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Afghanische Sportlerin: "Einige wollten Töchter nicht gehen lassen"

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Von Mahboobeh Khansari & Luke Hurst
Madina Azizi und weitere Fußballerinnen 2018 in Afghanistan
Madina Azizi und weitere Fußballerinnen 2018 in Afghanistan   -   Copyright  Maryam-Majd/majd.mariam@gmail.com
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Madina Azizi ist Fußballtrainerin und ehemaliger Star der afghanischen Frauenfußballmannschaft - etwas, was unter der 2001 beendeten Taliban-Herrschaft nicht möglich gewesen wäre.

Sie war bereits nach Europa geflohen, bevor sich die Lage in Afghanistan Anfang des Monats dramatisch zuspitzte und schließlich mit der Machtübernahme der Taliban endete - sie hatte eine Rückkehr der Taliban befürchtet.

In den vergangenen zwei Wochen hat sich Azizi dafür eingesetzt, Menschen aus dem Land zu bringen. Gegenüber Euronews sagte sie, dass die Frauen und Mädchen, mit denen sie noch in Afghanistan gesprochen hat, sehr pessimistisch sind.

Die Gedanken der Taliban sind uns seit vierzig Jahren bekannt, und nichts von dem, was sie sagen, ist glaubwürdig: Die Taliban dürsten immer noch nach Blut.
Madina Azizi, ehemalige afghanische Fußballerin

"Wenn ich mit ihnen telefoniere, dann sprechen sie in einem langsamen Flüsterton, mit einem Gefühl der Verzweiflung", so Azizi. "Sie sind total enttäuscht und haben große Angst vor der Situation, die sie in Afghanistan haben." Sie ist sich sicher, dass die Frauen nach der Rückkehr der Taliban "keine Wahl und keine Rechte mehr haben werden".

Manche Familien wollten ihre Töchter nicht evakuieren lassen

Zusammen mit anderen ehemaligen Fußballerinnen hat Azizi Organisationen wie die FIFA angeschrieben, um zu versuchen, mehr Mädchen aus dem Land zu holen. Mit ihrer Hilfe konnten in der vergangenen Woche mindestens 33 Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Funktionärinnen aus dem Frauenfußball evakuiert werden.

"Ich und viele andere wie Shamila Kohestani, unsere erste Kapitänin der Nationalmannschaft, haben zusammen mit anderen Freunden einen Brief an die FIFA geschrieben, um den Nationalspielerinnen, Trainern, Schiedsrichtern und anderen Mitarbeitern des afghanischen Fußballverbands (AFF) zu helfen", sagt sie.

"Im Moment helfen viele Organisationen den Frauen, aber ich glaube, wenn die Taliban kommen, wird alles aufhören." Madina Azizi sagte auch, dass sie einige Familien nicht davon überzeugen konnte, ihre Töchter aus dem Land bringen zu lassen, und verwies auf mehrere jüngste Drohungen gegen Sportlerinnen im Land.

Ich wurde über einen Fall informiert, bei dem die Familie des Mädchens von den Taliban verprügelt und ihre Fußballbilder zerrissen wurden. Dieses Mädchen konnte Afghanistan vor kurzem verlassen. Aber wir wissen nicht, was mit seiner Familie geschehen wird.

Der Tod des afghanischen Frauensports stehe unmittelbar bevor

Madina Azizi glaubt nicht, dass internationaler Druck auf die Taliban etwas bewirken kann. "Auch wenn es eine islamische Gesellschaft ist, muss sie sich weiterentwickeln. Aber sie werden das nicht akzeptieren, ihre Denkweise ist so, dass sie den Fortschritt nicht akzeptieren und den Frauen nie erlauben, einen Schritt nach vorne zu machen und respektiert zu werden."

"Meine ganze Familie ist in Afghanistan", sagt Madina Azizi. "Kein einziges Mitglied meiner Familie kam heraus, und ich konnte nur die Sportler herausholen."

Der Tod des afghanischen Frauensports stehe unmittelbar bevor, meint die Fußballerin. "Besonders meine Generation, wir wollten unserem Land dienen und es langsam zivilisierter entwicklen. Wir haben uns viel vorgenommen. All unsere Bestrebungen sind zu Staub zerfallen. Der Tod des afghanischen Sports, insbesondere des Frauensports, steht unmittelbar bevor. Denn die Taliban haben sich nicht geändert. Die Gedanken der Taliban sind uns seit vierzig Jahren bekannt, und nichts von dem, was sie sagen, ist glaubwürdig: Die Taliban dürsten immer noch nach Blut."