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Warum die Schnelltests für alle Kinder an Schulen umstritten sind

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Von Kirsten Ripper
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In einer Schule in Dortmund
In einer Schule in Dortmund   -   Copyright  INA FASSBENDER/AFP or licensors
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Schnelltests werden sehr bald in Apotheken angeboten und sollen sogar im Supermarkt verkauft werden. Doch viele Kinderärzte in Deutschland sprechen sich dagegen aus, alle Kinder in den Schulen per Schnelltest auf das Coronavirus zu überprüfen.

Sind Schnelltests für Kinder zuverlässig?

Prof. Dr. Arne Simon ist Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Pädiatrische Hämatologie und Onkologie und klinischer Infektiologe. Er sagt: "Das Problem dieser Schnellteste ist, dass ihre Empfindlichkeit für den Nachweis von Coronaviren bei asymptomatischen Kindern und Jugendlichen zum einen schlecht untersucht, zum anderen haben wir haben Hinweise darauf, dass diese Teste nicht ausreichend zuverlässig sind. Dadurch entsteht die Problematik, dass Kinder und Jugendliche negativ getestet werden - das heißt man geht davon aus, dass sie nicht infiziert sind, sie können es aber trotzdem sein und können dann andere anstecken."

Auch der Fall eines falsch positiven Ergebnisses ist problematisch, denn bei einem positiven Test muss das Gesundheitsamt informiert werden, das Kind und die Kontaktpersonen müssen in Quarantäne. Und auf jeden Fall muss das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Besonders in Regionen mit niedrigen Infektionsraten machen Testungen für alle Kinder laut Arne Simon kaum Sinn.

Vor allem die Erwachsenen testen

Der Infektiologe erklärt weiter: "Also wir Kinder- und Jugendärzte und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene sind der Auffassung, dass man vor allen Dingen die erwachsenen Kontaktpersonen, das Lehrpersonal und das Kita-Personal, regelmäßig kontrollieren und zwei Mal die Woche testen sollte."

Professor Simon meint, dass Kinder getestet werden sollten, wenn sie Symptome haben, aber dann mit einer PCR-basierten Methode.

Der Kinderarzt verweist darauf, dass die Bedeutung von Schulen in der Pandemie zunächst überschätzt wurde: "Es ist nicht so, dass primär die Übertragung in Schulen und Kitas stattfindet. Das einzige, was in diesem Zusammenhang wirklich wissenschaftlich gesichert ist, das sind die Kollateralschäden, die durch undifferenzierte, langfristige Schließung von Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen."

Inzwischen haben die Politikerinnen und Politiker dazugelernt. Arne Simon meint: "Wir sind grundsätzlich auf dem guten Weg. Ich würde mir aber wünschen, dass das Öffnen grundsätzlich in größerem Umfang erfolgt."

Der Experte verweist auf eine Untersuchung, in der auch in den Ferien hohe Übertragungsraten nachgewiesen wurden.

Doch Arne Simon erklärt auch: "Ich möchte einer Fehlinterpretation ganz klar entgegentreten, wir Pädiater und pädiatrischen Infektiologen und auch die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene sagen nicht, das ist eine harmlose Infektion. Wir veranstalten auch keine SARS-Partys mit der Vorstellung, dass möglichst viele Kinder sich anstecken sollen, um eine Herdenimmunität zu erzeugen. Sondern wir haben von Anfang an klare und konstruktive Vorschläge gemacht, wie man die Übertragungen verhindern kann. Es gibt auch unter Kindern schwerwiegende Verläufe. Die Rate der Kinder, die im Krankenhaus behandelt werden muss, ist aber deutlich kleiner als bei den Erwachsenen und insbesondere auch die Todesfälle durch diese Infektion, die sind bei Kindern eine echte Rarität."