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Anpassung an den Klimawandel: Präventionsstrategien

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Anpassung an den Klimawandel: Präventionsstrategien
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Der Klimawandel bringt die Natur durcheinander. Die Wissenschaft arbeitet an Präventions- und Anpassungsstrategien, um die Gesundheitsauswirkungen zu begrenzen. Thema in dieser Futuris-Sonderfolge.

Wir sprechen über die Missionen, die Europa in Angriff nimmt, um sich einigen der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Diese Initiative, die ab 2021 Teil des Programms "Horizont Europa" ist, hat fünf Ziele: Bekämpfung von Krebs, klimaneutrale Städte, Schutz der Meere, Bodengesundheit sowie die Mission, um die es heute geht: Anpassung an den Klimawandel, einschließlich der gesellschaftlichen Veränderungen. Aus Kopenhagen ist uns Missions-Leiterin Connie Hedegaard zugeschaltet: Sie erklärt uns, welche Aktionen und Ambitionen hinter dieser Mission stehen.

"Dahinter steht, dass egal wie viel wir in Europa tun, um den Klimawandel einzudämmen, wir müssen uns auch an ihn anpassen", so Connie Hedegaard. "Und die Frage ist, wie wird sich das auf unsere Kommunen, unsere Städte, unsere Gesellschaften, unsere Unternehmen und unsere Wohnungen auswirken? Wie können wir Europa zu einem widerstandsfähigeren Ort machen? Und wie können wir das auf eine Art und Weise tun, die der Wirtschaft zugutekommt, die gut für die Menschen, die gut für die Unternehmen ist. Außerdem versuchen wir, schnell bessere Lösungen zu finden, indem wir zusammenarbeiten und unter anderem Daten austauschen."

Euronews: "Was ist der strategische Ansatz hinter einem so ehrgeizigen und weitreichenden Plan?"

Connie Hedegaard: "Dieses gewaltige Unterfangen kann man auf viele verschiedene Arten angehen. Wir haben uns gesagt, warum versuchen wir nicht, 200 Regionen in Europa zu identifizieren, mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen, mit unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlichen Praktiken, einige gut, einige weniger gut. Sodass andere daraus lernen können, was gute und vielleicht auch was schlechte Maßnahmen sind. Auf diese Weise können wir feststellen, wo unsere Stärken, aber auch unsere Wissenslücken liegen: Wo beispielsweise Wissenschaftler gefragt sind, um neue Lösungen zu finden, oder Unternehmen, um neue Technologien zu entwickeln. Außerdem wollen wir 100 Demonstrationsprojekte in hundert Regionen durchführen. Das Ziel dabei ist, neue Technologien anzuwenden, um zu zeigen, was möglich ist. Und unser Hauptziel besteht natürlich darin, uns mit diesen Maßnahmen gegenseitig zu inspirieren. Wir sollten auf den Erfahrungen der anderen aufbauen, anstatt dass jeder von uns das Rad neu erfindet."

Eine der künftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Anpassung an den Klimawandel betrifft unsere Gesundheit. In Norwegen und Griechenland haben wir Wissenschaftler des Projekts EXHAUSTIAN getroffen: Sie untersuchen die Auswirkungen der steigenden Temperaturen und der Luftverschmutzung auf Krankheiten.

Mit der zunehmenden Erderwärmung erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen und Waldbränden, mit jeweils tödlichen Folgen für den Menschen Experten zufolge. Extreme Hitze erhöht die Sterbe- und Krankheitsraten durch Herz-Lungen-Erkrankungen, Waldbrände wiederum verstärken die Luftverschmutzung.

Experten zufolge stellt dieser Klimaeffekt in Verbindung mit der Luftverschmutzung ein großes Risiko für die Gesundheit der Menschen dar. Mehr als 90 Prozent aller Menschen auf der Erde leiden laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Luftverschmutzung. An den Folgen sterben jährlich rund sieben Millionen Menschen.

Zusammenhang zwischen Hitze, Luftverschmutzung und Herz-Lungen-Erkrankungen

Das von der EU finanzierte Projekt EXHAUSTIAN untersucht den Zusammenhang zwischen Hitze, Luftverschmutzung und Herz-Lungen-Erkrankungen. Schwerpunkt ist die Frage, wie sich verschiedenste Anfälligkeiten auf das Risiko von Herz-Lungen-Erkrankungen aufgrund extremer Hitze und Waldbrände auswirken, um maßgeschneiderte Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Wissenschaftler des Zentrums für Internationale Klimaforschung in Oslo entwickeln Modelle, um Präventions- und Anpassungsmaßnahmen zu ermöglichen.

Kristin Aunan, EXHAUSTION-Projektkoordinatorin, Umweltchemikerin am Zentrum für Internationale Klimaforschung in Oslo:

"Derzeit ist Luftverschmutzung die häufigste Todesursache in Europa, wenn es um Umweltbelastungen geht. Tatsache ist, dass die globale Erwärmung die mit der Luftverschmutzung verbundenen Schäden verstärken kann. Das kann in vielerlei Hinsicht geschehen: Eine Sache ist, dass steigende Temperaturen tatsächlich zu höheren Emissionen von Luftschadstoffen und höheren Konzentrationen führen können."

