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Tag der Menstruationshygiene: "Periodenarmut" nimmt wegen der Corona-Krise zu

Von María Miret García
Mädchen mit Hygieneartikel
Mädchen mit Hygieneartikel   -   Copyright  Quelle: Plan International
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Etwa 300 Millionen Frauen und Mädchen menstruieren an einem durchschnittlichen Tag, und obwohl die Welt wegen der Pandemie stehen geblieben ist, hat ihre Periode wegen Corona nicht aufgehört. In vielen Ländern der Welt ist die Menstruation ein Tabuthema und Mädchen und junge Frauen müssen mit dem ihr anhaftenden Stigma umgehen. Hinzu kommt das Fehlen von fließendem Wasser oder Seife, die für den Umgang mit dem Coronavirus ebenso unerlässlich sind wie für die Monatshygiene.

Die gemeinnützige Organisation Plan International hat eine Online-Umfrage unter mehr als 60 Fachleuten durchgeführt, die sich in 24 Ländern der Welt mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und -Rechten beschäftigen. Ziel der Umfrage war es, die Auswirkungen der Pandemie auf die Menstruation von Mädchen und Frauen zu analysieren und gegenzusteuern.

Experten gehen davon aus, dass Corona die Gesundheitsrisiken für menstruierende Frauen erhöht hat, weil Ressourcen wie Wasser für andere Bedürfnisse abgezweigt werden.

Komplizierter, an Menstruationsprodukte zu kommen

In Zeiten knapper Ressourcen ist es in einigen Regionen der Welt schwierig, Grundbedarfsartikel wie Seife zu bekommen, die auch zum Händewaschen rationiert wird. Der Zugang ist für diejenigen, die ihre Regelblutung haben, kompliziert, und die Situation wird in Flüchtlings- oder Vertriebenenlagern noch verschärft. Etwa 80 % der Befragten waren besorgt über den Mangel an Ressourcen für den Umgang mit der Menstruationshygiene.

In Ländern wie Uganda und Somalia bedeutet der Mangel an Binden und Tampons, dass viele Mädchen gezwungen sind, während der Menstruation zu Hause zu bleiben. Damit verpassen sie Lernstoff in der Schule.

Aus der Sicht von Experten hat sich die Situation durch den eingeschränkten Zugang zu solchen Produkten während der Corona-Krise, gerade in abgelegenen Gebieten einiger Länder, und zu Umkleideräumen nur noch verschlimmert.

Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass der Zugang zu Räumlichkeiten, in denen sich Mädchen waschen können, noch stärker eingeschränkt ist. Der Bau und die Errichtung von Frauentoiletten ist in vielen Ländern der Welt unzureichend.

"Wir von World Vision arbeiten daran, dass alle Schulen und Bildungszentren einen Raum haben, in dem sich Mädchen und Frauen an diesen Tagen um ihre Hygiene kümmern können und sich viel geschützter fühlen, denn es gibt Schulen, die keine Toiletten haben", erklärt Eloisa Molina, Kommunikationskoordinatorin der Organisation in Spanien.

Quelle: World Vision
Eine Informationsstunde für junge FrauenQuelle: World Vision

Mindestens 500 Millionen Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt haben nach Angaben von WorldVision keinen Zugang zu geeigneten Anlagen, um ihre Menstruation zu "managen". Ihnen fehlt der Zugang zu sauberem Wasser, zu Toiletten mit Türen oder ein Ort zur Entsorgung benutzter Hygieneartikel.

In den meisten Schulen gibt es keine besondere Ausstattung für menstruierende Mädchen: 53% haben keinen Zugang zu einer privaten Toilette und nur 3% haben einen Abfalleimer auf dem Klo. Fast die Hälfte der Frauen und Mädchen in Ländern des Pazifiks hat Schwierigkeiten, einen Ort zu finden, an dem sie ihre Binden und Tampons ungestört und hygienisch wechseln oder entsorgen können.

Preis für Binden und Tampons ist für viele Frauen unerschwinglich

Die Corona-Pandemie hat die "Menstruationsarmut" verschärft. Drei Viertel der Experten und eine von drei Frauen sind der Meinung, dass die Pandemie diesbezüglich alles nur noch schwieriger gemacht hat.

Viele Einrichtungen, die den Mädchen zur Verfügung standen, blieben geschlossen. Und da sie nicht zur Schule gingen, bekamen viele Mädchen auch keine Binden und Tampons mehr.

"Wenn Hygieneartikel schwer zu bekommen sind, sind die Menschen gezwungen, unhygienische Alternativen zu verwenden, die das Risiko von Harnwegs- und Geschlechtskrankheiten erhöhen können", warnt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Dies stellt zudem eine Bedrohung für die Gesundheit und Sicherheit von menstruierenden Menschen dar, so der UNICEF-Leitfaden für menstruale Gesundheit und Hygiene.

Im Frühjahr 2020 verzeichnete die US-Organisation I Support the Girls einen 38%-igen Anstieg bei den Anfragen nach Hygieneartikeln für die Regelblutung, sowohl von Einzelpersonen als auch von Organisationen. Und das nicht nur, weil sie sich diese nicht leisten konnten, sondern auch, weil es an Lieferungen mangelte.

