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Nach der Flutkatastophe: Was wollten Rechtsextreme und Querdenker in Ahrweiler?

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Von Kirsten Ripper  & Euronews
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Ahrweiler nach der Hochwasser-Katastrophe
Ahrweiler nach der Hochwasser-Katastrophe   -   Copyright  Bram Janssen/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Nach dem Hochwasser haben in Ahrweiler Rechtsextreme und Querdenker versucht, die Katastrophe für ihre Zwecke zu nutzen - offenbar auch um Spenden zu sammeln oder abzuzweigen. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern im Ahrtal ist es aber gar nicht gut angekommen, dass diese Gruppen aus der Not und dem Leid Profit schlagen wollten.

Willi Schulz aus Ahrweiler meint: "Wir sind wirklich nicht sehr offen für diese rechten Ansichten bei uns im Rheinland. Vielen Leuten ist es übel aufgestoßen, dass eine Flutkatastrophe für ideologische Gründe missbraucht wurde."

Schlagzeilen gemacht hatte die "Eltern-stehen-auf-Bewegung", die in einer Grundschule in Ahrweiler Kinderbetreuung angeboten hatte. Diese Gruppe protestiert seit dem vergangenen Jahr gegen die Corona-Maßnahmen wie die Maskenpflicht an Schulen, sie organisiert sich über Facebook und Telegram, verteilt aber auch Flugblätter.

Gegenwehr durch Anwohner und Polizei

Wie Willi Schulz beschreibt, hatte die "Eltern-stehen-auf-Bewegung" eine offizielle Hilfsorganisation unterwandert, um die Kinderbetreuung anzubieten. Er glaubt nicht, dass viele Kinder betreut wurden, denn nach zwei Tagen wurde die Grundschule von den Behörden geräumt.

Laut Schulz hat die Initiative dann versucht, einen anderen Platz zu finden, um Kinderbetreuung in einem Zelt anzubieten. "Doch es gab so viel Gegenwehr durch Anwohner und Polizei, dass sie aufgegeben haben", meint Willi Schulz.

Polizei gegen Fake News

Über Twitter korrigiert die Polizei Koblenz fast täglich Fake News, die im Katastrophengebiet kursieren. Die sozialen Netzwerke sind einfach schneller als die traditionellen Medien, meint dazu Willi Schulz. Wenn die Behörden Mühe haben, die Lage einzuschätzen oder den Bürgerinnen und Bürgern verlässliche Informationen zu den Gefahren zu geben, verbreiten sich Falschmeldungen besonders gut.

Die Polizei Koblenz hatte bestätigt, dass Hilfskräfte im Krisengebiet angegriffen und mit Müll beworfen wurden. Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks, Sabine Lackner hatte im Interview erklärt, "dass unsere Helferinnen und Helfer beschimpft werden. Wenn sie mit Einsatzfahrzeugen unterwegs sind, werden sie mit Müll beschmissen". Manchmal seien es frustrierte Flutopfer, vor allem seien es aber Menschen aus der Querdenker- und Prepper-Szene, die sich als Betroffene ausgäben und Stimmung machten.

Stimmung gegen die Politik verbreiten

Offenbar hatten die Rechtsextremen und Querdenker keinen Erfolg, wenn sie in Ahrweiler Mitglieder rekrutieren wollten. Dennoch sind laut Willi Schulz kleine Sticheleien auf offene Ohren gestoßen, als sich die Opfer der Flutkatastrophe in den ersten Tagen alleine gelassen fühlten. Auf der Straße hört Schulz dann schon Argumente der Rechtsextremen wie "Deutschland gibt so viel Geld für die Flüchtlingshilfe aus, das sollte man nach Ahrweiler umlenken, um den Ahrweilern zu helfen." Er glaubt, es gehe der rechten Szene vor allem darum, Stimmung gegen die Politik zu verbreiten - oft in Form von unterschwelligen Botschaften.

Tatsächlich bleiben zwei Wochen nach dem Hochwasser viele Fragen an die Verantwortlichen - vor allem wegen der fehlenden oder verspäteten Warnungen. Besonders der Landrat Jürgen Pföhler (CDU) steht inzwischen im Kreuzfeuer der Kritik.

Kritik am Auftauchen der Querdenker im Krisengebiet hatte zuvor der Grünen-Politiker Konstantin von Notz geübt. Er sagte im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Dass Querdenker, Reichsbürger, Holocaustleugner und andere Rechtsextremisten vor dem Leid der Menschen und der Tragödie des Hochwassers versuchen, ihren persönlichen Tag X zu zelebrieren, ist einfach schamlos."

Bram Janssen/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Ahrweiler kurz nach der Hochwasser-KatastropheBram Janssen/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Die Sorge der Menschen in Ahrweiler bleibt reell, denn - wie Willi Schulz bestätigt - ist weiterhin nicht klar, ob die historischen Fachwerkhäuser im Zentrum von Ahrweiler wieder restauriert werden können. Dabei leben die Stadt und die Region an der Ahr vor allem vom Tourismus.