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Wahlkampfschlappen und sinkende Umfragewerte: Hat Baerbock noch eine Chance?

Von Carolin Kuter
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Die grüne Kanzlerkandidatin im Juni bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt
Die grüne Kanzlerkandidatin im Juni bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt   -   Copyright  Kay Nietfeld/ dpa
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Hat Annalena Baerbock nach den Verlusten in den Umfragen noch eine Chance die erste grüne Kanzlerin Deutschlands zu werden? Nach dem Umfragehoch nach der Nominierung der grünen Co-Chefin im April haben die Grünen in der Wählergunst drastisch verloren: Erstmals seit März fallen sie laut einer Forsa-Umfrage sogar wieder unter die 20-Prozent-Marke und liegen damit über zehn Punkte hinter der CDU, die noch nicht wieder bei ihrem jüngeren Spitzenwerten ankommt, ihren Vorsprung aber ausbaut.

Noch schnell Habeck nominieren?

Nur noch wenige glauben an eine Kanzlerin Baerbock. Selbst linke Medien wie die "taz" und der österreichische "Standard" raten den Grünen, jetzt schnell auf Co-Parteichef Robert Habeck umzusatteln.

Schuld an der sinkenden Beliebtheit dürften die Wahlkampffehler Baerbocks sein. Zuerst wurde Mitte Mai bekannt, dass sie dem Bundestag Sonderzahlungen erst verspätet meldete, dann zeigte sich, dass Details in ihrem Lebenslauf nicht stimmten. Jüngster Aufreger sind die Plagiatsvorwürfe zu ihrem Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern". Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber wirft der Kandidatin vor, an mehreren Stellen abgeschrieben zu haben. Partei und Verlag bestreiten Urheberrechtsverletzungen.

Baerbock sagte, es seien viele Ideen von anderen mit eingeflossen. Dazu, ob sie abgeschrieben hat, sagte sie nichts. Stattdessen lenkte sie den Blick aufs große Ganze: "Wir haben ja alle als Gesellschaft gesehen, was das in den USA gemacht hat, wenn der Wahlkampf nicht über die großen Fragen unser Zeit stattfindet, sondern dadurch, dass sich Wahrheit und Unwahrheit vermischen und deswegen hat meine Partei deutlich gemacht, als es hieß, das ist eine Urheberrechtsverletzung, dass das so nicht ist und klar aufgezeigt, das stimmt nicht."

Tatsächlich sind über die 40-Jährige zahlreiche Fake News im Umlauf: In sozialen Netzwerken kursiert zum Beispiel ein Video , das angeblich Baerbock zeigt, die die Legalisierung von Sex mit Kindern fordert. Es stammt von 1980, dem Geburtsjahr Baerbocks. Zudem wurde fälschlicherweise behauptet, Baerbock wolle die Haustierhaltung aus Klimaschutzgründen abschaffen.

Klar ist, dass sie als erste grüne und bisher jüngste Kanzlerkandidatin überhaupt polarisiert. Ob Baerbock es schafft, ihre Glaubwürdigkeit als Garantin für einen Neuanfang wiederzugewinnen oder Deutschland mit CDU-Kandidat Armin Laschet auf Kontinuität setzt, wird die Bundestagswahl am 26. September zeigen.