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Unbekannter Held: Sousa Mendes rettete 10.000 Juden das Leben

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Von Verena Schad  & Euronews  mit afp, Público
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Coloriertes Bild von Aristides de Sousa Mendes um 1940.
Coloriertes Bild von Aristides de Sousa Mendes um 1940.   -   Copyright  Comité Sousa Mendes, Famille de Sousa Mendes

Die Geschichte von Schindlers Liste ist bekannt, die von Aristides de Sousa Mendes weniger. 1940 hat der portugiesische Diplomat und Konsul in Bordeaux Tausende Menschen vor der Deportation gerettet, indem er ihnen Visa zur Ausreise aus Frankreich besorgte.

Der 1940 nach Bordeaux entsandte Aristides de Sousa Mendes hatte sich geweigert, die Anordnungen des Diktators Antonio Oliveira Salazar zu befolgen. Der hatte den Konsuln verboten, "Ausländern mit unbestimmter Staatsangehörigkeit", "Staatenlosen" oder "Juden" Visa zu erteilen.

Innerhalb von neun Tagen stellte er allen Flüchtlingen, die ein Visum beantragten, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion, ein Visum aus und rettete so mehr als 30.000 Menschen, darunter 10.000 Jüdinnen und Juden. Die meisten von ihnen gehörten einer Flüchtlingswelle an, die 1940 in die noch nicht besetzten Gebiete Frankreichs strömte.

Doch er fiel in seinem Land in Ungnade und wurde nach einem Prozess durch das Salazar-Regime seines Amtes enthoben. Sein Leben endete in Armut, bevor er 1954 im Alter von 69 Jahren in einem Lissabonner Krankenhaus verstarb.

Der portugiesische Staat unternahm einen ersten Schritt zu seiner Rehabilitierung, indem er ihm 1986 das Verdienstkreuz verlieh und ihn später posthum wieder in seine diplomatische Laufbahn einführte.

Späte Ehrung: Einzug ins Lissaboner Panthéon

Am Dientag wurde Aristides de Sousa Mendes eine verspätete offizielle Anerkennung zuteil. Portugal hat den Mann, der lange Zeit in Vergessenheit geraten war, mit einer offiziellen Zeremonie in das berühmte Lissabonner Pantheon aufgenommen. In dem Denkmal sind die größten Persönlichkeiten der Nation beigesetzt.

"Aristides de Sousa Mendes: Unser unvollkommener Held betritt endlich das Pantheon", hieß es auf der Titelseite der portugiesischen Zeitung Público. Portugal verneige sich ihm "in ewiger Dankbarkeit heute und immer" gedenkt, sagte Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa. Er habe Portugals Geschichte verändert und Portugal in der Welt bekannt gemacht, sagte der Präsident während der Zeremonie.

Während sein Leichnam in dem Familiengrab in seinem Heimatdorf Cabanas de Viriato in der Nähe von Viseu beigesetzt wird, wurde ein Grabstein zu Ehren des Diplomaten im Pantheon neben Humberto Delgado aufgesteltt - einem weiteren berühmten Gegner des ehemaligen Diktators António de Oliveira Salazar.

Margarida de Magalhães Ramalho, Historikerin und Co-Autorin des Virtuellen Sousa Mendes Museums, sagte: "Aber was hat dieser Mann getan? Etwas ganz Einfaches: Er hat nicht gehorcht. Und wenn es schon Mut erfordert, Befehle zu befolgen, mit denen man nicht einverstanden ist, dann ist es sicher noch schwieriger, seinem Gewissen zu folgen und sie nicht auszuführen."

Auch die französischen Städte Bordeaux, Bayonne und Hendaye ehrten Sousa Mendes am Dienstag. Während des gesamten Oktobers finden in Bordeaux Gedenkveranstaltungen statt. Die Auststellung "1940, l'exil pour la vie" vom Komitee Aristides de Sousa Mendes zeichnet mit Dokumenten und Videos das Leben und Wirken des Diplomaten nach. Sie läuft noch bis zum 31. Oktober im Cenon am Stadtrand von Bordeaux.

Vergleich mit dem Industriellen Oskar Schindler

Sousa Mendes wird häufig mit dem deutschen Industriellen Oskar Schindler verglichen, der Hunderte Juden vor der Deportation gerettet hat. Schindler hatte während des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit seiner Frau Emilie etwa 1.200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten bewahrte.

Sousa Mendes wurde 1966, genauso wie Oskar Schindler 1993, von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als "Gerechter unter den Völkern" gewürdigt, die an den Völkermord am jüdischen Volk während des Zweiten Weltkriegs erinnert, bei dem sechs Millionen Menschen starben.

In Sousa Mendes Heimatort, Cabanas do Viriato, soll in dem seit langem verlassenen Familiensitz ein Museum eingerichtet werden, um das Andenken an den Diplomaten zu bewahren. Das Projekt, das im vergangenen Jahr von der Gemeinde Carregal do Sal übernommen wurde, soll im Jahr 2023 fertiggestellt werden und das Museum eröffnen.

Weitere Quellen • Comité Sousa Mendes