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Hoffnung auf Heilung: Erste Kommunalwahlen in Mostar seit 2008

Von Euronews mit Afp
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Wahlplakat in Mostar
Wahlplakat in Mostar   -   Copyright  AFP
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Die Stadt Mostar mit ihrer symbolträchtigen Brücke verkörpert 25 Jahre nach dem Abkommen von Dayton die Zerrissenheit und Spaltung des Landes Bosnien und Herzegowina.

Eine unsichtbare Grenze verläuft zwischen katholischen Kroaten und muslimischen Bosniaken. Nationalisten auf beiden Seiten hatten kein Interesse an einer Annäherung und verhinderten 12 Jahre lang Kommunalwahlen.

Doch an diesem Sonntag wird ein neuer Gemeinderat gewählt. Zu verdanken ist das der Hartnäckigkeit einer Frau. Irma Baralija erkämpfte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), dass endlich wieder Kommunalwahlen in Mostar stattfinden können.

"Der Einzelne ist wichtig und kann Veränderungen bewirken"

"Sie haben uns jahrzehntelang in dem Glauben gehalten, dass ein Einzelner nichts ausrichten kann, dass man nur etwas verändern kann, wenn man Mitglied einer Volksgruppe und Partei ist. Nein! Das Urteil (vom EGMR) hat gezeigt, dass jeder, in diesem Fall war ich es, vor Gericht gewinnen und eine Veränderung herbeiführen kann. Der Einzelne ist wichtig und kann Veränderungen bewirken."

Die 36-jährige ehemalige Lehrerin tritt für die liberale, antinationalistische und multiethnische Partei "Nasa Stranka" (auf Deutsch: "Unsere Partei") an. Eine Seltenheit in dem von nationalistischen Interessen geprägten Land.

Irma Baralija träumt davon, das alte Mostar wiederzubeleben, so wie es war, bevor der Bosnienkonflikt es zerstückelte.

"Niemand hier bietet den Menschen Hoffnung"

Heute ist alles darauf ausgerichtet, den Kontakt zwischen den beiden Gemeinschaften zu verhindern. Es gibt getrennte Postämter, Krankenhäuser, Schulen, Müllabfuhren.

So versuchten die dominierenden Parteien, die kroatisch geführte HDZ und die bosniakische SDA ihre Macht zu erhalten, sagt Amna Popovac, eine 50-jährige Unternehmerin und Kandidatin einer anderen kleinen Partei, "Platforma za progres" (Plattform für Fortschritt).

"In Mostar gibt es viele normale Menschen, die nicht normal behandelt und in Angst gehalten werden. Niemand hier bietet den Menschen Hoffnung, niemand bietet Lösungen, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Man droht ihnen nur. Zerstörte Gebäude wurden als Erinnerung daran hinterlassen, was passieren könnte, wenn man nicht für eines der beiden Lager stimmt."

Die rund 100.00 Einwohner von Mostar haben an diesem Sonntag die Wahl: Gut 30 Parteien, Bündnisse und Einzelpersonen ringen um die 35 Sitze im Gemeinderat.