Eine von drei Frauen im Pazifikraum wusste nicht, wie sie an Binden oder Tampons kommen sollte. Das lag nicht immer nur daran, dass sie Mangelware waren, sondern auch daran, dass die Preise in die Höhe geschnellt waren. Für mehr als die Hälfte der Befragten kosteten die Artikel so viel, dass sie sie sich nicht leisten konnten. Hygieneartikel sind für viele Frauen Luxusgüter, die sie sich nicht leisten können, wenn eine Familie ernährt werden muss.

Für zwei Drittel der Mitarbeiter von Plan International Australien und jedes fünfte Mädchen in den pazifischen Ländern ist der Preis für Menstruations-Hygieneprodukte seit Beginn der Pandemie gestiegen. Laut einer von UNICEF und der gemeinnützigen Organisation WASH United durchgeführten Umfrage aus dem Jahr 2020 gaben fast 60 Prozent der Befragten an, dass sie während der Pandemie weniger Geld zur Verfügung hatten, um sich Binden oder Tampons zu kaufen. Die meisten Befragten waren der Meinung, dass sie nichts kosten sollten.

Menstruationsprodukte "scheinen nicht gebraucht zu werden"

Obwohl es in Europa keinen Mangel an Hygieneprodukten gab, war es in den ersten Monaten der Pandemie für einige Bevölkerungsgruppen kompliziert.

In Spanien wurden angesichts des COVID-19-Gesundheitsnotstands Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung aktiviert. Doch in Situationen wie der Pandemie, in denen Bedürftigen das Nötigste zur Verfügung gestellt wird, sind Menstruationsprodukte im Normalfall nicht enthalten, "es scheint, dass sie nicht gebraucht werden", prangert María Victoria López Benito, Koordinatorin des Treffens zur Menstruationskultur und Autorin des Manifests "Menstruación Digna" ( "Menstruation in Würde") an.

Die Pandemie hat nach Meinung von López Benito die Arbeit vieler gemeinnütziger Organisationen, die sich seit Jahren mit der "Periodenarmut" befassen und nun gezwungen sind, anders als auf die direkte Art zu agieren, verlangsamt und erschwert.

Und obwohl mit der Rückkehr in die Klassenzimmer in vielen Schulen Vorträge und Programme zum Thema Sexualität reaktiviert wurden, gibt es Schulen auf der ganzen Welt, die diese Art von Unterricht nicht in ihren digital stattfindenden Unterricht integriert haben.

Keine Informationen zur Monatshygiene

Mangelnder Zugang zu Informationen über Menstruationshygiene ist ein weiteres Problem, das in dem Bericht von Plan International hervorgehoben wird. Ohne Lehrerinnen, Freundinnen und Gesundheitsexpertinnen erleben viele Mädchen ihre erste Periode ohne vorherige Aufklärung, vor allem an Orten, an denen es keine Internetverbindung gibt.

Hinzu kommt die Schließung von Gesundheitszentren, und viele heranwachsende Mädchen sind mit ungewollten frühen Schwangerschaften konfrontiert.

"In den Workshops der Roten Karawane in den Kinderzentren haben wir einen Informationsmangel festgestellt, niemand hat jemals mit den Mädchen über Menstruation gesprochen und sie wissen nicht, was das ist, oder es ist ein Thema, über das man nicht einmal zu Hause sprechen kann", erklärt die Psychologin Lola Hernández, Leiterin der Menstruationskulturbewegung.

Eloisa Molina, Kommunikationskoordinatorin von WorldVision Spanien, erzählt uns, dass das Ziel ihrer Projekte gegen das Tabu darin besteht, "Sichtbarkeit zu schaffen und Barrieren über die Menstruation abzubauen, damit Mädchen wissen, was passieren wird. Denn es gibt Länder, in denen ein sehr hoher Prozentsatz der Mädchen bis zu dem Tag, an dem sie zum ersten Mal bluten, nichts davon weiß."

Im Gegensatz dazu war der Zugang zu Online-Ressourcen während der Pandemie eine Chance für viele Frauen auf der ganzen Welt, die während des Lockdowns Zeit hatten, sich über ihren Zyklus zu informieren.

Die Verbesserung einer guten Menstruationshygiene wirkt sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen aus und fördert die Gleichberechtigung, heißt es von WASH United, das den Welttag der Menstruation am 28. Mai unterstützt und koordiniert.

Fast 25 % der Fachkräfte von Plan International Australien glauben, dass Stigma, Scham oder einige schädliche kulturelle Praktiken im Zusammenhang mit der Menstruation während der Pandemie zugenommen haben, und jede fünfte Frau oder jedes fünfte Mädchen gab an, dass sie sich an "ihren Tagen" während der Corona-Krise befangener gefühlt haben.

Plan International empfiehlt unter anderem, dass die Regierungen in Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene investieren, Menstruationshygiene in die Lehrpläne der Schulen aufnehmen, Menstruationsmanagement zu einem Teil der Maßnahmen machen, die als Antwort auf die Corona-Krise ergriffen werden.