"Palast für Putin": Nawalnys Film millionenfach geklickt

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Von Euronews mit dpa
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Nawalny selbst ist im Gefängnis, doch seine Mitarbeiter posten Film, der den Kreml aufregt.

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Der russische Oppositionelle Alexei Nawalny bleibt trotz der Forderung vieler Länder und Organisationen im Untersuchungsgefängnis. Moskau verbat sich in einer ersten scharfen Reaktion nach der Rückkehr und Festnahme des Kremlgegners eine Einmischung in seine innere Angelegenheiten.

Unterdessen posteten Mitarbeiter Nawalnys unter dem Titel "Ein Palast für Putin. Die Geschichte der größten Bestechung" ein Youtube-Video, in dem ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer gezeigt wird, das Putin gehören soll. Innerhalb einer halben Stunde wurde der Film auf Youtube fast eine halbe Million Mal angeklickt.

Der Putin-Gegner Nawalny zeichnet in dem knapp zweistündigen Film anhand von Dokumenten die verschleierten Besitzverhältnisse zu dem größten Privatanwesen in Russland nach.

Der Palast mit mehr als 17.500 Quadratmetern Fläche liegt direkt an der Schwarzmeerküste nahe der Stadt Gelendschik. Den Recherchen zufolge waren zeitweise "kleine Beamte" aus der Präsidialverwaltung als Eigentümer eingetragen. Offiziell hat sich bisher niemand als Besitzer zu erkennen gegeben.

Das Grundstück mit dem Palast im italienischen Design ist fast 40 Mal so groß wie Monaco, heißt es. Die Kosten sollen bei rund 100 Milliarden Rubel (1,3 Milliarden Euro) liegen. In dem Video ist zu sehen, dass zur Anlage unter anderem auch ein Hubschrauberlandeplatz, eine Kirche, eine unterirdische Eisarena und eine Orangerie gehören. Im Palast gibt es demnach auch ein Theater, Saunen und eine Waffenkammer mit Kalaschnikow-Sturmgewehren.

Nach Darstellung Nawalnys, der den Film vor seiner Festnahme teils in Deutschland produziert hatte, handelt es sich um den größten Korruptionsskandal der russischen Geschichte. Für den Bau seien Dutzende Hektar Wald gerodet sowie die einzigartige Küstenlandschaft zerstört worden, sagte der Umweltschützer Dmitri Schewtschenko im Internet-Kanal Doschd. Ein solcher Landraub samt schwerer Eingriffe in die Natur sei nur mit Hilfe staatlicher Stellen möglich, sagte er.

"Dem Präsidenten will man da etwas unterschieben, mit dem er überhaupt nichts zu tun hat." so Kremlsprecher Dmitri Pesky. "Das Eigentum des Präsidenten wird jedes Jahr genau aufgelistet in seiner Steuererklärung."

Einer der Anwälte Nawalnys, Wladimir Kobzew, sagte unterdessen, seinem Mandanten gehe es gut: "Er hat gut geschlafen, ist guter Laune und voller Energie. Er hat sich nicht dazu geäußert, ob er unter Druck gesetzt werde. Er sagte, das Essen sei reichlich. Die Haftbedingungen seien in Ordnung. Er ist allein in seiner Zelle, er ist ja in Coronavirus-Quarantäne."

Putins wichtigster Gegner Nawalny war am Montag in einem umstrittenen Eil-Gerichtsverfahren in einer Polizeistation zu 30 Tagen Haft verurteilt worden - wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen. Für diesen Samstag haben seine Unterstützer zu Protesten aufgerufen, um Nawalnys Freilassung zu fordern.

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