Die Studie befasst sich auch mit den sozioökonomischen Folgen dieser Auswirkungen, z.B. wie Krankheiten je nach geografischen, demografischen und sozioökonomischen Kriterien ab- oder zunehmen. Medizinische Forschungen haben bereits direkte Zusammenhänge zwischen Umweltbedingungen und Krankheiten bestätigt.

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"Wir haben mehrere Faktoren identifiziert, die mit dem Anstieg der Myokard-Infakte in Zusammenhang stehen, wie z.B. Luftverschmutzung mit Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid sowie Stickstoffdioxid -und auch die Temperatur"_, so Stefan Agewall, Kardiologe an der Universitätsklinik Ullevaal, Oslo. "Unserer Meinung nach ist jedoch die Kombination dieser beiden Faktoren, beispielsweise ein erhöhtes Kohlenmonoxid zusammen mit einer hohen Temperatur, das schlimmste Szenario."

Extreme Wetterereignisse werden in Zukunft immer wahrscheinlicher

Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um etwa ein Grad erwärmt. Das bedeutet, dass extreme Wetterereignisse in Zukunft immer wahrscheinlicher werden, selbst wenn wir uns an das Zwei-Grad-Ziel der Pariser Klimakonferenz halten. Diese Umweltfaktoren können den Klimaforschern zufolge Gesundheitsschäden verschlimmern. Jana Silmann, Forschungsdirektorin am Zentrum für Internationale Klimaforschung in Oslo:

"Es wird zu einem gewissen Anstieg der Hitzewellen kommen. Sie werden uns beeinflussen und es wird nicht mehr so sein wie früher. Die Erde ist im Wandel, sie wird sich erwärmen, Hitzewellen werden häufiger und intensiver auftreten, und es wird Auswirkungen haben. Und darauf müssen wir vorbereitet sein."

Die Auswirkungen der klimatischen Bedingungen auf die Gesundheit der Menschen sind je nach geografischer Lage und lokalen Anfälligkeiten unterschiedlich. Ältere Menschen, Arbeitnehmer, die schwere körperliche Arbeit in nicht gekühlter Umgebung verrichten, und Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinsuffizienz haben wahrscheinlich ein größeres Krankheitsrisiko bei steigenden Temperaturen.

Die Fähigkeit des Menschen, sich an steigende Temperaturen anzupassen, wird zu einem Schlüsselfaktor. Das EXHAUSTIAN-Projekt kann sich auf Daten aus einer Zeitreihendatenbank aus einer Beobachtungsstudie in mehreren Ländern und auf umfangreiche Kohortendatenbanken stützen.

Wie können wir uns langfristig an den Klimawandel anpassen?

Basierend auf aktuellen und modernsten Klimamodellen erstellt eine Gruppe griechischer Wissenschaftler Expositionsvorhersagen. Klea Katsouyanni, Professorin für Biostatistik und Epidemiologie, Nationale und Kapodistrische Universität Athen:

"Wir wissen, dass die niedrigste Mortalitätsrate in den Mittelmeerländern bei etwa 29 Grad Celsius und in den nordmitteleuropäischen Ländern bei etwa 23 Grad Celsius liegt. Es besteht also ein Unterschied. Die Bevölkerung reagiert unterschiedlich auf bestimmte Temperaturen. Auch die 'Kälteeffekte' sind in den Mittelmeerländern höher, weil die Bevölkerung daran nicht angepasst ist. Und - ich sage es noch einmal, die Anpassung muss keine physiologische Anpassung sein, es kann eine Verhaltensanpassung sein. Wir sind nicht auf kaltes Wetter eingestellt, wir haben keine Schutzmechanismen, um die Auswirkungen abzuschwächen."

Die Wissenschaftler in Oslo arbeiten unter anderem an der Beantwortung der Frage, wie sich Menschen langfristig an ein um einige Grad wärmeres Klima oder Hitzewellen anpassen können. Dieser Punkt ist die Grundlage, um soziale und städtische Anpassungsstrategien zur Begrenzung von Todesfällen und Krankheiten unter gefährdeten Gruppen zu entwickeln:

"Es ist unwahrscheinlich, dass die quantitative Beziehung zwischen Hitzestress und Sterblichkeit, die wir historisch hatten, auch in Zukunft bestehen wird, oder zumindest wissen wir das nicht. Es könnte durchaus sein, dass sich Gesellschaften anpassen. Es gibt verschiedene Anpassungsmaßnahmen: Städte grüner umzugestalten, um den städtischen Hitze-Inseleffekt zu vermeiden, Implementierung von Warnsystemen usw. Es gibt viele Dinge, die geschehen können, die die Gefährdung der europäischen Bevölkerung in der Zukunft tatsächlich verringern werden", so Kristin Aunan.

Dieser Artikel ist Teil unserer einwöchigen Green Tomorrow-Initiative.