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Raubkunst: Deutschland will Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben

Von euronews
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Benin-Bronzen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg
Benin-Bronzen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg   -   Copyright  Daniel Bockwoldt/AP
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Sie sollen im Berliner Humboldt-Forum gezeigt werden und gehören zur Sammlung des Museums für Völkerkunde in Leipzig: Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria. Deutsche KulturpolitikerInnen und Museen haben sich darauf verständigt, erste Teile dieser kolonialen Raubkunst zurückzugeben.

Deutschland sieht sich damit als Vorreiter. Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Freitag in Berlin: "Wir möchten damit ein Zeichen setzen, dass wir mit Verständnis und aus Respekt vor der anderen Seite zur Versöhnung beitragen wollen, auch mit Ausstellungen im Humboldt-Forum. Dazu bedarf es aber einer Verständigung auch über substanzielle Rückgaben."

Erste Rückführungen ab 2022

Wie viele Bronzen genau zurückgegeben werden sollen, blieb offen. Mit den nigerianischen Partnern solle geklärt werden, unter welchen Bedingungen einige Bronzen in Deutschland verbleiben könnten, etwa als Leihgaben.

Die deutsche Initiative will nun zunächst bis Mitte Juni die deutschen Bestände auf einer Webseite veröffentlichen. 2022 sollen erste Kunstwerke an Nigeria zurückgegeben werden. Dort sollen sie später in einem neuen Museum in Benin City ausgestellt werden.

Die Bronzen stammen aus dem Königspalast des ehemaligen Königreichs Benin. Sie wurden 1897 von britischen Truppen geraubt und an Sammler und Museen in Europa verkauft.

Kritik: "Substanzieller Teil" zu wage

Die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums, Inés de Castro, sieht große Chancen für einen öffentlichen Dialog. "Das ist eine sehr gute Gelegenheit, die Gesellschaft für Themen wie den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit zu öffnen und zu sensibilisieren", sagte die Ethnologin. "Wir müssen die Debatte in die Gesellschaft bringen und deutlich machen, dass die Kolonialzeit Kontinuitäten wie den Rassismus hervorgebracht hat, die teilweise bis heute existieren." Das Linden-Museum hat insgesamt 64 Benin-Bronzen in seiner Sammlung.

Der Historiker und Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer kritisierte die Einigung. "So erfreulich das einmütige Bekenntnis zur substanziellen Restitution ist, so enttäuschend ist das Ergebnis des Benin-Gipfels insgesamt", sagte der Professor an der Universität Hamburg. Statt "bedingungsloser Verpflichtung zur Rückgabe von Raubkunst" sei nur vage von einem "substanziellen Teil" die Rede.