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Usbekistan investiert in Schulbildung, auch in abgelegenen Regionen

Von Galina Polonskaya
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Usbekistan investiert in Schulbildung, auch in abgelegenen Regionen
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In den vergangenen Jahren haben immer mehr Kinder in ganz Usbekistan, auch in den entlegensten Regionen, Zugang zu einer Vorschulbildung bekommen. Alternative Schulmodelle wurden eingeführt, Lehrer:innen kommen mit einem Bus jeden Morgen in abgelegene Dörfer, und Kinder können selbst entscheiden, wie sie lernen.

Zilola Masharipova arbeitet als Lehrerin in einer der mobilen Vorschulen Usbekistans. Jeden Morgen fährt sie in einem mit Lehrmaterialien ausgestatteten Bus in das abgelegene Dorf Dashyok, um dort zu unterrichten. Dutzende dieser Busse sind im ganzen Land unterwegs. Es ist eine von mehreren Initiativen, die allen usbekischen Kindern den Zugang zur Vorschulbildung ermöglichen sollen.

Euronews-Reporterin Galina Polonskaya begleitet Zilola Masharipova durch Choresmien - eine der abgelegensten Regionen Usbekistans, um sich die neuen Wege des Landes im Bereich der Vorschulerziehung anzusehen.

Aus Sicht der Lehrerin hat das Projekt in der ländlichen Region große Auswirkungen. "Dank der mobilen Vorschulen haben Kinder im Alter von 3 bis 7 Jahren die Möglichkeit, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine qualitativ hochwertige Vorschulerziehung zu bekommen, selbst in den entlegensten Dörfern, in den ländlichen Gebieten", so Zilola Masharipova.

Kinder, die bisher nicht in der Vorschule waren, haben jetzt die gleichen Startchancen wie in den Städten.
Zilola Masharipova, Lehrerin in der usbekischen Region Choresmien

Der Unterricht ist kindzentriert, das heißt, es kann seinen eigenen Weg zum Lernen finden. Zilola lädt ihre Schützlinge dazu ein, das Thema des Tages zu entdecken. Diesen Monat beschäftigen sie sich mit den Herbstfarben. "Im Herbst färben sich die Blätter der Bäume rot und gelb, wie diese Ziegelsteine, und dann fallen sie herunter", sagt der fünf Jahre alte Farzona.

Viele Eltern aus dem Dorf Dashyok haben seit Jahren auf eine Vorschule gehofft. "Jetzt haben unsere Kinder die Möglichkeit, eine gute Bildung und Erziehung zu bekommen, sie lernen hier zeichnen, schreiben, zählen, spielen und entwickeln sich geistig. Für uns Eltern ist das ein Glück", sagt Ekutzhon Rusmetova.

60 % der usbekischen Kinder erhalten heute Vorschulbildung

2012 hatten nur 23 Prozent der Kinder in Usbekistan eine Vorschule besucht, in ländlichen Gebieten waren es sogar nur 8,5 Prozent. Seit 2017 gibt es einen erheblichen Reformschub. Und heute erhalten über 60 Prozent der usbekischen Kinder diese Ausbildung.

Das Ziel ist es, jedes Kind zu erreichen. Die Schule ist jetzt für 6-Jährige verpflichtend. Einige Schulen, bieten kostenlosen Halbtagsunterricht an.

Kindzentriertes Lernen ist ein neuer Ansatz im usbekischen Bildungswesen. Die Verantwortliche im usbekischen Bildungsministerium, Irina Grosheva, erklärt: „In dem alten System war die Erzieherin die Schlüsselfigur. Jetzt ist es das Kind, das die Hauptrolle spielt. Das Kind, das das Recht hat, seine Aktivitäten selber auszusuchen. Unser Ziel ist es, das analytische Denken und die Kreativität der Kinder zu fördern. Es ist die Kreativität, die die Persönlichkeit des Kindes wachsen lässt."

Die Weltbank unterstützt Usbekistan bei der Entwicklung einer qualitativ hochwertigen Vorschulerziehung durch verschiedene Projekte, die sie in den jeweiligen Gebieten finanziert. "Wir unterstützen eine kindzentrierte Pädagogik, bei der Kinder von klein auf in die Lage versetzt werden, Probleme zu lösen, denn das Lösen von Problemen ist entscheidend für die Entwicklung einer besseren Lernfähigkeit in der Zukunft", so Marco Mantovanelli, Weltbank-Manager für Usbekistan.

Vorschullehrer:in ist zur beliebten Berufswahl geworden

In Shikhmakhshad, ebenfalls in der Region Choresmien, besucht Euronews-Reporterin Galina Polonskaya eine weitere alternative Vorschule, eine sogenannte Spielgruppe. Die Kinder lernen spielerisch in altersgemischten Gruppen. Neben der Unterstützung durch die Bildungsreform hat UNICEF dazu beigetragen, acht solcher Spielgruppen in Usbekistan zu eröffnen.

UNICEF-Beauftragter für Usbekistan, Munir Mammadzade, erklärt: "Soft Skills und kritisches Denken, die Fähigkeit zu interagieren, zu kommunizieren und Probleme zu lösen - auch wenn sie in diesem Alter vielleicht noch sehr einfach sind – das ist etwas, in das wir investieren und dem wir mehr Aufmerksamkeit schenken. All das hilft uns, den gesamten Lehrplan für die Lehrer neu zu definieren.“

Das Wichtigste in unserem Beruf ist es, im Herzen Kind zu bleiben, sonst können sich die Kinder uns gegenüber nicht öffnen und uns in ihre Welt lassen.
Nadina Nabieva, Lehramtsstudentin aus Usbekistan

Vorschullehrerin ist zu einer beliebten Berufswahl geworden, seit eine bessere Ausbildung für usbekische Kinder gefördert wird. Nadina Nabieva studiert an der neu eröffneten Taschkenter Zweigstelle der koreanischen Bucheon Universität. Hier lernen die Studenten, wie man kreativ unterrichtet.

"Das Wichtigste in unserem Beruf ist es, im Herzen Kind zu bleiben, sonst können sich die Kinder uns gegenüber nicht öffnen und uns in ihre Welt lassen“, sagt Nadina Nabieva.