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Tschechien weist Diplomaten aus - für Russland sind das "Tricks"

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Von Euronews mit dpa
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Tschechien weist Diplomaten aus - für Russland sind das "Tricks"
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Tschechien hat 18 russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen. Damit reagiere man auf die Explosion eines Munitionslagers im Jahr 2014, worin Moskau, nach Angaben des tschechischen Innenministeriums, verwickelt gewesen sein soll.

Mitarbeiter der Geheimdienste SWR und GRU seien identifiziert worden, hieß es. Sie müssten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen. Regierungschef Andrej Babis betonte, Tschechien sei ein souveräner Staat und müsse auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren.

Folgt nun eine Antwort aus Moskau?

Erwartet wird, dass der Kreml nun mit der Ausweisung tschechischer Diplomaten reagieren wird. Prag sei sich sehr bewusst, was auf "solche Tricks" folge, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.

Auf der Homepage des Ministeriums teilte man mit, dass dieser Schritt sich in antirussische Aktionen einreihe, die die Tschechische Republik in den letzten Jahren unternommen habe. Es sei unmöglich, keine Verbindung zu den USA zu erkennen.

Hamaceks Reise nach Russland abgesagt

In dem Munitionslager in Vrbetice, rund 100 Kilometer östlich von Prag, war es im Oktober und Dezember 2014 zu Explosionen gekommen. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, es entstand hoher Sachschaden.

Jakub Janda von der NGO Think-Tank für Europäische Werte geht von einer Beteiligung Russlands daran aus.

Nach Angaben der tschechischen Polizei und des Geheimdienstes wissen wir jetzt, dass die beiden GRU-Offiziere tatsächlich an dem Anschlag beteiligt waren. Es handelt sich also eindeutig um einen der größten, wahrscheinlich den größten, Angriff Russlands auf tschechisches Gebiet seit 1968, dem Einmarsch in die Tschechoslowakei.
Jakub Janda
NGO Think-Tank für Europäische Werte

Suche nach zwei russischen Spionen

Die tschechische Polizei sucht nun nach zwei Tatverdächtigen. Bei ihnen soll es sich um die beiden Russen handeln, die bereits im Zusammenhang mit einem Nervengift-Anschlag auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal gesucht werden.

Die Enthüllungen kommen überraschend. Ursprünglich hatte Innenminister Jan Hamacek am Montag nach Moskau reisen wollen, um über Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V zu verhandeln. Die Reise wurde kurzfristig abgesagt. Zuletzt gab es vor einem Jahr Spannungen zwischen Tschechien und Russland. Auslöser war die Entfernung einer Statue für den sowjetischen Weltkriegsgeneral Iwan Konew in Prag.