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Wahlverlierer Babis gratuliert Konkurrenz zu "tollem Endspurt"

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Von Euronews mit Jiri Skacel, dpa
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Wahlverlierer Babis gratuliert Konkurrenz zu "tollem Endspurt"
Copyright  JOE KLAMAR/AFP or licensors
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Der Wahlkrimi zog sich über Stunden hin am Samstagabend. Erst dann stand fest: Zwei Oppositionsbündnisse haben überraschend die Parlamentswahl in der Republik Tschechien für sich entschieden.

Das konservative Wahlbündnis Spolu ("Gemeinsam") lag bei 27,8 Prozent der Stimmen und 71 Mandaten, die Stan-Allianz aus Piraten- und Bürgermeisterpartei holte 15,6 Prozent und 37 Mandate. Spolu besteht aus den drei Parteien ODS, TOP09 und KDU-CSL.

Großer Verlierer war die Regierungspartei ANO von Ministerpräsident Andrej Babis. Sie erreichte laut dem vorläufigen Endergebnis 27,1 Prozent der Stimmen und voraussichtlich 72 Mandate. Der zuletzt durch die Enthüllungen in den Pandora Papers ins Zwielicht geratene Babis beglückwünschte seinen schärfsten Widersacher: "Ich möchte dem Spolu-Spitzenkandidaten Fiala zu einem tollen Endspurt gratulieren."

"Viele Menschen verunsichert"

Der Vorsitzende der Piratenpartei, Ivan Bartos, sagte:"Die starke Desinformationskampagne des Ministerpräsidenten gegen die Piraten, mit der wir konfrontiert waren, war spürbar und hat viele Menschen verunsichert."

Die Bündnisse Spolu und Stan eroberten zusammen 108 der 200 Sitze im Abgeordnetenhaus in Prag. Der Stan-Vorsitzende Vit Rakusan war erleichtert: "Ich bin sehr froh, weil jetzt eine große Veränderung in der Tschechischen Republik möglich ist. Und wir, die Bürgermeister und die Piraten, werden ein Teil davon sein."

Das Heft des Handelns in der Hand hält jetzt allerdings Präsident Milos Zeman. Er betonte mehrfach, er werde keiner Koalition, sondern der stärksten Einzelpartei den Regierungsauftrag geben. Das wäre die populistische ANO. Beim politischen Gegner herrscht trotzdem Freude. Vit Rakusan sagte: "Wir haben heute eine große Hoffnung und wir haben auch Freude an einer anderen Sache - dass wir nach 32 Jahren die Kommunisten in die Geschichte geschickt haben."

"Schwierige Koalitionsgespräche"

Euronews-Korrespondent Jiri Skacel brachte das Fazit des langen Wahlabends in Prag auf den Punkt: "Die Koalitionsgespräche werden nicht einfach sein und lange dauern."

Die Wahlbeteiligung lag bei rund 65 Prozent und damit deutlich höher als bei der vergangenen Parlamentswahl vor vier Jahren.

Ins Parlament schafften es vier Parteien beziehungsweise Bündnisse. Schlusslicht nach Stimmenanteilen ist die Partei "Freiheit und direkte Demokratie". Sie sprach sich gegen Migration, die EU und die Nato aus. Damit kam sie auf knapp zehn Prozent der Stimmen.