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Sache mit den Schnelltests: Warum Jens Spahn der Kragen geplatzt ist

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Jens Spahn mit FFP2-Maske - wegen Selbsttests unter Druck
Jens Spahn mit FFP2-Maske - wegen Selbsttests unter Druck   -   Copyright  Hannibal Hanschke/Pool
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Bringen Selbsttests plus Impfungen die Wende in der Corona-Krise in Deutschland? Vor allem bringt die Frage der Schnelltests derzeit den Gesundheitsminister Jens Spahn in Bedrängnis.

Wie jetzt in der Presse bekannt wird, hat den 40-Jährigen bei einer Videokonferenz mit Herstellern von Schnelltests die Wut gepackt. "Mir ist in einer internen Runde der Kragen geplatzt“, sagte Spahn der BILD-Zeitung. "Einige Länder drücken sich vor ihrer Verantwortung, Corona-Tests für Schulen und Kitas zu besorgen. Das ist ureigene Aufgabe der Länder. Doch statt diese wahrzunehmen, zeigen sie auf den Bund." Laut Teilnehmer:innen der Besprechung hatte der Minister uninteressiert gewirkt und mit dem Handy gespielt. Dann habe er gemeint: "Ich verstehe ehrlicherweise überhaupt nicht, warum ich mich als Bundesgesundheitsminister mit der Frage beschäftigen muss." Und mit Verweis auf die Bundesländer: "Ich weiß nicht, warum wir denen immer die Dinge regeln sollen, weil die Länder es irgendwie nicht hinkriegen."

Durch diese Aussagen aus dem Sitzungsprotokoll dürften sich die Kritiker von Jens Spahn bestätigt fühlen.

Der Gesundheitsminister gerät immer mehr unter Druck, doch er verteidigt sich. Bei der Pressekonferenz in Berlin mit RKI-Chef Lothar Wieler sagte Spahn am Freitag: "Ich habe jetzt gestern noch in einigen Telefonaten von einigen Herstellern gesagt bekommen, dass sie es schaffen, sogar 20 Millionen Tests pro Woche zu produzieren. Mit 20 Millionen Selbst-Tests pro Woche könnte man jeden Schüler zwei Mal pro Woche testen oder ihnen den Selbsttest ermöglichen.

"Herr Spahn" war auf Twitter am Freitagabend Trending Topic.

In mehreren Medien - wie BILD und Spiegel - wird in Kommentaren nach zu wenig Masken, zu wenig Impfstoff und jetzt zu wenig Schnelltests der Rücktritt von Jens Spahn gefordert. In den Umfragen war der CDU-Politiker schon in den vergangenen Wochen abgerutscht.

Bei Aldi in Essen waren die ersten Selbsttests eingetroffen, die zum Preis von 24 Euro 99 für fünf Stück angeboten werden sollten. Aber vielerorts waren die wenigen Packungen innerhalb kurzer Zeit vergriffen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SDP) hatte kritisiert, dass Schnelltests zwar beim Discounter angeboten würden, aber nicht in Schulen und Kitas zur Verfügung stehen.