Eilmeldung
This content is not available in your region

Bolivien: Angst vor der Präsidentenwahl

euronews_icons_loading
Bolivien: Angst vor der Präsidentenwahl
Copyright  Jorge Mamani/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

Polarisierung, eine nicht verarbeitete misslungene Wahl im vergangenen Jahr, Gewaltbereitschaft, Versorgungsenpässe und ein von Corona überfordertes Gesundheitssystem – in Bolivien haben viele Angst vor den Präsidentschaftswahlen am Sonntag.

„Nur die Ruhe“ appellierte der Vorsitzende des Obersten Wahlgerichts Boliviens angesichts der Befürchtungen, dass viele das Wahlergebnis schon vorab anzweifeln und die Wahlverlierer es nicht anerkennen könnten.

Das Land hat traumatische 12 Monate hinter sich, nach dem - auch vom Militär geforderten - Sturz des Langzeit-Präsidenten Evo Morales – er regierte fast 14 Jahre lang.

WARTEN AUF SPRIT

Salvador Romero, Präsident des Obersten Wahlgerichts:

"Das Oberste Wahlgericht hat diese Wahl mit technischer Seriosität, politischer Unparteilichkeit und Transparenz ausgearbeitet und gestaltet. Das gibt einen sauberen, sicheren und zuverlässigen Wahltag."

Einige Menschen in einer langen Warteschlange vor einer Tankstelle in der Hauptstadt La Paz machen sich Sorgen, wie die Wahlergebnisse aufgenommen werden könnten.

Hernan Rosales:

"Viele fürchten nach der Wahl Versorgungs-Blockaden. Da gehen wir auf Nummer sicher."

Victor Mamani über die lange Autoschlange:

"...das muss wegen der Wahlen sein, jeder hat Angst vor den Wahlen."

Hauptkandidaten sind der frühere Wirtschaftsminister Luis Arce, der unter dem Sozialisten Morales - er lebt inzwischen in Argentinien - einen längeren Boom ausgelöst hatte, und der frühere Präsident Carlos Mesa, ein eher konservativer Historiker und Journalist, der bei der annullierten Abstimmung im vergangenen Jahr nach Morales Zweiter zu werden schien.

Die meisten Umfragen geben Arce einen Vorsprung, der aber nicht ausreichen dürfte, um eine Stichwahl im November zu vermeiden – dazu kommt es, wenn keiner der sieben Kandidaten mindestens 40% der Stimmen erhält, dazu einen Vorsprung von 10 Prozentpunkten vor dem nächsten Konkurrenten.

Nicht unwahrscheinlich, dass der nächste Präsident mit einem geteilten Kongress zu kämpfen hat - und vielleicht noch schlimmer mit einer Opposition, die sich weigert, eine Niederlage anzuerkennen.

Bolivien gilt als das ärmste Land Südamerikas. 2019 belegte es Platz 114 von 189 Ländern im Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index der Vereinten Nationen).

su mit dpa