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Alles, was wir über den Vulkan auf La Palma wissen

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Von Alexandra Leistner
Experten glauben, dass der Ausbruch des Cumbre Vieja noch eine ganze Weile andauern könnte. Im Bild: Luftmessungen durch das Militär.
Experten glauben, dass der Ausbruch des Cumbre Vieja noch eine ganze Weile andauern könnte. Im Bild: Luftmessungen durch das Militär.   -   Copyright  Luismi Ortiz/AP
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Der Vulkan auf der spanischen Kanaren-Insel La Palma spuckt weiter Feuer und Asche, die Lava fließt ins Meer und hat die Insel bereits um rund 17 Hektar erweitert. Der Lavastrom hat bald 1000 Häuser unter sich begraben, tausende Anwohner:innen wurden evakuiert, viele wissen nicht, ob ihr Zuhause noch steht oder unter der Lava begraben liegt.

Seit Donnerstag wurden zahlreiche kleinere Erdbeben gemessen. Sorge macht zudem, dass der Wind die giftigen Gase, die beim Kontakt der Lava mit dem Meer entstehen Richtung Inland treiben könnte.

Wir fassen zusammen, was über den Ausbruch des Cumbre Vieja bekannt ist.

Wann ist der Vulkan ausgebrochen?

Der Vulkan ist Teil der 14 Kilometer langen Gebirgskette Cumbre Vieja, im Süden der kleinen kanarischen Insel La Palma. Als sich am 11. September ein Erdbebenschwarm ereignete, schlossen Expert:innen auf einen möglichen Ausbruch. Es handelte sich um mehrere Tausend lokaler Erschütterungen in einer Tiefe von rund acht bis 13 Kilometern. Vulkanolog:innen glauben, dass sie das Ergebnis von Magma waren, das durch die Erdkruste aufstieg.

Die Behörden riefen die Warnstufe gelb aus und baten Anwohner:innen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Am Sonntag, den 19. September 2021, um 16.21 Uhr brach der Vulkan dann aus. Eine Sperrzone wurde eingerichtet und zunächst rund 5.000 Menschen evakuiert.

Das letzte Mal war auf La Palma ein Vulkan vor 50 Jahren ausgebrochen. Im Jahr 1971 spuckte der "Teneguia" Feuer und Asche, die Lava floss drei Wochen lang und erreichte zum Schluss auch das Meer.

Wie lange wird der Ausbruch dauern?

Genau können Expert:innen nicht bestimmen, wie lange der Vulkanausbruch dauert. Basierend auf früheren Ausbrüchen wird allerdings erwartet, dass die Lava noch mehrere Wochen oder sogar Monate laufen könnte. Seit Mittwoch fließt der Lavastrom auch in den Atlantik.

Erster Vulkanausbruch in Spanien seit einem halben Jahrhundert

Auf der kanarischen Insel La Palma ist ein Vulkan ausgebrochen, rund 5000 Menschen wurden evakuiert. Der Vulkan spuckte riesige Feuerfontänen. Zahlreiche Schaulustige filmten sich gefährlich nahe an den Lavaströmen. Mehr > de.euronews.com

Posted by Euronews Deutsch on Monday, September 20, 2021
Nachtbilder des Vulkanausbruchs von Dienstag, 20. September 2021

Ist der Vulkan für den Menschen gefährlich?

Die Anwohner:innen in der Gefahrenzone wurden rechtzeitig evakuiert, die Menschen sind angewiesen, sich vom Lavastrom entfernt zu halten. Die Temperaturen der Lava erreichen über 1000 Grad Celsuis. Verletzte gibt es bisher nicht.

Seit die Lava ins Meer fließt gibt es allerdings Sorge um die Gefahr durch bei dem Kontakt entstehende giftige Gase. Bisher wurden diese vom Land weggeweht, allerdings soll sich der Wind bald drehen. Reporter, die aus unmittelbarer Nähe des Vulkans berichten, tragen zum Teil Gasmasken. Anwohner sind angewiesen, sich in Gebäuden aufzuhalten und extrem vorsichtig zu sein.

Der größte Lavastrom ist Blanco zufolge rund 500 Meter breit und stellenweise bis zu 15 Meter hoch. In der Nacht auf Freitag öffnete sich zudem ein weiterer Schlot von dem aus Lava den Berg hinab fließt und der sich spanischen Medien zufolge wohl einen neuen Weg sucht.

Der Zivilschutz wies die Menschen, die in der Nähe der Aschewolke leben an, Masken zu tragen und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch von Sport im Freien wird abgeraten. Augen sollen mit einer Schutzbrille geschützt werden.

Wie viele Menschen wurden evakuiert und mussten Touristen abfliegen?

Nach Angaben des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus wurden fast 1000 Gebäude zerstört, mehrere hundert Hektar Land sowie Infrastruktureinrichtungen liegen unter der Lava begraben, zahlreiche Straßen wurden zerstört. Mehrere tausend Menschen sind evakuiert worden, einige Touristen wurden auf die Nachbarinsel Teneriffa gebracht.

