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Griechenland: Athen geht wieder in den harten Lockdown

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Griechenland: Athen geht wieder in den harten Lockdown
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Griechenlands Hauptstadt Athen wird wieder unter einen harten Lockdown gestellt. Die Abriegelung soll bis zum Ende des Monats für Athen und die Region Attika gelten. Hier leben mit rund vier Millionen Menschen mehr als ein Drittel der gesamten griechischen Bevölkerung.Geschäfte und Schulen müssen nun erneut schließen - sie hatten erst Mitte Januar wieder öffnen dürfen.

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis begründete die Maßnahme mit den stark steigenden Infektionszahlen:

Die Restriktionen gelten in Attika von Donnerstag an bis zum 28. Februar. Der gesamte Einzelhandel muss schließen, Schulen und Universitäten werden nur digital stattfinden. Die Erfahrungen mit der ersten Welle und die Schließung nach den Weihnachtsferien zeigen, dass die Restriktionen schneller wieder aufgehoben werden können, wenn sie konsequent umgesetzt werden.
Kyriakos Mitsotakis
Ministerpräsident Griechenland

Der neue Lockdown - er sorgt für Ärger und Frustration unter den Geschäftsleuten Athens. Dimitra Syrigou hatte ihr Bekleidungsgeschäft vor ein paar Wochen erst wiedereröffnet und muss es nun erneut schließen. Die 35-jährige erklärt, niemand würde sich um ihre Probleme kümmern. Sie und ihre Familie fühlten sich völlig hilflos.

Der ganze Markt ist betroffen. Der Staat hat uns keine wesentlichen Hilfen angeboten. Und jetzt müssen wir wieder dicht machen. Was können wir tun? Im Prinzip nichts. Wir werden zuhause eingeschlossen bleiben. Ich frage mich, ob wir das alles lange aushalten können. Wir warten nur darauf, wann wir unser Geschäft für immer schließen müssen.
Dimitra Syrigou
Besitzerin eines Bekleidungsgeschäfts

Die griechische Regierung setzt seit Beginn der Pandemie auf harte und vor allem zeitige Maßnahmen. Doch das Klima in den Straßen Athens verschlechtert sich zusehends. Die Menschen sind der Ansicht, dass im Umgang mit der Pandemie Fehler gemacht wurden. Viele haben Angst, wegen der wiederholten strengen Maßnahmen ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Es ist eine schwierige Lage. Wir stehen alle schon seit langem unter großem Druck. Wir haben keine andere Wahl, als zuhause zu bleiben. Doch ich glaube, solche Maßnahmen hätten schon gleich nach dem Sommer ergriffen werden müssen, um diese Situation zu verhindern.
Athina Marmara
Rechtsanwältin

Ein weitgehender Lockdown galt bereits im vergangenen März und dann wieder ab Anfang November. Die Bürger müssen jetzt jeden Gang vor die Haustür mit einer SMS an den Zivilschutz melden, etwa wenn sie einkaufen, zum Arzt oder zur Arbeit gehen.

Es ist immer das gleiche, die strengen Maßnahmen werden immer und immer wiederholt. Die Menschen werden müde und sind gestresst. Wir alle sehen, dass die Wirtschaft immer mehr bergab geht.
Aris Gritsas
Student

Nachdem Mitte Januar Lockerungen in Kraft traten, verdreifachte sich die im europäischen Vergleich recht niedrige Zahl der Neuinfektionen unter den rund 11 Millionen Einwohnern von 500 auf nunmehr 1500 Fälle pro Tag. Die Krankenhäuser stünden wegen der zahlreichen Corona-Fälle wieder stark unter Druck, hatte Gesundheitsminister Vassilis Kikilias am Dienstag gewarnt.

Das griechische Gesundheitssystem ist nach der jahrelangen schweren Finanzkrise des Landes nicht besonders gut aufgestellt und die Zahl der Intensivbetten vergleichsweise gering.

Die Bewohner Athens müssen jetzt einmal mehr strenge Corona-Maßnahmen ertragen. Die Menschen werden zusehnds ungeduldiger, doch sie erkennen, dass die Pandemie eine Notlage ist, die noch lange anhalten wird.