittelschweren, die einige Atembeschwerden aufwiesen,

die schweren, die mit punktuellem Sauerstoffbedarf stationär im Krankenhaus behandelt wurden,

und die sehr schweren, die auf der Intensivstation behandelt wurden.

"Die Ergebnisse zeigen, dass von den Patienten in den am schlimmsten betroffenen Gruppen 3 und 4 nur 10-15% einen Verlust des Geruchssinns hatten. In den Gruppen 1 und 2, den gutartigeren Fällen, hatten 70 bis 85% dieses Symptom", erklärt Dr. Jérôme Lechien in LE PARISIEN.

Bei den meisten ist der Geruchssinn nach wenigen Monaten zurück

Die Studie kommt auch zu dem Resultat, dass 85% der anosmischen PatientInnen drei Monate nach der Infektion ihren Geruchssinn wieder erlangten. Bei den PatientInnen mit einem Verlust des Geschmackssinns sind es 90%, die nach zwei Monaten wieder schmecken.

Dr. Jérôme Lechien sieht Ende September "immer mehr Menschen, die mit einem Verlust des Geruchssinns in die Sprechstunde im Krankenhaus Foch in Suresnes kommen", und er wertet das als "ein konkretes Zeichen für das Fortschreiten des Virus".

In einer Studie vom Frühjahr hatte das Forscherteam aufgezeigt, dass bei 85,6% der Covid-19-Fällen ein Verlust des Geruchssinns und bei 88% eine Geschmacksveränderung vorlag.