Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Ärztemangel in Bulgarien: Medizinstudenten arbeiten auf Covid-Stationen

Access to the comments Kommentare
Von Damian Vodenitcharov
euronews_icons_loading
Ärztemangel in Bulgarien: Medizinstudenten arbeiten auf Covid-Stationen
Copyright  euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Gesundheitswoche auf euronews: Sieben Tage lang bringen unsere Nachrichten- und Magazin-Teams aktuelle Geschichten aus dem Gesundheitswesen in ganz Europa und darüber hinaus. Analysen und revolutionäre Entwicklungen, die die Zukunft des Gesundheitswesens bestimmen.

Bulgarien hat seit Jahren einen Mangel an medizinischem Personal. In der Corona-Pandemie rekrutierten Krankenhäuser Medizinstudenten, um Schlüsselpositionen zu besetzen. Die Zahl der Medizinstudenten hat ein Allzeithoch erreicht.

In Bulgarien gibt es so viele Medizinstudenten wie nie - und einen Mangel an medizinischem Personal

Die dritte Coronaviruswelle stellt das Gesundheitssystem in Bulgarien erneut auf die Probe. Das Hauptproblem ist der Mangel an medizinischem Personal. Das Pirogov-Krankenhaus in Sofia ist eines der größten des Landes.

Medizinstudenten sind während der ersten und zweiten Pandemiewelle eingesprungen und haben in Covid-19-Stationen im ganzen Land gearbeitet.

Emilia Grigorova arbeitete bereits seit einem Jahr im Krankenhaus, als die Pandemie ausbrach. Als Studentin im fünften Jahr hat sie sich noch nicht für eine Facharzt-Ausbildung entschieden. Im Moment tendiert sie zu Verbrennungen und plastischer Chirurgie. Für die freiwillige Mitarbeit in der Covid-19-Abteilung entschied sie sich, nachdem sie selbst an dem Virus erkrankt war. Jetzt bereitet sie die Medikamente vor und verabreicht sie den Patienten:

"Ich habe im Januar angefangen, auf der Covid-Station zu arbeiten. Jetzt bin ich wegen der dritten Welle im März wieder hier. Es wird gerade dringend medizinisches Personal benötigt. Es war offensichtlich, dass die Leute, die hier arbeiten, erschöpft waren. Sie waren an ihrer Belastungsgrenze. Deshalb bin ich eingesprungen", so die Studentin. Eine anspruchsvolle Arbeit, denn die Covid-19-Erkrankung ist unberechenbar: "Es ist schlimm, wenn sich der Zustand eines Patienten plötzlich verschlechtert, dem es vor zwei Tagen noch gut ging. Vielleicht überlebt diese Person nicht oder nur mit schweren Komplikationen. Das ist das Schlimmste daran."

500-1000 Ärzte verlassen Bulgarien jedes Jahr

Derzeit gibt es so viele Medizinstudenten wie noch nie. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt, auf über 12.000 Studenten im Jahr 2020. Nur wenige von ihnen werden sich jedoch für einen Verbleib in Bulgarien entscheiden. Und das ist nicht nur eine Frage des Geldes.

"Es gibt immer mehr ausländische Studenten, die lieber in ihre Heimatländer zurückkehren würden, wahrscheinlich wegen der Sprachbarriere. Auch ein großer Teil der bulgarischen Studenten will das Land verlassen. Es ist viel einfacher, im Ausland eine Facharzt-Ausbildung zu beginnen, die Kriterien sind viel klarer", erklärt Theodora Delcheva, Vizepräsidentin der Vereinigung der Medizinstudenten.

Zwischen 500 und 1000 Ärzte verlassen Bulgarien jedes Jahr. Neue Regierungsprogramme sollen den Trend stoppen. Im Gegenzug für Stipendien müssen Medizinstudenten drei Jahre lang in Bulgarien arbeiten. Das Medizinstudium ist teurer geworden: Einige Studiengänge kosten über 5000 Euro pro Jahr.