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Aus dem Flüchtlingslager: Schwedens ESC-Star Tusse (19) wird auch angefeindet

Von Euronews
Tusse vertritt Schweden beim ESC 2021
Tusse vertritt Schweden beim ESC 2021   -   Copyright  Peter Dejong/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Im Alter von fünf Jahren wurde Tousin Michael Chiza in der Demokratischen Republik Kongo (auch: Kongo-Kinshasa) auf der Flucht von seinen Eltern getrennt. Der Junge verbrachte Jahre in verschiedenen Flüchtlingslagern, bevor er 2009 nach Schweden kam - alleine. Aufgewachsen ist der Jugendliche mit dem Künstlernamen Tusse später in einer Pflegefamilie. Seine Mutter ermunterte ihn, Musik zu machen.

Mit 17 hat Tusse die Talentshow "Idol" gewonnen. Und zur Eurovision ist er über das sogenannte Melodifestivalen gekommen, bei dem eine Rekordzahl an Zuschauerinnen und Zuschauern dafür gestimmt hat, dass der Schüler beim ESC für Schweden singt.

Aber Tusse musste auch rassistische und andere Anfeindungen aushalten. Anhänger:innen der extremen Rechten in Schweden, die die Einwanderungsgesetze verschärfen wollen, ist es ein Dorn im Auge, dass der Flüchtlingsjunge ihr Land vertritt. Besonders in den "sozialen" Medien gab es rassistische Kommentare unter den Posts zu Tusses Auftritten.

Dabei erklärt Tusse Chiza immer wieder, wie dankbar er Schweden dafür ist, dass er dort aufgenommen wurde.

In der Schule in Tällberg wünscht sich eigentlich alle, dass Tusse den ESC gewinnt. Aber weil sich der 19-Jährige, der sich auf Instagram als "he/she" bezeichnet, schon seit Jahren gerne die Fingernägel lackiert, haben sich einige über Tusse lustig gemacht.

Beim Eurovision Song Contest setzt der Sänger ganz bewusst auf einen Mix aus Frauen- und Männersachen und -farben, um die Diversität zu feiern.

Im Interview mit der britischen Metro sagt Tusse, dass "Voices", der Song, den er in Rotterdam singt, seine Haltung wiedergibt - mit Sätzen wie "Vergesst die Hater, es liegt viel Leben vor uns, singt es heraus."

"Can’t stop us now forget the haters

Get up and live and make it matter

There’s more to life so go ahead and

sing it out"

Nach Ansicht von Musikexperten ist der Song eher ESC-Mittelmaß - und es ist nicht sicher, ob der 19-Jährige damit gewinnen kann.

Kai Strittmaier schreibt in der SZ: "Dass die Schweden Tusse Chiza nun in ihr Herz geschlossen haben, liegt vermutlich mehr am Charme des jugendlich-unbedarft daherkommenden Schülers und Sängers als an dem musikalisch doch eher konventionell gestrickten Siegerlied."

Vor und nach den ESC-Auftritten vor internationalem Publikum muss und will Tusse seine Hausaufgaben für die Schule machen. Dabei geben ihm die Lehrerinnen und Lehrer manchmal ein bisschen mehr Zeit, weil Tusse in Rotterdam ja auch mit Interviews in mehreren Sprachen und den Shows beschäftigt ist.

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