Die Rauchsäule, die von dem Vulkan aufsteigt, wurde zwischenzeitlich von der Guardia Civil auf rund 3 Kilometer geschätzt. Eine Zeit lang kam es wegen stärkerer Winde zu Verzögerungen im Flugverkehr - auch weil einige Notflüge eingerichtet wurden. Für eine Weile wurden die Flüge zur Insel gestrichen, einziger Weg auf die Insel oder von ihr weg war dann auf dem Seeweg. Seit Freitag 1. Oktober gibt es aber wieder Flüge.

Der Fortschritt des Lavastroms auf Satellitenbildern des Erdbeoachtungsprogramms Copernicus.
Copernicus EMSDer Fortschritt des Lavastroms auf Satellitenbildern des Erdbeoachtungsprogramms Copernicus.

Von den rund 28.000 Einwohner:innen der Insel leben die meisten von Tourismus oder Landwirtschaft - die zwei Sektoren die am stärksten von der Naturkatastrophe betroffen sind. Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte den Betroffenen am Freitag vor Ort ein Maßnahmenpaket zu, damit "Leben wieder aufgebaut" werden könnten. Die Insel soll zum Katastrophengebiet ausgerufen werden. In welcher Höhe die Hilfen ausfallen sollen, werde in der kommenden Woche bei einem Kabinettstreffen bestimmt.

Auch der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, kündigte Soforthilfen für Menschen an, die ihr Zuhause verloren haben. Im Rahmen des Notfallplans sei es auch denkbar, Menschen auf Kreuzfahrtschiffen unterzubringen. Man führe Gespräche mit Hafenbehörden, so Torres.

Was rät Spanien Tourist:innen, die nach La Palma reisen wollen?

Tourist:innen wird geraten, sich über die aktuelle Rate informiert zu halten. Eine offizielle Empfehlung, geplante Reisen abzusagen, gibt es nicht. Im Gegenteil: Die Tourismusministerin war kurz nach dem Ausbruch kritisiert worden, nachdem sie in einem Radiointerview von einem "wunderbaren Naturspektakel" sprach, das der Insel "beschert" wurde und von dem "zahlreiche Touristen profitieren" könnten.

Spanischen Medien zufolge machen sich viele Touristen - auch von den Nachbarinseln - Richtung La Palma auf, um den Vulkan so nah wie möglich mitzuerleben.

Schon bevor die Flughäfen geschlossen wurden, war die Nachfrage nach Tickets für Fährschiffe zwischen den kanarischen Inseln besonders hoch, wie Ignacio Liaño, Flottendirektor von Fred Olsen, einer der Fährgesellschaften, gegenüber 20 Minutos erklärte. Das Unternehmen setzt aufgrund der hohen Nachfrage mehr Fähren ein.

Es seien aber nicht nur Tourist:innen an der Überfahrt interessiert, auch viele Wissenschaftler:innen sowie Helfer:innen machten sich auf in Richtung La Palma. "Der Zugang zur Insel ist nicht beschränkt, nur der Bereich um den Vulkan herum, ein paar Kilometer. Aber in die Städte, die nicht betroffen sind, kann man ohne Probleme gehen", so Liaño. Von der Gemeinde Los Llanos de Aridane sei der Vulkan Tag und Nacht ohne Probleme zu beobachten.

Was hat es mit der Schwefelwolke auf sich?

Der Bevölkerung der Insel wurde geraten, wegen des Rauchs Masken zu tragen und sich soweit wie möglich in Innenräumen aufzuhalten. Die Anwohner:innen wurden zunächst neben Erdbeben und Lavaströmen auch vor giftigen Gasen, Vulkanasche und saurem Regen gewarnt. Am Mittwoch hatten Vertreter der spanischen Militäreinheit für Notfälle begonnen, die Menge des in der Region freigesetzten Giftgases zu messen.

Die Rauchwolke des Cumbre Vieja besteht aus Schwefeldioxid und wird von Winden in Richtung Festland geweht. Allerdings besteht laut Copernicus-Wissenschaftler Mark Parrington keine Gefahr für die Bevölkerung auf dem europäischen Festland. "Die Auswirkungen des von der Cumbre Vieja ausgestoßenen SO2 auf das Wetter und die Luftqualität an der Oberfläche sind höchstwahrscheinlich sehr gering. Der größte Teil des ausgestoßenen Schwefeldioxids befindet sich viel weiter oben in der Atmosphäre."

Copernicus Atmosphere Monitoring Service / Windy
Schwefeldioxid-Vorhersage für Freitag, den 24. SeptemberCopernicus Atmosphere Monitoring Service / Windy

Nach Schätzungen des Instituto Vulcanológico de Canarias werden durch den Vulkan täglich zwischen 6.140 und 11.500 Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre abgegeben.

"Vor allem, wenn sie sich von der Quelle entfernt, wird die Wolke nur als leichter Dunst am Himmel zu erkennen sein". Auf Nachfrage von Euronews erklärt Parrington, dass diese Werte, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr spektakulär erscheinen mögen, "innerhalb der normalen Grenzen für einen großen Vulkanausbruch wie den auf La Palma liegen."