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Mazedonien: Wie Alexander der Große die EU verwirbelt

Von Damian Vodenitcharov, su mit dpa
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Mazedonien: Wie Alexander der Große die EU verwirbelt
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Wie kommt Bulgarien dazu, sein Nachbarland Nordmazedonien zur Freundschaft zwingen zu wollen? Eine lange Geschichte....

Bulgarien verlangt von Nachbarland, es solle sich zu seinen vermeintlichen bulgarischen Wurzeln bekennen und zugeben, dass die mazedonische Sprache ein westbulgarischer Dialekt ist – ein Streit, der eigentlich 1999 schon beigelegt worden war. Seit 2017 gibt es einen Nachbarschaftsvertrag.

EU-BEITRITTSVERHANDLUNGEN BLOCKIERT

Bulgarien vermisst eine darin vereinbarte Einigung über geschichtliche Streitfragen und hat den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Nachbarland vorerst (November 2020) blockiert.

Eigentlich wollte sich Bulgarien als eine Art regionaler EU-Führer profilieren. Es hatte während der eigenen EU-Präsidentschaft im Jahr 2018 die Erweiterung der Europäischen Union wieder auf die Agenda gebracht. Sofia und Skopje ebneten den Weg mit dem 2017 unterzeichneten Freundschaftsvertrag - ein Vertrag, der laut bulgarischer Regierung von Nordmakedonien nicht eingehalten wird.

Damian Vodenitcharov, Euronews:

“Obwohl die bulgarische Regierung das aktuelle Fenster für die Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien blockiert, sieht sie sich nach wie vor offen für einen Dialog. Sie besteht jedoch darauf, dass alle bilateralen Fragen vor Beitrittsgesprächen geklärt werden.”

Laut Bulgariens Außenministerin Ekaterina Zakharieva ist dies der einzige Weg, sicherzugehen, dass der Erweiterungsprozess die EU nicht schwächt.

Ekaterina Zakharieva, Außenministerin Bulgariens:

“Wenn es ungelöste bilaterale Probleme gibt, wenn Verträge systematisch ignoriert werden, bedeutet dies, dass das Kandidatenland nicht bereit ist. Und einfach gesagt, darum geht es bei der Meinungsverschiedenheit zwischen Bulgarien und Nordmazedonien. Es erfüllt den Freundschafts-Vertrag von 2017 nicht.”

Das Abkommen zielt darauf ab, jahrelang schwelende Probleme zwischen den beiden Ländern zu lösen – historische Streitigkeiten oder Hassreden sowie Minderheitenprobleme.

Ekaterina Zakharieva, Außenministerin Bulgariens:

"Nordmakedonien hat sich verpflichtet, keine Minderheitenansprüche in Bulgarien zu erheben ... dies würde nämlich bedeuten, dass ein Drittel der bulgarischen Bevölkerung, die Bewohner der Region Pirin Macedonia, eine Minderheit ist! Das ist absurd! Diese Leute würden das niemals akzeptieren."

Ein Viertel bis ein Drittel der heutigen Bevölkerung Bulgariens sind Nachkommen von makedonischen Bulgaren – von Flüchtlingen aus Makedonien in Nordgriechenland und dem heutigen Nordmazedonien. Bis 2018 hatte es einen jahrelangen Namensstreit zwischen Griechenland und dem heutigen Nordmazedonien gegeben.

Geografisch und historisch umfasst das Gebiet Makedonien heute die Region Makedonien in Nord-Griechenland, die Republik Nordmazedonien sowie eine Region (Oblast Blagoewgrad) in Südwest-Bulgarien. Weitere kleinere Teile gehören zu Süd-Kosovo, Süd-Serbien und Südost-Albanien.

ALEXANDER DER GROSSE

Unter Alexander dem Großen erreichte Makedonien den Höhepunkt seiner Macht. Unter dem Vorwand eines „Rachefeldzugs“ für den Persereinfall in Griechenland 170 Jahre zuvor führte er 334 v. Chr. ein gesamtgriechisches Heer nach Kleinasien und besiegte in drei Schlachten – am Granikos, bei Issos und Gaugamela – die Perser vernichtend. Er eroberte nacheinander Ägypten und das Persische Kernland und dehnte sein Reich bis zum Hindukusch und zum Indus aus.

Damian Vodenitcharov, su mit dpa